Wie es los ging

Wann begann es überhaupt?
Beliebte Frage bei Ärzten und Therapeuten.
Ich weiß, dass ich Ende 2007 mit einem Seelsorger gesprochen habe.
Dass er damals schon meinte, dass es nach eine Depression klingt.
Dass er mir schon damals dringend geraten hat, etwas zu unternehmen.
Dass ich damals erstens der Meinung war, so schlimm ist das doch nicht, ich kann doch keinem seine Zeit stehlen – und überhaupt hätte ich dazu ja jemanden ansprechen müssen.
Ich kann mich nicht mehr wirklich an meine Gefühle in der Zeit erinnern.
Ich weiß nur noch, dass ich müde war, dass mich halb so viele Veranstaltungen wie in den Semestern davor irre gestresst haben und eben Bruchstücke aus dem Gespräch.
Ein Jahr lang tat sich nichts.
Ach doch, im Frühjahr 2008 war ich bei meiner damaligen Hausärztin, Blutwerte untersuchen. Ergebnisse ihrer Aussage nach top (Schilddrüse) oder zumindest in Ordnung (Ferritin, Vitamin B12). Mittlerweile weiß ich es besser :roll:.
Ein Jahr später bin ich dem Seelsorger wieder begegnet und er hat quasi mit der Faust auf den Tisch gehauen:
„Du MUSST was tun! So, wie es jetzt ist, bist du ganz klar auf dem Abwärtstrip!“
Und: „Du gehst nicht aus diesem Gespräch, ohne dass wir einen konkreten Plan haben, wie es weitergeht!“
Harte Worte.
Deutliche Worte.
Aber ich habe gespürt, dass dahinter nicht steckt, dass er mich fertigmachen will, sondern dass er es gut meint.
Nach dem Gespräch fühlte ich mich wie durch den Fleischwolf gedreht und falsch zusammengesetzt.
Aber es hat mir die Augen geöffnet.
Für eine Therapie war ich noch lange nicht bereit.
Aber ich habe mich zumindest auf die Begleitung durch eine erfahrene Seelsorgerin (Sara) eingelassen.
Das plätscherte dann so vor sich hin.
Mit viel Kraftaufwand habe ich irgendwie noch meinen Alltag geschafft.
Erst fast 2 Jahre später ging praktisch nichts mehr. Ich steckte in den Abschlussprüfungen und kam nullkommagarnix voran. Sara war der Meinung, dass sie jetzt nicht mehr weiterkommt und dass ich professionelle Hilfe brauche.
Da bin ich zur psychologischen Beratungsstelle in der Uni gegangen.
Es hat mich beinahe erschreckt, mal wieder zu sehen, dass Leute meine Probleme so ernst nehmen (wie zuvor schon der Seelsorger und die Seelsorgerin).
Die Psychologin dort hat im Hinblick auf den Studienabschluss vorgeschlagen, sofort mit Antidepressiva einzusteigen. Dafür brauchte ich einen Psychiater. Nummer 1 war komplett unmöglich.
Außerdem sollte ich eine Therapie anfangen, habe dann sehr schnell einen Platz bei einer Therapeutin bekommen, die mir sehr empfohlen wurde. Von ihr bekam ich auch eine Empfehlung für eine andere Psychiaterin, mit der ich besser zurechtkam (nur leider ist die mittlerweile in Rente).
Anfangs kam ich mit der Therapeutin gut klar, sodass wir den Antrag bei der Krankenkasse gestellt haben.
Im Laufe des Jahres 2011 zeigte sich aber mehr und mehr, dass ich mit ihr doch nicht klarkomme.
Wie es dann dazu kam, dass ich mich auf einen Klinikaufenthalt eingelassen habe, habe ich hier schonmal beschrieben.
In meiner Wahrnehmung war es schon ein „Sinken“ – erst brauche ich Seelsorge, dann Medikamente und Psychotherapie und dann sogar einen Klinikaufenthalt. Klar weiß ich eigentlich, dass es Quatsch ist so zu denken, aber Hirn hört manchmal nicht so ganz auf mich und grübelt trotzdem weiter…

Wie es vor 2007 war, weiß ich nicht genau. Ich glaube, ich hab lange viel verdrängt, indem ich gaaaaanz viel anderes gemacht hab. Hobbys, später ein ziemlich stressiges Studium.
Aber irgendwann kamen die Gedanken wie „Einschlafen und nicht mehr aufwachen“, die mich dazu gebracht haben, mit dem Seelsorger zu sprechen.
Dann sein „Du bist auf dem Abwärtstrip“.
Dann dass ich einfach gar nicht mehr konnte und komplett am Verzweifeln war, sodass ich in die Beratungsstelle ging.
Und schlussendlich die Erkenntnis, dass ich so halt nicht weiterkomme und ein Klinikaufenthalt vielleicht doch nicht so schlimm ist.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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5 Antworten zu Wie es los ging

  1. chaosmaeuschen schreibt:

    Hm… das mit dem „Sinken“ kommt mir bekannt vor. Wahrscheinlich hatte ich deswegen auch gestern Tränen in den Augen, als ich das Klinik-Schild gesehen hab’… Und bescheuerterweise würde ich jedem anderen sagen, daß das Schwachsinn ist (hab‘ ich schon…)

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