Jahrestag

Mittlerweile ist er rum.
Der Tag, an dem es genau ein Jahr her ist, an dem ich in die Klinik gegangen bin.
Es fühlt sich komisch an, dass ich vor genau einem Jahr dort war.
Die Nervosität der ersten Tage hat sich ganz schnell gelegt, ich kannte das Gebäude und einige Menschen wie Herrn A., einige Schwestern, die Therapeuten, meine Bezugsgruppe, nach denen ich zum Teil immer noch Sehnsucht habe und die ich auch teilweise schon besucht habe (vor allem Thea).
Ich fühlte mich dort gut aufgehoben – und angenommen, wie ich bin.
Ich begann zu begreifen, was Klinikalltag bedeutet.
Bald fragte ich mich, warum es mir so schwer gefallen war, mich auf den Klinikaufenthalt einzulassen, warum es sich für mich wie ein „Sinken“ anfühlte.
Ich habe gleich beim ersten Mal „thematisches Gestalten“ festgestellt, dass das gar nicht so doof ist wie ich dachte.
Schon nach ca. 2 Wochen war mein Kopf so voller Gedanken, dass ich mich an die „Spinnennetzmindmap“ gemacht habe.
Sie haben ein Medikament gefunden, mit dem ich nachts schlafen konnte, auch wenn sich an der Tagesmüdigkeit nicht viel geändert hat.
Ich habe dort nach 5 Wochen die wegweisende Diagnose Soziale Phobie (mit vagen Andeutungen bzgl. einer eventuell vorhandenen „Entwicklungsstörung“) bekommen, die schlussendlich zur Aspergerdiagnose führte.
Und ich habe es schätzen gelernt, mich mit anderen Leuten auszutauschen, die Probleme haben – was ich hauptsächlich hier im Blog (bzw. denen von euch) und seit dem Umzug auch in einer Selbsthilfegruppe für Autisten weiterhin tue.
Als die Wochen um waren, wollte ich nicht weg, nicht aus dem geschützten Raum raus, nicht von den Menschen fort, auf die ich mich eingelassen hatte.

Als ich in die Klinik ging, war ich ängstlich und nervös und unsicher, aber ich habe mich auch „an diesen Strohhalm geklammert“, habe gehofft, dass der Aufenthalt endlich den Durchbruch bringt. Ganz so war es zwar nicht, aber die Ansätze waren wichtig – die ganzen Erfahrungen, das Abendmedikament und die Diagnose Soziale Phobie. Dennoch war ich ziemlich frustriert, dass mich der Aufenthalt zwar in allen möglichen Bereich voran gebracht hat, was auch gut war, aber halt nicht in dem Bereich, der mich am meisten belastete – der Dauermüdigkeit. Den wirklichen Durchbruch diesbezüglich brachte erst das Modafinil, was vom Schlaflabor vorgeschlagen wurde.
Und was sonst noch so in den letzten 12 Monaten geschehen ist, steht ja eigentlich schon im Jahresrückblick ;-).

Ich war und bin den Menschen unendlich dankbar, die in den letzten Jahren für mich da waren und die mich mit liebevoller Hartnäckigkeit dazu gebracht haben, dass ich mich auf den Aufenthalt dort eingelassen habe.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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