Heute in der Therapie: das Müdigkeitsmonster

In der Therapie geht es ja immer wieder um meine Dauermüdigkeit und den Umgang damit.
Meine Therapeutin schlug jetzt eine Visualisierungsübung vor – wobei wir uns beide nicht sicher sind, ob das was für mich ist (gefühlt eher nicht). Bevor ich mich auf sowas einlasse, will ich natürlich erstmal wissen, was mich ungefähr erwartet. Im Prinzip läuft es wohl darauf raus, dass ich mir die Müdigkeit als eine Art Dämon vorstelle. Dazu würde ich konkret überlegen, wie er aussieht. Dann tritt man mit diesem Dämon ins Gespräch und stellt ihm bestimmte Fragen. Eine Option wäre dann noch, dass man sich eine Art Beistand holt. Außerdem nimmt man irgendwann die Rolle vom Dämon ein und auch hier gibt es irgendeine Art von Gespräch.
Während meine Therapeutin mir das erklärte, hörte ich zu, aber als sie fertig war, sah ich plötzlich vor mir, welche Gestalt diese Müdigkeit hätte: Es war ein schleimiges, wabbeliges Etwas, das sich auf mich legt, das mich umfließt, das mich erdrücken will.

Das habe ich ihr natürlich erzählt und dann war da der Gedanke, dass ich das aufmalen will. Ich habe seit Jahren nicht mehr gemalt. (Wobei meine Bilder auch nur therapeutischen Wert haben, keinen künstlerischen^^) Kunst hatte ich nicht ohne Grund so schnell wie möglich abgewählt, weshalb ich auch sehr erstaunt war, dass mir in der Klinik ausgerechnet das „thematische Gestalten“ so viel gebracht hat. Nachdem das bei mir fest mit Ölkreiden verbunden ist, habe ich mir welche gekauft und sie gelegentlich auch genutzt, aber nicht in den letzten Jahren.
Zum Glück hat meine Therapeutin auch Ölkreiden und so entstand eine erste Version vom Müdigkeitsmonster (der Begriff „Monster“ ist mir momentan sympathischer, auch wenn ich den Sinn hinter der Bezeichnung „Dämon“ durchaus nachvollziehen kann).

Was meine Figur angeht, gibt es verschiedene Positionen, die ich mir vorstellen kann. Im aktuellen Bild stehe ich, kann mich aber kaum bewegen wegen dem Monster. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass ich um mich schlage (um mich zu befreien) oder zusammengekauert dasitze wie beim Glasglockenbild oder dass ich schon völlig matsche bin und auf dem Boden liege und quasi endgültig unter dem Monster verschwinde.
Ich habe mich schwarz gezeichnet, weil die Gedanken ziemlich dunkel sind, wenn das Monster aktiv ist.
Nachdem schwarz schon vergeben war, brauchte ich für das Monster eine andere eher dunkle Farbe. Es wurde dann blau, weil das für mich auch mit Nacht (= Schlafen) und Kälte (ich friere immer extrem, wenn ich müde bin) verbunden ist.

Was natürlich sofort auffiel, war das höchst zufriedene Grinsen des Monsters. Es ist zufrieden mit seinem Erfolg. Warum das Monster mit dieser Situation so zufrieden ist, wissen wir noch nicht. Will es Macht? Ist es Sadist? Will es einfach allen Raum für sich und ich muss daher weichen? Oder … ?

Wir werden nächstes Mal mit dem Bild weitermachen. Ich könnte mir gut vorstellen, diese Sache mit den Fragen nicht in so einer Imaginationsübung (oder wie auch immer das heißt) zu machen, sondern eher anhand des Bildes. Meine Therapeutin kann sich das nicht so ganz vorstellen, weil es natürlich ein anderes Setting ist. Sie würde gerne etwas versuchen, was mal von der reinen „Verstand-Ebene“ weggeht (auch wenn der Verstand nicht völlig abgeschaltet werden soll). Ob wir da mit so einer Übung bei mir hinkommen, wissen wir beide nicht (ich gebe zu, ich bin äußerst skeptisch). Es ist beruhigend zu wissen, dass sie mich da zu nichts drängt. Ich kann die Übung ablehnen und das ist ok. Ich kann sie machen und wenn es zu nichts führt, wird sie mir nicht vorwerfen, dass ich mich nicht richtig drauf eingelassen hätte o.ä.

