Wenn alles anstrengend ist.

Wenn alles anstrengend ist. Wenn man ständig müde ist.
Dann kosten Kleinigkeiten viel Kraft. Dinge, über die man sonst nicht mal nachdenkt.
Es ist anstrengend, auch nur den Arm zu heben, um den Wecker auszuschalten.
Es ist anstrengend, das Licht einzuschalten.
Es ist anstrengend, sich im Bett hinzusetzen.
Es ist anstrengend, die Beine über die Bettkante zuschieben.
Es ist anstrengend, ins Bad zu gehen.
Es ist anstrengend, die Zähne zu putzen.
Es ist anstrengend, Kleidung anzuziehen.
Es ist anstrengend, Cornflakes und Milch in eine Schüssel zu kippen.
Es ist anstrengend, zu essen.

Ich bin also gerade mal beim Frühstück angekommen und habe schon 9 Dinge getan, die ich als anstrengend empfinde.
Und so droht der Tag weiterzugehen.

Vielleicht kann man sich das als nicht-depressiver Mensch ein bisschen so vorstellen, als ob man schwere Eisenringe oder Bleimanschetten an Armen, Beinen und Hals hätte.
Und vielleicht noch jemanden, der einem die Augen dauernd zudrückt.

Es gibt die Spoon-Theorie. Manche mögen sie nicht, aber ich finde sie recht anschaulich. Im Prinzip symbolisieren Löffel einfach die vorhandene Kraft/ Energie und alle Tätigkeiten kosten Löffel. Man könnte es genauso gut Kraft, Energie, Punkte oder sonst wie nennen.
Meine Psychologin war von dem Vergleich begeistert.
Für mich sehe ich das also so, dass ich erstens weniger Löffel habe als die meisten anderen und dass andererseits viele Dinge mich überdurchschnittlich viele Löffel kosten.
Wirklich eine ungünstige Kombi…
Allerdings ist für Außenstehende weder das geringere Ausgangsniveau noch der erhöhte Verbrauch sichtbar. Sie sehen nur, was geht – und so kommt es zu Fehleinschätzungen.
Sicher, ich habe heute vielleicht den ganzen Tag an der Uni durchgehalten. Aber das war es dann auch mit der Kraft für heute, es sind vielleicht noch 3 Löffel übrig. Da wird es nichts mehr mit Nachbereiten, Protokollen schreiben, kochen oder gar Aktivitäten wie Freunde treffen.
Die Kraft reicht maximal noch für eine Scheibe Brot und ins Bett gehen.
Lebe ich „über meine Verhältnisse“, d. h. verbrauche ich mehr Löffel an einem Tag, als ich habe, gehe ich mit „Schulden“ in den nächsten Tag. Und dass sowas zwar eine Weile gut gehen kann, aber das System irgendwann zusammenbrechen wird, ist wohl ziemlich offensichtlich…

Dass ich das weiß, heißt allerdings wie meistens nicht unbedingt, dass ich es einfach zu akzeptieren finde…

(Auch dieser Artikel hat es aus irgendeinem Grund nie aus dem Entwurfsstadium hinaus geschafft, auch wenn ich dachte, dass ich ihn veröffentlicht habe… ich habe ihn schon Anfang des Jahres geschrieben und jetzt nur leicht überarbeitet. Ich vermisste ihn nämlich, als ich den nächsten Artikel schrieb^^)

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
Dieser Beitrag wurde unter Autismus allgemein, Innensicht - Erleben - Meinungen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wenn alles anstrengend ist.

  1. Pingback: Warum Essen machen anstrengend ist, selbst bei einfachsten Mahlzeiten | Gedankenkarrussel

  2. perfeclty me schreibt:

    Stimmt das Löffelprinzip finde ich passend

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