Warum Essen machen anstrengend ist, selbst bei einfachsten Mahlzeiten

Ich hatte vor einiger Zeit den Artikel Wenn alles anstrengend ist geschrieben, wo ich jetzt also gerade feststellte, dass ich ihn irgendwie nie veröffentlich habe – daher gibt es jetzt zwei Artikel kurz hintereinander. Der andere Artikel ist wesentlich allgemeiner, während der hier sich auf das Thema „Essen (machen)“ beschränkt.
Sorry für den vermutlich nicht mehr existenten Link aus der Benachrichtigungsmail für den anderen Text. WordPress hatte den Artikel mit dem Datum des Entwurfs veröffentlicht und als ich das korrigiert habe, änderte sich auch der Link…

Vor ein paar Tagen habe ich getwittert:

Eigentlich klingt doch „ein Brot schmieren“ oder „Cornflakes mit Milch vorbereiten“ gar nicht so aufwendig. Aber für mich besteht das aus ziemlich vielen Einzelschritten, die bei Müdigkeit oder Kraftlosigkeit extrem anstrengend werden (also fast immer…) Ich schildere das jetzt mal an einigen Beispielen:

Tortelloni aus dem Kühlregal:
Diese müssen erwärmt werden. Das heißt bei mir, dass sie in die Mikrowelle kommen. Dafür müssen sie etwas angefeuchtet werden – ich habe festgestellt, dass die auf der Packung angegebenen 2 Esslöffel Wasser meist zuviel sind. Mittlerweile mache ich es so, dass ich die Packung oben links und unten rechts etwas aufschneide und einmal Wasser durchlaufen lasse.
Da ich die Tortelloni nicht pur mag, kommt dann also der nächste Schritt, sobald sie wieder draußen sind: Es kommt meistens Pesto dazu. Dieses muss ich aus dem Glas holen – und wenn es der Rest ist, dann versuche ich das Glas noch möglichst sauber zu bekommen. Ist schon wieder anstrengend. Genauso ist es aber anstrengend, ein neues Glas aus dem Vorratsschrank zu holen. Da muss ich mich nämlich erstmal für eine Sorte entscheiden.
Und zum Schluss kommt noch etwas geriebener Käse darüber (in dieser Form bereits gekauft). Wenn ich Pech habe, muss ich hier noch eine Tüte neu öffnen. Also zur Schere greifen und aufschneiden. Schon wieder ein Punkt mehr.

Tiefkühlgerichte:
Ich habe ein paar Gerichte, die ich meistens esse. Bami Goreng, Penne mit Gorgonzola und Spinat und eine Kohlrabi-Frikadellenpfanne; gelentlich auch mal Penne Bolognese oder eine Gyros-Reispfanne. Die ersten beiden sind die einfachsten, denn die muss ich wirklich nur aufschneiden, ins Mikrowellengefäß kippen und in die Mikrowelle stecken. Die anderen werden aber meist etwas aufgepeppt mit einem Schuss Milch, Mais und/ oder Käse. Bei der Gyrospfanne kommt meistens noch Jogurth oder saure Sahne drüber. Klar könnte ich diese „aufwendigen“ Zusatzschritte weglassen, aber dann schmeckt es halt nicht so gut bzw. von der Kohlrabi-Frikadellenpfanne werde ich ohne zusätzlichen Mais nicht unbedingt satt.
Gelegentlich habe ich auch mal eine TK-Pizza. Hier besteht die erste Hürde darin, dass ich den Backofen ausräumen muss… und je nach Sorte peppe ich sie auch noch etwas auf.

Müsli:
Würde ich einfach nur Cornflakes oder eine fertige Müslimischung mit Milch überkippen, ginge es schnell. Mache ich im äußersten Notfall auch.
Lieber mag ich allerdings eine Mischung verschiedener Flocken und Cerealien. Manchmal kommt auch Kakao dazu. Und in irgendeiner Form soll Obst rein. Das bedeutet, dass ich entweder eine Banane schneiden oder aber Obst aus dem Tiefkühlfach holen muss, was auch schon wieder eine Hürde für mich darstellt. (Oder im Sommer irgendwelche Beeren vorbereite.)
Bei fertige Mischungen von „Fruchtmüsli“ ist mir der Fruchtanteil meist zu niedrig… da muss dann trotzdem noch irgendwas dazu.