Andererseits bin ich – vor allem in der Klinikzeit – aber teilweise schon mit Bildern an Gefühle rangekommen. Oder danach bei diesem hier.
Insofern bin ich gespannt, wie sich das entwickelt.
Und vielleicht male ich in der Zwischenzeit ja noch ein paar Monster-Variationen. Mit anderen Posen von mir. Oder mit einem Monster, das die Zähne zeigt wie manche Comicfiguren.

Ich habe ansonsten noch ein weiteres Bild von dem Müdigkeitsdämon. Das ist eher so eine Art Teufelchen mit Mistgabel, das mich ärgern und pieksen will. Ich bin mir aber nicht sicher, ob da nicht der „fordernde Erwachsene“ aus der Schematherapie mit reinspielt. Den habe ich nämlich mit einer Gabel visualisiert…

Und vielleicht nehme ich nächstes Mal meine Ölkreiden mit. Erstens sind es mehr Farben und zweitens fühlen die sich irgendwie anders an (andere Marke).

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Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten (Reblog)

dasfotobus

Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten. Ein oft gelesener Satz.
Ich weiß nicht, wer ihn zuerst prägte. Doch meine ich mich zu erinnern, dass er von einem Autisten selbst kam.

Nun lese ich ihn immer öfter von Nicht-Autisten. Zum Beispiel wenn ich die Darstellung eines Autisten in einer Serie kritisiere.
Oder wenn ich Eltern von Autisten etwas aus meiner Perspektive berichte zu dem Verhalten ihres Kindes.

Oftmals wird dieser Satz dabei jedoch missverstanden oder gar missbraucht.
Autisten, die ihn anwenden, meinen damit, dass jeder Autist neben seinen Symptomen auch noch einen individuellen Charakter, individuelle Vorlieben und Abneigungen etc. hat.
Autisten sind Menschen, Individuen, wie Nicht-Autisten auch. Und die Symptome können nach außen unterschiedlich wirken.
Nicht-Autisten, die den Satz anwenden, zielen dagegen oft auf die angeblich stark unterschiedliche Symptomatik ab und rechtfertigen damit zum Beispiel schlechte Darstellung von Autismus in Serien, Filmen oder Büchern. Oder Eltern wollen damit sagen…

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Es ist nur Autismus VI – Eltern können dazu lernen (Reblog)

Autismus - Keep calm and carry on

So einfach
und doch
so schwer.

Hier im Blog habe ich schon öfter beschrieben, wie lange wir für die Diagnosefindung bei den Kindern gebraucht haben.

Nach April 2010, als die Diagnose beim Ältesten dann endlich stand, habe ich begonnen mich eingehender damit zu beschäftigen, was Autismus eigentlich heißt.

Ich hatte ja immer noch dasselbe Kind vor mir, dass mir so nah war und ist, wie vor der Diagnose.

Nur die Merkwürdigkeiten, an denen sich die Umwelt dauernd gestoßen hatte, hatten nun einen Namen.

Also las ich (bekennender Vielleser) alles, was ich in die Finger bekommen konnte.
Schließlich verband ich mit Autismus all die Klischees, mit denen Menschen so in Kontakt kommen und die sie nebenbei mal in den Medien aufschnappen.

Ich landete in einem Elternforum, las Fachbücher von ausgewiesenen Fachleuten, beschäftigte mich mit Institutionen die sich dafür einsetzen Aufklärung über Autismus nach vorne zu bringen und dachte WOW, da…

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Nur ein kleiner Konzertbesuch…

Wieder so eine „kleine“ Sache, die hier zur großen Aktion wird. Einiges hab ich dazu auch getwittert, aber nicht alles – und es ist ja auch nicht jeder bei Twitter.

