Eigentlich nur ein Spaziergang…

… und definitiv nichts, wo ich einen Blogartikel darüber schreiben wollte. Aber dann waren da Menschen…

Und damit meine ich nicht die Hundebesitzer im kleinen Park, die stören mich nicht im geringsten. Ich meine die Truppe mit dem Bollerwagen, die laut und nervig durch die Straße zogen. Keine Ahnung, ob das eine „es ist Karfreitag und wir wollen provozieren“-Gruppe war oder ein Junggesellenabschied mit Teilnehmern beider Geschlechter war, aber sie haben es erfolgreich geschafft, den bis dahin entspannten Spaziergang für mich in Stress ausarten zu lassen. Ich war mir nämlich alles andere als sicher, ob die offenbar leicht angeheiterte Gruppe nicht vorhat, mich anzusprechen. Also ging ich zügig über die Straße und in den Park, Tempo war nicht mehr „entspannt spazieren gehen“, sondern „Speedwalking“. Es klang auch so, als ob sie in dieselbe Richtung wollen. Nachdem ich ein paar Hundebesitzer zwischen die Gruppe und mich gebracht hatte, schaute ich mal zurück und zum Glück waren sie weg.
Mein Problem: Ich wusste nicht, in welche Richtung sie gegangen waren. Und auf meinem eigentlich geplanten Weg hätte es passieren können, dass sie mir in einem relativ schmalen Weg genau entgegen kommen… also bin ich lieber denselben Weg zurückgegangen, den ich gekommen war, denn dort gibt es mehr Ausweichmöglichkeiten.

Ich hasse solche Gruppen, die andere ansprechen und in meinen Augen belästigen. Ganz besonders deshalb, weil sie erfahrungsgemäß kein Nein akzeptieren können bzw. einem sogar noch hinterkommen, wenn man klar und deutlich einen Bogen um sie macht. (Gilt übrigens genauso für Straßenhändler.)
Wenn die Welt das witzig oder ok findet – na ja, dann muss ich halt hinnehmen, dass es wohl gesellschaftlich akzeptiert ist, Leute anzulabern.
ABER AKZEPTIERT GEFÄLLIGST EIN NEIN!!! Ich kann mich echt an kein einziges Mal erinnern, wo ein Junggesellenabschied das auf Anhieb akzeptiert hätte und auch an fast keinen Straßenhändler, „auf der Straße Unterschriften“-Sammler und kaum einen Vertreter.

Für mich war es heute schwierig genug, mich überhaupt für einen Spaziergang aufzuraffen (und auch wenn ich mal in der Stadt bin, ist das schon Stress genug, ohne dass ich noch von Leuten ungewollt angelabert werde). Vorhin schaute ich aus dem Fenster, dachte „oh, so schönes Wetter, ich will raus“ und überlegte, ob ich mich zu einem Spaziergang aufraffen kann. In ca. 8 von 10 Fällen funktioniert es nicht und ich ärgere mich hinterher über mich selbst. Heute habe ich mich also aufgerafft und es wirklich genossen, bis mir nach wenigen Minuten diese Gruppe begegnete. Sie haben mich nicht angesprochen, aber ich bin mir fast sicher, dass sie es getan hätten, wenn ich nicht so schnell die Flucht ergriffen hätte. Und die Begegnung hat mich für den Rest des Spaziergangs gestresst, weil ich bei jedem Lachen und jedem Pfiff wieder befürchtete, dass sie mir nochmal begegnen. (Zum Glück waren es dann doch jedes Mal spielende Kinder.)
Vielleicht ist es unfair gegenüber solchen Gruppen im Allgemeinen und dieser Gruppe im Besonderen, aber mich stresst es nun mal, wenn ich ungewollt angesprochen werde, insbesondere wenn meine Erfahrung mit vergleichbaren Gruppen besagt, dass ein Nein nicht akzeptiert wird.

Und ich finde es nach wie vor unnötig, Leute anzusprechen.
Wenn ein Junggesellenabschied durch die Stadt zieht, kann er auch erstmal versuchen Blickkontakt aufzunehmen – und wer Lust auf sowas hat, wird das sicher deutlich zeigen.
Straßenhändler und Unterschriftensammler sind gut sichtbar, wer was von ihnen will oder Interesse hat, wird schon von selbst auf sie zugehen.
Funktioniert nicht, würden entsprechende Gruppierungen sagen, weil nicht genug Leute Interesse haben? Too bad… sagt im Umkehrschluss nur aus, wie vielen Leuten, die kein Interesse haben, auf die Nerven gegangen wird…

(Übrigens war ich auch schon bei Junggesellinnenabschieden dabei. Bei uns war das allerdings kein peinliches Durchdiestadtziehenundleutebelästigen, sondern es waren Mottoabende zu einem Thema, was die Braut mochte. Mit ein bisschen passender Verkleidung und Deko, entsprechendem Essen und ein paar kleinen Spielchen. Ganz ohne Belästigung oder auch nur Einbeziehung unbeteiligter Dritter. Es waren einfach nette Abende im Freundeskreis, wo alle eine schöne Zeit miteinander hatten. Mit wenig oder keinem Alkohol und bei jemandem von uns zuhause, was vermutlich der Grund dafür war, dass es sich durch eine einfache Sammlung bei den Teilnehmerinnen finanzieren ließ, ohne dass es jemanden ruinierte.)

Advertisements

Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
Dieser Beitrag wurde unter Autismus allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Eigentlich nur ein Spaziergang…

  1. laluna80 schreibt:

    Kann das sehr gut nachvollziehen.
    Mir macht die soziale Phobie das tägliche „in der Welt sein“ echt zu einem Spießrutenlauf….

    Gefällt mir

Kommentar verfassen (mit der Abgabe eines Kommentars stimmst du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu).

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.