Immer dieselben Gedanken

Immer.
Stelle ich mich nicht doch vielleicht nur an?
Müsste ich mich nicht doch nur zusammenreißen?
Ich hab doch gar nichts schlimmes erlebt.
Zumindest nichts, was so schlimm wäre, dass es solche Probleme rechtfertigt.
Ich wurde nicht missbraucht, nicht misshandelt, meine Eltern liebten und lieben mich, genauso liebten mich meine Großeltern.
Gut, ich hatte kaum Freunde, war sehr eifersüchtig, als mein Geschwisterkind geboren wurde, hatte ein paar doofe Erlebnisse in der Schule – aber ist das nicht auch bei anderen manchmal so, und die sind normal?
Was rechtfertigt es, dass ich solche Kosten verursache, dass ich anderen womöglich einen Therapieplatz wegnehme?
Mein Bezugstherapeut in der Klinik fand, dass das, was ich erlebt habe, ausreicht. Es war für mich schlimm und das ist ok. Punkt.
Es fällt mir schwer, das zu glauben.
Schaue ich mich um, sehe ich eine chaotische Wohnung.
Ich schaffe es gerade so, zum Sprachkurs zu gehen und dafür auch die Hausaufgaben zu machen.
Es macht mir auch Spaß.
Aber dann bin ich fertig.
Hab keine Kraft mehr zum Aufräumen, Kochen, Lernen – dabei wollte ich mich doch eigentlich selber ein bisschen auf den Master vorbereiten, den ich ab Oktober machen will. (Wie um alles in der Welt soll ich den schaffen?!?)
Keine Kraft?
Bin ich nicht vielleicht einfach nur faul und unmotiviert? Schließlich haben viele Leute Null Bock auf Lernen oder Haushalt. Und ich habe keine „wirklich schlimmen“ Verhaltensweisen; ich nehme nur die Medikamente, die der Arzt mir gibt, ich verletze mich nicht selber, ich mache keine aktiven Pläne, wie ich mein Leben beenden könnte… geht es mir überhaupt schlecht?
Die Frage klingt beknackt, mir geht es gefühlt schlecht und alles ist sinnlos und zum Heulen, aber bin ich nicht einfach selber Schuld und könnte dem ganz leicht ein Ende machen, indem ich mich einfach mal zusammenreiße?
Wer sagt mir, dass ich den Leuten, die sagen, dass ich mich nicht nur anstelle, glauben „darf“? Haben sie wirklich Recht oder ist es für mich einfach nur bequem, ihnen das zu glauben?
Will ich nur Aufmerksamkeit? Und wenn ja – ist das schlimm? Eine Mitpatientin meinte mal, dass ich wirke wie ein verzweifeltes „sieht-mich-denn-keiner?“ Also ist es richtig, Aufmerksamkeit zu brauchen? Oder nehme ich mich zu wichtig? Wie viel Aufmerksamkeit darf ich brauchen?

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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14 Antworten zu Immer dieselben Gedanken

  1. chaosmaeuschen schreibt:

    Kommen mir nur allzu vertraut vor, diese Gedanken…

    • traurigaberwahr schreibt:

      ich denk auch, dass viele Menschen Gedanken ind er Art haben … und genauso viele schieben sie dann beiseite …

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Manchmal wäre es vielleicht besser, sie beiseite zu schieben – und nicht ständig darum zu kreisen, oder? Denn das Kreisen bringt mich ja nicht weiter :-/

      • traurigaberwahr schreibt:

        Naja. Der eine siehts als Kreis. Der andere als Spirale (im günstigen Fall nach oben ;)* Inzwischen denk ich aber auch, konstruktiver is, was zu bewegen. Im wahrsten Sinne. Soweit die Theorie.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        So ein Bild hat eine Krankenschwester in der Klinik auch mal verwendet – sind es wirklich Kreise oder nicht vielleicht doch Serpentinen, wo man halt immer um den Berg läuft und erstmal nicht wirklich merkt, dass es bergauf geht.
        Bewegen ist sicherlich grundsätzlich sinnvoller. Solange ich steh, kann ich nicht (sinnvoll) lenken = was ändern; und vorankommen tu ich natürlich gleich dreimal nicht.