Es war ein kleines Abendkonzert in einer Kirche in einem anderen Stadtteil, bei dem eine Bekannte mitgesungen hat. Ich wollte gerne hin, weil sich das Konzert nach einem netten Abend anhörte und ich sie auch gern mal wieder kurz sehen wollte, nachdem ihr spontaner Versuch vor kurzem an der Klingel gescheitert war.
Die Kirche verrät auf ihrer Homepage leider keinen Standort, zum Glück war ich misstrauisch und fragte nochmal bei meiner Bekannten nach – und das Misstrauen war berechtigt, an der im Impressum angegebenen Adresse steht nur das Gemeindehaus, die Kirche ist ganz woanders. Die Seite hat zwar viele Informationen, aber sowas wie „Anfahrt“ leider nicht^^

Also informierte ich mich, wie ich hinkomme: Bus oder Fahrrad, circa 30-45 Minuten. Ich wusste bis kurz vorher nicht, ob ich jetzt hingehe oder nicht.

Schlussendlich bin ich gegangen bzw. gefahren – mit einem Bus, der eine wahre Stadtrundfahrt macht und ganz knapp vorher ankommt, aber ich hatte keine Lust, fast eine halbe Stunde zu früh da zu sein.
Dass ich vergessen hatte, Ohrstöpsel zum Musikhören mitzunehmen, war blöd… aber zum Glück war es die meiste Zeit halbwegs ruhig im Bus und ich hatte bei der Hinfahrt den größten Teil der Strecke den einzigen Einzelsitz ergattert und zurück hatte ich ihn sogar die ganze Zeit.
Ich war von der Stadtrundfahrt irgendwann allerdings so irritiert, dass ich doch nochmal beim Busfahrer nachfragte, ob wir wirklich da hin fahren^^ (es waren in der Verbindungsübersicht auch Umsteigeverbindungen gewesen und ich hatte Angst, dass ich da evtl. was verwechselt hab).

Die Kirche war zum Glück leicht zu finden, ich hatte die Karte vorher angeschaut und sie hat auch einen ausreichend hohen Turm. Der Bus war schlussendlich doch pünktlich und ich etwa 3 Minuten vor Beginn da (sie haben glaube ich aber auch noch 2-3 Minuten zu spät angefangen). In der Kirche hatte ich eigentlich vor, mich in einer der hinteren Reihen an den Rand zu setzen (die waren komplett leer), entdeckte dann aber den alleine sitzenden Mann meiner Bekannten, den ich recht gut kenne, und beschloss, mich zu ihm zu setzen. Wir haben kurz geredet und dann kam die Herausforderung in Form einer weiteren Bekannten von ihm. Sie war zwar einen Bus vor mir gefahren, aber am Gemeindehaus gelandet. Ihr Glück war, dass besagtes Gemeindehaus auf dem Weg von meinem Bekannten zur Kirche liegt und sie ihr zumindest sagen konnten, wie sie da hinkommt (sie waren selbst mit dem Rad unterwegs).
Als sie in die Kirche kam, winkte er sie also heran, wodurch ich aber zwischen den beiden saß. Ich überlegte kurz, ob ich mit ihm tauschen soll, beschloss dann aber, dass sie nett aussieht; und sie ließ auch einen brauchbaren Abstand. Nach dem ersten Stück fiel ihm aber sogar ein, dass ich vielleicht nicht gern zwischen ihm und einer mir fremden Person sitze, und er fragte, ob ich mit ihm tauschen möchte. Fand ich nett von ihm 🙂 Er weiß von meinen Diagnosen, aber wir sehen uns nur wenige Male im Jahr und meist ist es nicht mehr als eine kurze Begrüßung – er kennt mich also nicht sooo gut.