Brot:
Da geht es schon damit los, dass ich überhaupt welches da haben muss. Bei „normalem“ Brot heißt das, dass ich nach dem Kauf aber auch relativ bald es unbedingt essen muss. Ich könnte natürlich einen Teil einfrieren, aber mein kleines Tiefkühlfach ist meist voll. Außerdem müsste ich dann das Brot erst wieder auftauen = zusätzliche Hürde.
Bei Aufbackbrötchen muss ich es mir rechtzeitig vorher überlegen und außerdem den Backofen ausräumen (und hinterher alles wieder aufräumen), um sie aufbacken zu können.
Mittlerweile habe ich Knäckebrot für mich entdeckt, da habe ich ein paar Sorten, die ich gerne mag.
Mit Knäckebrot oder frischem Brot ist der Aufwand also der geringste: Teller, Messer, Brot rausholen. Überlegen, was ich darauf möchte. Brotaufstrich/ Belag holen. Brot schmieren. Meist habe ich zur Zeit Frischkäse oder irgendwelche pflanzlichen Aufstriche, manchmal gibt es aber auch Schinken oder so.
Möglichst bereite ich schon direkt alle Brote vor, denn ich bin meist eh schon genervt vom Essen und esse dann meist, während ich im Internet bin oder mir eine Doku ansehe. Da nervt es mich tierisch, wenn ich nach der ersten Scheibe erstmal unterbrechen muss, um die nächste zu schmieren.

Apfel:
Den Apfel muss ich holen, waschen und (aus)schneiden. Apfel nicht zerschnitten essen kann ich gar nicht leiden, weil dann alles klebt. Also aufschneiden und meist eine braune Stelle wegschneiden oder bei den Äpfeln vom Nachbarn sicherstellen, dass ich keinen Wurm mitesse.
Gerne esse ich zu Apfel Leberwurst – entweder einfach so dazu „genascht“ oder ich mache mir Brot/ Brötchen mit Leberwurst und Apfelscheiben. Letzteres macht aber halt wieder noch mehr Arbeit…

Dass die Küche eher klein und selten wirklich aufgeräumt ist, macht es natürlich nicht einfacher.

Vermutlich klingt das für die meisten Leute ziemlich albern oder nach „Jammern über nichts“. Es ist nur trotzdem mein Empfinden. Ich komme teilweise total k.o. heim und bin schon froh, wenn ich es überhaupt schaffe, was zu essen, bevor ich ins Bett kippe. Aber selbst an Tagen, wo sonst nichts ist, muss ich mir immer überlegen, wofür ich meine Kraft investieren will. Für die hier genannten Dinge reicht es an solchen Tagen meist ganz gut.
Aber mal wieder richtig kochen? Das ist selbst bei unaufwendigen Dingen wie „Nudeln kochen“ oder „Rührei machen“ für mich eine Aktion, die mich ähnlich viel Kraft kostet wie ein „richtiger“ Termin. Daher findet das nur relativ selten statt. Was ich ziemlich schade finde, aber andererseits sind mir dann halt oft andere Sachen wichtiger.

Werbeanzeigen

Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
Dieser Beitrag wurde unter Autismus allgemein, Innensicht - Erleben - Meinungen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Warum Essen machen anstrengend ist, selbst bei einfachsten Mahlzeiten

  1. sinnesstille schreibt:

    Danke Dir für diesen Artikel! Es ist mir bisher nie gelungen, jemandem zu erklären, was am Essen (zubereiten) so anstrengend ist. So sehr, dass ich es über die Mühe hinweg erfolgreich vergessen kann. „Mach dir doch einfach…“ bekomme ich oft zu hören. Einfach ist das aber nicht.
    Ich habe ein großes Glück mit meinem Mann. Er macht mir morgens, bevor er zur Arbeit fährt, eine Brotzeit. Wie früher den Kindern für die Schule. So esse ich wenigstens vormittags was. Und abends ist er derjenige, der für uns kocht. Ich schaffe noch nicht mal das Einkaufen. Die Spoon-Theorie gefiel mir immer schon und finde ich übrigens absolut passend.
    Danke dafür.

    Gefällt 1 Person

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Gerne 🙂
      Und super, dass du in deinem Mann so eine Unterstützung hast.
      Ich war damals total (negativ) überrascht davon, wie wenig ich klarkam, nachdem ich ausgezogen bin. Zumal ich mal ein paar Tage durchaus den Haushalt daheim gemanaged habe, wenn Mama nicht da war. Aber das war in den Ferien…
      Und die Diagnose bekam ich ja erst Jahre später.

      Liken

      • sinnesstille schreibt:

        Das mit dem Haushalt krieg ich bis jetzt nicht durchgängig hin. Meine Löffel sind manchmal riesig, da schaff ich viel, aber oft scheinen sie ganz winzig zu sein und Löcher zu haben. Da geht es mir so, wie Du in Deinem anderen Artikel beschrieben hast. Das jetzige Wissen um die Ursache befriedigt mich nicht wirklich.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen (mit der Abgabe eines Kommentars stimmst du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu).

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.