Warum Haushalt so anstrengend ist

Warum Haushalt anstrengend ist

Ich mag die meisten Haushaltstätigkeiten nicht – Kochen und Backen ist ok, wenn ich nicht gerade wieder dauermüde bin (was leider meistens der Fall ist), aber den Rest finde ich einfach nur anstrengend. Das ist jetzt natürlich nicht unbedingt autismusspezifisch, denn auch viele Nicht-Autisten betrachten meines Wissens Putzen nicht gerade als Hobby.

Und doch steckt bei mir zumindest nach Ansicht meiner Betreuerin mehr als „keine Lust“ dahinter. Wenn ich mal die Sachen betrachte, die ich mehr oder weniger regelmäßig machen muss, dann habe ich definitiv ein paar Kandidaten, die auf der Hassliste ganz oben stehen:
1) Böden wischen
2) Bad putzen (nicht nur wegen 1))
3) Wäsche waschen, aufhängen und in den Schrank packen

Abwaschen mag ich auch nicht, aber es ist zumindest nicht so schlimm wie die drei genannten. Fegen finde ich sogar ganz ok, solange ich einen Staubsauger habe, um den allerletzten Rest, den man immer nicht gescheit auf die Schaufel bekommt, aufzusaugen. Staubsaugen geht auch.
Das Problem ist nur, wenn mehrere dieser an sich nicht ganz so „bösen“ Tätigkeiten anstehen und schon ein bisschen Chaos herrscht. Dann muss ich nämlich erstmal diverse Dinge verräumen, die auf dem Boden rumfliegen, bevor ich fegen oder saugen kann. Aber dann bin ich wieder bei meinem Aufräumproblem.
Abwaschen als Tätigkeit geht an sich. Nur schiebe ich es oft ein bisschen vor mir her und dann stehen alle Flächen in meiner kleinen Küche voll – ich weiß also nicht, wohin mit den abgewaschenen Sachen. Und ich stehe da, drehe mich im Kreis und überlege, wie ich anfange. Was kann ich wegräumen? Ach ja, die Cornflakes. Aber da steht auf dem Boden noch ein Eimer im Weg, vielleicht sollte ich mit dem anfangen? Oder doch zuerst alles rumliegende dreckige Besteck in einer ebenfalls abzuwaschenden Schüssel sammeln? Und überhaupt muss ich ja die Flächen erstmal abwischen, bevor ich da saubere Sachen draufstellen kann. Wo ist eigentlich der Lappen? Aber nein, zuerst muss ich ja die Flächen freiräumen.

Boden wischen und Bad putzen sind und bleiben doof. Auch wenn ich es mir z.B. im Bad schon etwas erleichtert habe, indem ich ein paar Körbe/ Körbchen habe, sodass ich nicht so viele Einzelteile wegnehmen muss, bevor ich Flächen putzen kann. (Ein sehr bewährtes Prinzip auch im Vorratsschrank und überhaupt an allen Stellen, wo kleinere Teile aufbewahrt werden.)
Beim Bodenwischen kommt mir wieder mein Perfektionismus in die Quere, denn ich kriege das nie so perfekt hin, wie ich es gern hätte. Und dann darf ich die Flächen erstmal eine Weile nicht betreten, denn sie müssen ja trocknen. Damit kann ich noch nichtmal den Eimer gleich leeren, weil ich nicht mehr in Bad und Küche komme.

Was auch immer sehr, sehr schwierig ist, ist die „Verzahnung“ mehrerer Tätigkeiten – ganz allgemein, jetzt nicht nur auf Haushalt bezogen. Selbst wenn ich versuche, die Unterbrechung quasi einzuplanen, indem ich mir sage „ich lerne jetzt 1 Stunde, dann hole packe ich die Wäsche von der Maschine in den Trockner, dann mache ich weiter“, funktioniert es einfach nicht. Wenn z.B. ein Kuchen im Ofen ist und nach einer bestimmten Zeit rausmuss, kann ich nur Tätigkeiten machen, die nicht länger als diese Zeitspanne dauern.
Dasselbe gilt für’s Wäschewaschen. Die Zeit, die die Sachen in der Maschine und evtl. im Trockner sind, kann ich nur sehr bedingt nutzen – eben nur für Tätigkeiten, die nicht länger als ca. 1 Stunde benötigen. Dass ich dann auch noch zum Wäschekeller muss, erschwert es zusätzlich. Allerdings ist eine eigene Maschine zur Zeit keine Option, denn ich habe keinen Platz und auch finanziell wäre es Unsinn. Die Waschmünzen sind mit Sicherheit günstiger als die Anschaffungs- und Betriebskosten einer eigenen Maschine, zumal wir sehr gute Maschinen im Waschkeller haben (Miele Professional), in die auch ziemlich viel reinpasst. (Nur dass ich bei der ersten Benutzung des neuen Trockners etwas überfordert war, weil ich erstmal das passende Programm finden musste^^ – beim alten hatte man kaum Auswahl, das war einfacher *g*.)
Also stecke ich das Zeug meistens rein, wenn meine Betreuerin da ist (rausholen dann u.U. auch erst, wenn sie wieder weg ist). Und schaue zu, in der Zwischenzeit „kürzere“ Aktivitäten zu machen, z.B. etwas essen, einkaufen oder auch einen Blogartikel schreiben ;-).