Und es war gut, dass ich neben ihm saß, denn am Ende war ich dann von der Aussage irritiert „der Chor bleibt noch etwas zusammen, daher bekommen die Chorsänger die Blumen erst nachher ausgeteilt“ (oder so ähnlich, ich hab es nicht ganz gerafft…). Nachdem meine Bekannte auch im Chor mitgesungen hat, wusste ich nicht, ob ich sie dann begrüßen kann oder nicht. Alleine hätte ich wohl erstmal abgewartet und beobachtet, so konnte ich ihren Mann fragen, der sofort meinte „natürlich kannst du sie begrüßen“.
Was ich dann natürlich auch tat 🙂

Die nächste Herausforderung war dann, dass ich vor der Heimfahrt noch eine Toilette brauchte. Die zur Kirche gehörige (in einem Nebengebäude) war nur leider zu… ich überlegte, ob ich versuchen soll, jemanden mit Schlüssel zu finden, aber eigentlich wollte ich den nächsten Bus bekommen… und keine Ahnung, ob es jemanden gegeben hätte und der mir aufgeschlossen hätte… so war ich dann mal mutig und habe mich überwunden, in einem Restaurant zu fragen. Das sah zwar aus, als ob es noch halb zu wäre (hinter einer halb offenen Tür deckte eine Kellnerin Tische), aber es saßen Leute draußen, die bestätigten, dass schon offen ist. Die Kellnerin war total nett und wollte noch nicht einmal Geld für meinen Toilettenbesuch.

Nachdem die Bekannte meiner Bekannten ja auch mit dem Bus gekommen war, überlegte ich, ob ich sie wohl an der Bushaltestelle wiedersehen würde und wie ich mich dann verhalten sollte. Sie war allerdings nicht da, was mich zwar etwas wunderte, aber vielleicht war sie ja noch einkaufen oder hatte beschlossen, den etwas später fahrenden Bus einer anderen Linie zu nehmen (der am Bahnhof ziemlich zeitgleich ankommt, weil er keine Stadtrundfahrt macht). Soweit ok.
Womit ich dann überhaupt nicht gerechnet hatte: Sie saß schon im Bus. Keine Ahnung, warum sie zu einer früheren Haltestelle gegangen war. Ich merkte es erst, als ich halb saß, und als ich mich nochmal umdrehte, begann sie gerade in einer Zeitschrift zu lesen.
So wirklich sicher bin ich nicht, was die „übliche“ Reaktion in der Situation gewesen wäre (egal, ob ich sie jetzt an der Haltestelle oder im Bus getroffen hätte, letzteres war halt nur unerwartet). Wir hatten halt 1,5 Stunden nebeneinander gesessen und ein paar Sätze miteinander geredet, mehr nicht. Da werde ich wohl Montag mal meine Betreuerin fragen.
Sie saß hinter mir und stieg vor mir aus, insofern hatten wir keinen Kontakt mehr.

Aber insgesamt war es schön und ich bin froh, dass ich mich aufgerafft habe, auch wenn der Weg ziemlich nervig war. Und es ein bisschen frustrierend war, Leute singen zu hören und zu wissen, dass man zur Zeit nicht selbst singen kann… die Bronchitis ging von März bis Mai, aber ich habe immer noch Probleme mit der Stimme :-/

Auf dem Rückweg war ich sogar noch einkaufen, insofern war ich zwar heute nicht sonderlich produktiv, habe aber trotzdem nicht das Gefühl, überhaupt nichts geschafft zu haben.

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Frustriert, traurig… was auch immer

Immer wieder sind es Kleinigkeiten, die mich richtiggehend ins Loch schmeißen.
Dieses Mal war es mein Problem damit, bei unerwartetem Klingeln die Tür zu öffnen. Fein kombiniert mit einer sehr mittelprächtigen Nacht und der Tatsache, dass ich deshalb am Nachmittag im Bett lag (oder eher: versucht habe zu schlafen).