      • traurigaberwahr schreibt:

        Hm. Das mit dem Stehen ist so eine Sache. Ich persönlich sitz ja lieber. Und das dann auch möglichst bequem und gemütlich. Und währned ich das tue, wird es still. In mir. Und je stiller es in mir wird, um so mehr kann ich die Dinge betrachten, die in mir sind. Und die auch im Außen geschehen. Für mich persönlich ist das eine meiner liebsten Beschäftigungen. Es ist lange weile. Eine lange Weile. Und daraus hab ich erkannt – die Dinge ändern sich sowieso. Du kommst ‚voran‘ oder in welche Richtung auc immer so oder so. Das ist die natur der Dinge. Heut bist Du nicht merh der von gestern. Geht nicht. Du hast Gedanken gedacht. Gefühle gefühlt. All das hat einen vielleicht auch mikrokleinen Wandel vollbracht. Eine Pflanze kann niemals heute die Gleiche wie gestern sein. Das ist das Geschehen der Natur. Und der Mensch ist letztendlich nichts anderes als eine Pflanze. Ein Blümlein 😉 Würd mich freuen, wenn Du meinen Blog besuchst und ein paar Gedanken hinterlässt. LG taw

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Ich glaube, es muss beides sein – Ruhe, um zu sehen, was eigentlich Sache ist, was dran ist, was sich schon getan hat. Aber auch Bewegung, um voranzukommen.
        In deinen Blog hatte ich nach deinen ersten Kommentaren hier mal geschaut, da stand da aber wenig 😉 Hab gesehen, das hat sich geändert. Da muss ich morgen mal in Ruhe lesen, wenn ich etwas wacher bin… muss allerdings sagen, dass ich es ziemlich anstrengend zu lesen finde, wenn es so gar keine Absätze gibt (ist das dein persönlicher Stil?).

      • traurigaberwahr schreibt:

        Oh. Weiß nich. Den nächsten mach ich mal mit Absatz. Dann kannst Du öfter vorbei kommen. 🙂

  2. traurigaberwahr schreibt:

    Hey. Was ist das schon. Zu wichtig. Gemessen an was? Die Frage ist doch – was tust Du Dir an. An Gutem. (Was) nährt Dich (was?). Wennman das nich klar hat und lebt (also umsetzt), brauch man erhöhrte Aufmerksamkeit wie die Luft zum Atmen. Wovon sollst Du sonst satt werden.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Tja… bloß wie viel ist angemessen?
      Ich hatte es vorhin auch mit der Psychologin von dem Thema dieses Artikels… wir haben ein, zwei interessante Dinge (wieder)entdeckt. Ich glaub, darüber schreib ich demnächst dann noch einen eigenen Beitrag.

      • traurigaberwahr schreibt:

        hm. vielleicht wär es mal sinnvoll, sich die qualitäten der aufmerksamkeit(en) anzuschauen? wenn ich nicht satt werde, könnte es ja auch daran liegen, dass ich das falsche esse … auf aufmerksamkeit bezogen – was wäre mit der frage, welche form der aufmerksamkeit dich satter machen könnte? ich kann von einer party zur anderen rennen und fühl mich doch allein. weil das nicht das ist, was meine seele nähren würde. es gäbe aber andere menschen, die würden damit satt und genährt. auch seelisch. weil das ihrem bedürfnis entsprechend und damit genährt wäre. so ist es halt teil der lebensaufgabe, zu schauen, was nährt m i c h ? eine katze braucht anderes futter als ein wellensichtich. die wensen sind verschieden. das gilt auch für die menschen. und wenn man dann (durch ausprobieren) stück für stück fühlt, was einen wirklich nährt, kommt als nächsten die frage, von was davonbauch ich wieviel? (erst) die dosis macht das gift. zuviel kann genauso ungünsig sein wie zu wenig … das ist es eben … das tun auf einem lebensweg … wär ich bundeskanzler, würd ich als erstes mal ein schulfach einführen, dass schon kleinste lehrt, auf ihr gefühl, ihr bedürfnis zu ahcten … udn sich selbst so kennenzulernen und zu verstehen … wie sollen sie sich sonst später (seelisch) nähren … wenn ich manchmal in die welt schau (oder auch nur in den spiegel) sehe ich, wie nötig ein solches fach bisweilen gewesen wäre …

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Danke für diesen langen Kommentar, da sind ein paar interessante Gedankenansätze dabei!

  3. traurigaberwahr schreibt:

    Hey. Nö. Das is nich schlimm. Solang Du Dich nich selber nährst, brauchst Du die Aufmerksamkeit wie Luft zum Atmen. Wovon soll Deine Seele sonst satt werden?
    lg t.
    traurigaberwahr.wordpress.com

  4. Pingback: Seifenblasen… « chaosmaeuschen

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