Natürlich nehme ich mir vor, das Chaos gar nicht erst so groß werden zu lassen… aber in der Wohnung entsteht es z.B. dadurch, dass ich meistens total geschafft bin, wenn ich von irgendwo nach Hause komme, und dann erstmal alles fallen lasse – oder dadurch, dass ich mich in der Zeit verschätzt habe und es also eilig habe und schnell was bestimmtes brauche. Dann reiße ich schon mal den halben Schrankinhalt raus oder kippe einen Rucksack aus. Wenn ich zurückkomme, bin ich meist zu k.o., noch etwas zu machen… und wenn ich kräftetechnisch nur noch zwischen „ich esse mal was, das wäre sicher eine gute Idee, nachdem ich heute noch nichts/ das letzte Mal vor 10 Stunden was gegessen habe“ und „aufräumen“ wählen kann, entscheide ich mich üblicherweise doch eher für das Essen.

Haushalt mache ich also zur Zeit meist mit meiner Betreuerin. So gaaaaaaanz allmählich entwickeln sich da auch ein paar Routinen, z.B. dass ich als erstes rumstehende Cornflakes verräume und leere Packungen etc. in den Müll tue. Oder dass ich mit dem Aufräumen etwas vor ihrer Ankunft anfange in dem Wissen, dass ich nicht irgendwann allein mitten in den vorsortierten Sachen sitze und nicht weiterkomme, sondern sie fragen kann.

Es frustet mich total, dass ich da einfach nicht klarkomme und dass ich unnötig Zeit verliere, weil ich nicht weiß, wie ich anfangen soll und weil ich die Sachen eben nicht unbedingt sinnvoll ineinander „schachteln“ kann. Vom Kopf her ist mir ja klar, was ich machen muss, aber ich muss mich halt z.B. unglaublich anstrengen, mich für eine Sache zu entscheiden, mit der ich bei „Küche für’s Abwaschen vorbereiten“ anfange. Was die Motivation natürlich nicht gerade erhöht, wenn ich weiß, dass ich mich gleich in der Küche (ziemlich wörtlich zu nehmen) im Kreis drehen werde, während ich mich mit 200% Konzentration zwinge, einen Anfangspunkt zu finden.
Und Zeit ist für mich schon ein Faktor, weil ich aufgrund der Müdigkeit faktisch nur wenige Stunden am Tag wirklich etwas Sinnvolles tun kann. Genauso natürlich die Energie, die es mich kostet.

So allmählich wundert mich nicht mehr, dass einer der Gründe dafür, dass es in meinem Leben von „ich komme halbwegs klar“ zu „totale Katastrophe“ abrutschte, wohl tatsächlich 2008 der Auszug von zuhause war. Denn zuhause musste ich mich um Haushaltssachen kaum kümmern. Meine Mutter (schon seit vor meiner Geburt nicht mehr berufstätig) war generell der Ansicht „euer Job ist Schule/ Uni, mein Job ist der Haushalt“ – und sie hat wohl auch instinktiv gemerkt, dass es mich überfordern würde. (Wobei ich durchaus die Tätigkeiten an sich beherrschte, ich habe auch mal ein paar Tage den Haushalt gemacht, wenn meine Mutter weg war. Es ist also nicht so, dass ich zuhause diesbezüglich nichts gelernt hätte ;-).) Außer gelegentlichem Tischdecken und ähnlichen Kleinigkeiten musste ich nicht mithelfen. Das Geschwisterkind ein klein wenig mehr, aber immer noch überschaubar.
Als ich auszog, kam das aber natürlich alles dazu. Zu „Klarkommen im Unialltag“, „total k.o. heimkommen“ und „zuhause aber noch Praktika vorbereiten/ Protokolle schreiben/ Übungsaufgaben rechnen müssen“. Und so ging es dann weiter, wie auch schonmal hier geschildert. Seit 2012 hat sich natürlich einiges geändert, unter anderem bin ich umgezogen, habe eine neue (und tolle) Therapeutin und die ambulante Betreuung als Unterstützung.
Und das ist auch wirklich hilfreich.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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