Heute am Spätnachmittag klingelte es. Ich war noch am Dösen, aber eigentlich war klar, dass ich nicht mehr einschlafen würde, weil der Wecker für etwa 15 Minuten später gestellt war. Ca. 95% der unerwarteten Klingler sind Paketboten (ich wohne im Erdgeschoss…) und ich bringe es immer nicht fertig, Pakete für Nachbarn nicht anzunehmen, weil ich weiß, wie schlecht die Arbeitsbedingungen bei den meisten Paketdiensten sind. Andererseits ist es für mich halt gleich mehrfacher Stress: Einmal beim Annehmen der Sendung(en) und dann noch beim Abholen durch die Nachbarn. Also mache ich für gewöhnlich nicht auf, und eigentlich wissen das die Menschen in meinem Umfeld auch.
Vorhin dachte ich sogar kurz „vielleicht doch kein Paketbote“, weil ich in dem Fall normalerweise höre, wie es kurz darauf in anderen Wohnungen klingelt. Allzu viel gedacht habe ich mir aber nicht. Wie gesagt, ich war noch etwas dösig… Als es wenige Minuten später nochmal klingelte, war ich verwundert… aber bin leider immer noch nicht auf die Idee gekommen, mal auf mein Handy zu schauen. Denn dort war eine SMS. Die ich aber nicht direkt mitbekommen habe, weil das Handy noch im „Schlafmodus“ war.

Ich vermute, dass der Ablauf war 1. Klingeln, 2. SMS schreiben (weil sie weiß, dass ich nicht unbedingt aufmache) und 3. nach kurzem Warten nochmal klingeln. Es sei denn, das zweite Klingeln war jemand anders, ist aber eher unwahrscheinlich.

Und jetzt bin ich einfach frustriert und traurig, weil es jemand war, den ich seit fast 3 Monaten nicht mehr gesehen habe, weil ich seitdem dauerkrank bin und nicht in den Proben war (und gerade ist auch kein Ende dieses Zustands absehbar). Und ich diese Person mag und ich mich so gefreut hätte, sie kurz zu sehen.

Ich versuche mal, in Zukunft dran zu denken, vor allem bei „verdächtigem“ Klingeln (nur bei mir, ohne dass ich was bei den Nachbarn höre) wenigstens sofort aufs Handy zu schauen. Oder vorsichtig rauszulinsen, aber da besteht dann doch wieder die „Gefahr“, dass der Paketbote merkt (wenn er es denn ist), dass ich doch da bin… und das mag ich nicht, auch wenn ich natürlich weiß, dass ich nicht verpflichtet bin, Pakete für die halbe Nachbarschaft anzunehmen… und beim Rausschauen sehe ich nicht viel, wenn ich nicht die Balkontür öffne.

Alles blöd heute. Bis auf die geschenkten Erdbeeren am Abend.
Aber trotzdem doof, wenn ich mir selbst so im Weg stehe und hinterher dann traurig bin, weil mir mal wieder aus so doofen Gründen was Schönes entgangen ist. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich hier ein ausgeprägtes Social Life hätte. Umso wichtiger sind mir die wenigen Personen, zu denen ich Kontakt habe. Und darum war das heute so schade für mich.

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Welt-Autismus-Tag

Letztes Jahr haben wir geschwiegen.
Dieses Jahr habe ich eigentlich zwar keine Zeit, was zu schreiben, bringe es aber auch nicht fertig, nichts zu schreiben^^

Seit Tagen geistert Autismus mal wieder durch die Medien, im Kontext des „Welt-Autismus-Tags“ am 2.4., der direkt davor liegenden „Autism Awareness Week“ und des Aprils als „Autism Awareness Month“.

Ich wünsche mir nicht Awareness, sondern Acceptance. Dass die Gesellschaft akzeptiert, dass Autisten so sind, wie sie sind. Dass Autisten grundsätzlich so bleiben dürfen, wie sie sind, und sich nicht ständig verbiegen müssen.

