Heute in der Therapie: das Müdigkeitsmonster

In der Therapie geht es ja immer wieder um meine Dauermüdigkeit und den Umgang damit.
Meine Therapeutin schlug jetzt eine Visualisierungsübung vor – wobei wir uns beide nicht sicher sind, ob das was für mich ist (gefühlt eher nicht). Bevor ich mich auf sowas einlasse, will ich natürlich erstmal wissen, was mich ungefähr erwartet. Im Prinzip läuft es wohl darauf raus, dass ich mir die Müdigkeit als eine Art Dämon vorstelle. Dazu würde ich konkret überlegen, wie er aussieht. Dann tritt man mit diesem Dämon ins Gespräch und stellt ihm bestimmte Fragen. Eine Option wäre dann noch, dass man sich eine Art Beistand holt. Außerdem nimmt man irgendwann die Rolle vom Dämon ein und auch hier gibt es irgendeine Art von Gespräch.
Während meine Therapeutin mir das erklärte, hörte ich zu, aber als sie fertig war, sah ich plötzlich vor mir, welche Gestalt diese Müdigkeit hätte: Es war ein schleimiges, wabbeliges Etwas, das sich auf mich legt, das mich umfließt, das mich erdrücken will.

Das habe ich ihr natürlich erzählt und dann war da der Gedanke, dass ich das aufmalen will. Ich habe seit Jahren nicht mehr gemalt. (Wobei meine Bilder auch nur therapeutischen Wert haben, keinen künstlerischen^^) Kunst hatte ich nicht ohne Grund so schnell wie möglich abgewählt, weshalb ich auch sehr erstaunt war, dass mir in der Klinik ausgerechnet das „thematische Gestalten“ so viel gebracht hat. Nachdem das bei mir fest mit Ölkreiden verbunden ist, habe ich mir welche gekauft und sie gelegentlich auch genutzt, aber nicht in den letzten Jahren.
Zum Glück hat meine Therapeutin auch Ölkreiden und so entstand eine erste Version vom Müdigkeitsmonster (der Begriff „Monster“ ist mir momentan sympathischer, auch wenn ich den Sinn hinter der Bezeichnung „Dämon“ durchaus nachvollziehen kann).

Was meine Figur angeht, gibt es verschiedene Positionen, die ich mir vorstellen kann. Im aktuellen Bild stehe ich, kann mich aber kaum bewegen wegen dem Monster. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass ich um mich schlage (um mich zu befreien) oder zusammengekauert dasitze wie beim Glasglockenbild oder dass ich schon völlig matsche bin und auf dem Boden liege und quasi endgültig unter dem Monster verschwinde.
Ich habe mich schwarz gezeichnet, weil die Gedanken ziemlich dunkel sind, wenn das Monster aktiv ist.
Nachdem schwarz schon vergeben war, brauchte ich für das Monster eine andere eher dunkle Farbe. Es wurde dann blau, weil das für mich auch mit Nacht (= Schlafen) und Kälte (ich friere immer extrem, wenn ich müde bin) verbunden ist.

Was natürlich sofort auffiel, war das höchst zufriedene Grinsen des Monsters. Es ist zufrieden mit seinem Erfolg. Warum das Monster mit dieser Situation so zufrieden ist, wissen wir noch nicht. Will es Macht? Ist es Sadist? Will es einfach allen Raum für sich und ich muss daher weichen? Oder … ?

Wir werden nächstes Mal mit dem Bild weitermachen. Ich könnte mir gut vorstellen, diese Sache mit den Fragen nicht in so einer Imaginationsübung (oder wie auch immer das heißt) zu machen, sondern eher anhand des Bildes. Meine Therapeutin kann sich das nicht so ganz vorstellen, weil es natürlich ein anderes Setting ist. Sie würde gerne etwas versuchen, was mal von der reinen „Verstand-Ebene“ weggeht (auch wenn der Verstand nicht völlig abgeschaltet werden soll). Ob wir da mit so einer Übung bei mir hinkommen, wissen wir beide nicht (ich gebe zu, ich bin äußerst skeptisch). Es ist beruhigend zu wissen, dass sie mich da zu nichts drängt. Ich kann die Übung ablehnen und das ist ok. Ich kann sie machen und wenn es zu nichts führt, wird sie mir nicht vorwerfen, dass ich mich nicht richtig drauf eingelassen hätte o.ä.

Andererseits bin ich – vor allem in der Klinikzeit – aber teilweise schon mit Bildern an Gefühle rangekommen. Oder danach bei diesem hier.
Insofern bin ich gespannt, wie sich das entwickelt.
Und vielleicht male ich in der Zwischenzeit ja noch ein paar Monster-Variationen. Mit anderen Posen von mir. Oder mit einem Monster, das die Zähne zeigt wie manche Comicfiguren.

Ich habe ansonsten noch ein weiteres Bild von dem Müdigkeitsdämon. Das ist eher so eine Art Teufelchen mit Mistgabel, das mich ärgern und pieksen will. Ich bin mir aber nicht sicher, ob da nicht der „fordernde Erwachsene“ aus der Schematherapie mit reinspielt. Den habe ich nämlich mit einer Gabel visualisiert…

Und vielleicht nehme ich nächstes Mal meine Ölkreiden mit. Erstens sind es mehr Farben und zweitens fühlen die sich irgendwie anders an (andere Marke).

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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Eine Antwort zu Heute in der Therapie: das Müdigkeitsmonster

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