Ziemlich überrascht

War ich gestern Abend, als mir R. aus der Gemeinde erzählte, dass sie gerade die letzten 3 Monate in der Psychiatrie zugebracht hat.
Dass sie irgendwas mit sich rumschleppt, wusste ich, mehr nicht.
Ich weiß auch jetzt keine Details, aber das ist ok.
Es war schön, über Klinikerfahrungen sprechen zu können.
Manches können Leute, die dort noch nie waren, einfach nicht nachvollziehen.
Bist du jetzt geschockt, hat sie mich gefragt, nachdem sie es mir erzählt hatte.
Nein, geschockt war ich nicht.
Nach der Zeit in der Klinik schockt mich so schnell nichts mehr.
Es lässt mich nicht kalt, es berührt mich etc – aber schocken trifft es meistens nicht.
Die Person, die R. überzeugt hat, in die Klinik zu gehen, war auch bei mir nicht ganz unbeteiligt an diesem Entschluss. Allerdings war sie bei mir nicht allein, Lana und Sara und andere waren auch beteiligt…
Auch wenn R. nicht so lange gebraucht hat wie ich…
Ich wollte beim ersten Mal gar nichts davon hören, gut ein halbes Jahr später kamen mir innerhalb kürzester Zeit 3 Leute unabhängig voneinander und ohne dass ich sie auf das Thema angesprochen hätte, damit.
Da konnte ich das Thema nicht mehr wegschieben, auch wenn alles in mir sagte „nein, nie!!!“.
Im Laufe der Monate wurden meine Ängste und Zweifel weniger und ein Dreivierteljahr später war ich tatsächlich in der Klinik.
Die Zeit dort war das beste, was mir geschehen konnte.
Mit den Erfahrungen, die ich dort machte, ich durfte sein, wie ich bin, und wurde ernst genommen. Mit den Therapeuten, Schwestern und Mitpatienten. Mit der neuen Diagnose Soziale Phobie, die für mich so entlastend war und mir hilft, mich besser zu verstehen, und die gezielte Therapie ermöglicht. Mit den Medikamentenumstellungen, sodass ich jetzt wenigstens nachts (in der Regel) schlafe, auch wenn ich dennoch tagsüber noch müde bin. (Aber ohne zu schlafen bin ich noch müder, das geht tatsächlich.)
Ich bin den Leuten, die da nicht lockerließen und mich vom Klinikaufenthalt überzeugt haben, zutiefst dankbar.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Ziemlich überrascht

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