Ich wünsche mir ein Verbot von normangleichenden Therapien, ob sie jetzt direkt ABA heißen, anders bezeichnet werden, abgeschwächte Formen davon sind oder ob sie „nur“ mit Konditionierung und Verstärkung funktionieren, ohne das komplette ABA-Programm zu fahren. Oder auch ganz anders ablaufen. Egal, ob Einzel- oder Gruppentherapie, ob eine Stunde pro Woche oder vierzig. (Was natürlich nicht heißen soll, dass eine Stunde pro Woche mit ausgebildetem Therapeuten nicht das geringere Übel ist im Vergleich mit 20-40 Stunden die Woche mit kurz angelernten Co-Therapeuten und Eltern als Therapeuten.)
Ich wünsche mir einen Zugang zu guten Förderungen und Therapien, die Autisten helfen, in der Welt zurechtzukommen, ohne sich dabei zu verbiegen. Und dass die Teilnahme an Therapien möglichst freiwillig bleibt. (Ein Sozialkompetenztraining für „hochfunktionale Autisten“, welches beworben wird mit „die Autisten leiden ja darunter, in der Welt nicht klarzukommen, und wollen daher entsprechende Fertigkeiten erwerben“, aber gleichzeitig Tokens braucht, ist mir suspekt. Wenn [wie behauptet] die entsprechende intrinsische Motivation da ist, wozu braucht man dann Verstärkerpläne?)
Ich wünsche mir Zugang (ohne monate- oder gar jahrelangen Kampf und Rechtsstreit) zu Unterstützungsmöglichkeiten wie Integrationshelfern, ambulant betreutem Wohnen, Entlastungen für Angehörige etc.

Ich wünsche mir echte Inklusion, sowohl in der Schule und Ausbildung als auch später im Beruf und allgemein im Alltag. Dass man um die Inklusion nicht kämpfen muss und die nötigen Hilfen dafür bekommt. Dass (vor allem, aber nicht nur) Schulen entsprechend personell und räumlich ausgestattet werden. Besser ausgebildete Lehrer, Erzieher etc., die offen für die autistische Wahrnehmung und für individuelle Lösungen sind (die oft gar nicht besonders aufwendig oder kompliziert sein müssen).

Ich wünsche mir, dass anerkannt wird, dass Autismus sich nicht von der Persönlichkeit trennen lässt, und dass Autisten mehrheitlich „Autist“ und nicht „Mensch mit Autismus“ als Bezeichnung befürworten. (Dass ich Mensch bin, sollte selbstverständlich sein. Aber vielleicht muss man das in Zeiten, wo vereinzelt Autisten [mehr oder weniger indirekt, aber trotzdem] das Menschsein abgesprochen wird, ja besonders betonen…)

Ich wünsche mir ausreichende, zeitnahe Zugangsmöglichkeiten zur Diagnostik für alle Altersgruppen. Dass Diagnostiker sich an die Leitlinien halten und nicht Autismusdiagnosen vergeben „weil er mir nicht die Hand gegeben hat“ oder (wesentlich häufiger) mit dämlichen Gründen wie „er hat mir die Hand gegeben“, „hat eine Beziehung zu den Eltern“ oder „hat einen Job/ Partner…“ ablehnen.

Ich wünsche mir weniger Barrieren – in den Köpfen und im Alltag. Weniger Klischees, Vorurteile und Ablehnung von Autisten, weil ja „alle Autisten „. Mehr Möglichkeiten der schriftlichen Kontaktaufnahme mit Ärzten, Behörden etc. Mitmenschen, die damit umgehen können, wenn man nicht alle Kraft ins Kompensieren steckt, sondern sich zum Beispiel lieber auf den Inhalt eines Gesprächs konzentriert statt darauf, Blickkontakt zu faken.

Ich wünsche mir mehr „mit uns statt über uns“. Natürlich können sich auch Eltern und Experten sehr gerne äußern, aber zur Zeit sind sie nach wie vor überrepräsentiert – oder andersherum gesprochen sind die Autisten selbst unterrepräsentiert. In eine ausgewogene Berichterstattung über das Leben oder die Schwierigkeiten von Autisten gehören meiner Meinung nach immer auch Autisten selber.
Und der Wunsch „mit uns statt über uns“ gilt auch für die namhaften Autismusorganisationen. Da sind Autisten kaum vertreten und die Ziele widersprechen teilweise klar dem, was Autisten sich wünschen (nicht Heilung, sondern Akzeptanz und Unterstützung). Daher lehne ich „light it up blue“ ab, denn das wurde von Autism Speaks initiiert. Und diese Organisation hat einen starken „Autismus muss geheilt oder gleich ganz vermieden werden“-Drall und wird nicht ohne Grund von vielen Autisten inkl. mir selbst abgelehnt. Ich bevorzuge red instead.
Ich wünsche mir weniger Missbrauch des Worts „Autismus/ Autist“ durch Politiker, Journalisten und sonstige „Promis“, denn das erzeugt oder verstärkt das falsche Bild von Autismus mit allen Auswirkungen für Autisten.

Ich wünsche mir Forschung, die nicht ihren Schwerpunkt auf Ursachenforschung und Heilungsmethoden setzt, sondern darauf, was Autisten im Alltag hilft.
Ich wünsche mir überhaupt allgemein die Dinge, die ich im Beitrag Eine nationale Autismusstrategie für Deutschland? geschrieben habe.

Ich finde, dass diese Sachen nicht zu viel verlangt sind. Eigentlich müsste ich bei einigen Punkten wie beispielsweise der auch in der UN-BRK verankerten Inklusion nicht sagen „ich wünsche mir“, sondern „ich fordere“. Es kostet keinen viel Zeit oder Geld, einfach offen für sein Gegenüber und dessen Wahrnehmung zu sein. Und allein damit wäre schon viel gewonnen, weil dann klar würde, warum manche Sachen für viele Autisten schwierig (und somit sehr kraftraubend) oder auch unmöglich sind.
Ich sehe das an meinen Eltern. Seit der Diagnose versuchen sie, mich besser zu verstehen. Das haben sie zwar auch vorher versucht, aber keiner von uns konnte wirklich „greifen“, was eigentlich das Problem ist. Ich konnte es nicht richtig beschreiben und dachte ja noch dazu, dass ich „falsch“ bin. Mittlerweile kann ich besser erklären und anderen Leuten meine Wahrnehmung beschreiben. Dabei haben auch
Literatur wie Autismus mal anders von Aleksander Knauerhase (und ein Vortrag mit ihm) und die Bücher von Daniela Schreiter geholfen.
Diese Bücher und Aleksanders Vorträge kann ich allen nur empfehlen, die etwas über den Alltag und die Wahrnehmung als Autist lernen möchten. Und natürlich ist es immer auch eine gute Idee, bei den Autisten selbst nachzufragen, gerade wenn es um eine bestimmte Person (das eigene Kind, ein Schüler in der Klasse, ein Freund…) geht.

Ich wünsche mir einen offenen, vorurteilsfreien und respektvollen Umgang miteinander.
Und immer noch: Akzeptanz

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Eigentlich nur ein Spaziergang…

… und definitiv nichts, wo ich einen Blogartikel darüber schreiben wollte. Aber dann waren da Menschen…

Und damit meine ich nicht die Hundebesitzer im kleinen Park, die stören mich nicht im geringsten. Ich meine die Truppe mit dem Bollerwagen, die laut und nervig durch die Straße zogen. Keine Ahnung, ob das eine „es ist Karfreitag und wir wollen provozieren“-Gruppe war oder ein Junggesellenabschied mit Teilnehmern beider Geschlechter war, aber sie haben es erfolgreich geschafft, den bis dahin entspannten Spaziergang für mich in Stress ausarten zu lassen. Ich war mir nämlich alles andere als sicher, ob die offenbar leicht angeheiterte Gruppe nicht vorhat, mich anzusprechen. Also ging ich zügig über die Straße und in den Park, Tempo war nicht mehr „entspannt spazieren gehen“, sondern „Speedwalking“. Es klang auch so, als ob sie in dieselbe Richtung wollen. Nachdem ich ein paar Hundebesitzer zwischen die Gruppe und mich gebracht hatte, schaute ich mal zurück und zum Glück waren sie weg.
Mein Problem: Ich wusste nicht, in welche Richtung sie gegangen waren. Und auf meinem eigentlich geplanten Weg hätte es passieren können, dass sie mir in einem relativ schmalen Weg genau entgegen kommen… also bin ich lieber denselben Weg zurückgegangen, den ich gekommen war, denn dort gibt es mehr Ausweichmöglichkeiten.

Ich hasse solche Gruppen, die andere ansprechen und in meinen Augen belästigen. Ganz besonders deshalb, weil sie erfahrungsgemäß kein Nein akzeptieren können bzw. einem sogar noch hinterkommen, wenn man klar und deutlich einen Bogen um sie macht. (Gilt übrigens genauso für Straßenhändler.)
Wenn die Welt das witzig oder ok findet – na ja, dann muss ich halt hinnehmen, dass es wohl gesellschaftlich akzeptiert ist, Leute anzulabern.
ABER AKZEPTIERT GEFÄLLIGST EIN NEIN!!! Ich kann mich echt an kein einziges Mal erinnern, wo ein Junggesellenabschied das auf Anhieb akzeptiert hätte und auch an fast keinen Straßenhändler, „auf der Straße Unterschriften“-Sammler und kaum einen Vertreter.

Für mich war es heute schwierig genug, mich überhaupt für einen Spaziergang aufzuraffen (und auch wenn ich mal in der Stadt bin, ist das schon Stress genug, ohne dass ich noch von Leuten ungewollt angelabert werde). Vorhin schaute ich aus dem Fenster, dachte „oh, so schönes Wetter, ich will raus“ und überlegte, ob ich mich zu einem Spaziergang aufraffen kann. In ca. 8 von 10 Fällen funktioniert es nicht und ich ärgere mich hinterher über mich selbst. Heute habe ich mich also aufgerafft und es wirklich genossen, bis mir nach wenigen Minuten diese Gruppe begegnete. Sie haben mich nicht angesprochen, aber ich bin mir fast sicher, dass sie es getan hätten, wenn ich nicht so schnell die Flucht ergriffen hätte. Und die Begegnung hat mich für den Rest des Spaziergangs gestresst, weil ich bei jedem Lachen und jedem Pfiff wieder befürchtete, dass sie mir nochmal begegnen. (Zum Glück waren es dann doch jedes Mal spielende Kinder.)
Vielleicht ist es unfair gegenüber solchen Gruppen im Allgemeinen und dieser Gruppe im Besonderen, aber mich stresst es nun mal, wenn ich ungewollt angesprochen werde, insbesondere wenn meine Erfahrung mit vergleichbaren Gruppen besagt, dass ein Nein nicht akzeptiert wird.

Und ich finde es nach wie vor unnötig, Leute anzusprechen.
Wenn ein Junggesellenabschied durch die Stadt zieht, kann er auch erstmal versuchen Blickkontakt aufzunehmen – und wer Lust auf sowas hat, wird das sicher deutlich zeigen.
Straßenhändler und Unterschriftensammler sind gut sichtbar, wer was von ihnen will oder Interesse hat, wird schon von selbst auf sie zugehen.
Funktioniert nicht, würden entsprechende Gruppierungen sagen, weil nicht genug Leute Interesse haben? Too bad… sagt im Umkehrschluss nur aus, wie vielen Leuten, die kein Interesse haben, auf die Nerven gegangen wird…

(Übrigens war ich auch schon bei Junggesellinnenabschieden dabei. Bei uns war das allerdings kein peinliches Durchdiestadtziehenundleutebelästigen, sondern es waren Mottoabende zu einem Thema, was die Braut mochte. Mit ein bisschen passender Verkleidung und Deko, entsprechendem Essen und ein paar kleinen Spielchen. Ganz ohne Belästigung oder auch nur Einbeziehung unbeteiligter Dritter. Es waren einfach nette Abende im Freundeskreis, wo alle eine schöne Zeit miteinander hatten. Mit wenig oder keinem Alkohol und bei jemandem von uns zuhause, was vermutlich der Grund dafür war, dass es sich durch eine einfache Sammlung bei den Teilnehmerinnen finanzieren ließ, ohne dass es jemanden ruinierte.)

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