Müde. Schlafen. Nicht schlafen. Es nervt.

Ich habe es so satt.
Die Müdigkeit ist seit ca. 3 Monaten wieder so schlimm wie seit 5 Jahren nicht mehr.
Wenn ich an einem Tag 3-4 Stunden was schaffe, kann ich von Glück sagen.
Selbst wenn es um Dinge geht, wo ich nicht (wie fürs Studium) über komplizierte Sachverhalte nachdenken muss.

Der Zustand ist: Im Bett liege ich locker 8-12 Stunden, schlafe davon 3-12 h. Meist sind es so 6-7 h. Aber nicht immer. Schlafstörungen halt.
Aber egal, wie viel ich geschlafen habe: Nach dem Aufstehen geht es ca. 1-2 h gut, dann ist schon wieder Ende.
Auch wenn ich aufgestanden bin, weil ich nicht mehr schlafen kann.
Auch wenn ich gerade mehrere Nächte am Stück gut geschlafen habe.
Ich werde nach 1-2 h todmüde, spätestens nach 3-4 Stunden geht wirklich gar nichts mehr.
Es ist so eine richtige bleierne Müdigkeit, wo ich kaum die Augen offenhalten kann.
Wo ich das Gefühl habe, mir knallt gleich der Kopf vor mir auf den Tisch.
Wenn ich mich dann nicht hinlegen kann, könnte ich vor Verzweiflung fast heulen.
Lege ich mich hin, kann ich teilweise durchaus nochmal schlafen, zum Teil sogar 2-4 h.
Teilweise döse ich auch nur vor mich hin.
Immer gilt aber: Wenn ich nicht weiß, dass ich mindestens 2,5 h Zeit habe, bringt mir das Hinlegen gar nichts.
(Selbst wenn ich dann vielleicht sogar nach 1 h wieder aufstehe.)

Ich bin einfach nur noch erschöpft.
Ich mag (so) nicht mehr.
Mein ganzes Leben dreht sich gerade darum, wann ich mich hinlegen kann.
Und dann muss ich natürlich noch überlegen, wann ich welches Medikament am sinnvollsten nehme.

Ein Beispiel: Ich weiß, dass ich am nächsten Tag am frühen Nachmittag einen Termin habe. Und möglichst noch irgendwann an diesem Tag für eine Klausur lernen sollte.
Wann gehe ich am besten am Tag davor ins Bett?

  • Früh? Dann bin ich am nächsten Morgen vermutlich gegen 9 oder 10 Uhr aus dem Bett (alles davor ist [freiwillig] nicht realistisch).
    Dann müsste ich mich gegen Mittag wieder hinlegen, was mit dem Nachmittagstermin nicht passt.
  • Mich doch früher aus dem Bett zwingen und Dosis 1 vom Wachmachmedikament nehmen, damit ich am Vormittag was schaffe, um mich dann am späten Vormittag nochmal hinzulegen? Vor dem Hinlegen dann Dosis 2 vom Wachmachmedikament nehmen, was nach 2-3 Stunden sein Wirkmaximum erreicht?
    Ich kenne mich und meinen Körper, das klappt nicht. Ich bin sowas von kein Morgenmensch.
  • Möglichst spät ins Bett gehen und erst mittags aufstehen?
    Ist das realistischste. Dann schaffe ich in der Nacht was und stehe kurz vor dem Termin auf.
    Lege mich danach 2-3 h hin.

Und bin automatisch wieder außerhalb dessen, was man als normalen Schlafrhythmus ansehen kann.
Es ist momentan wirklich so, dass die einzige Zeit, wo ich mal ein paar Stunden am Stück was schaffe, so etwa von 23-4 Uhr (oder auch 6 oder 7 Uhr) geht.
Ganz egal, wie die Tage und Nächte davor aussahen.
Natürlich wäre ein regelmäßiger Rhythmus sinnvoll. Nur leider schaffe ich dann überhaupt gar nichts mehr, wenn ich ihn so gestalte, dass ich tagsüber nicht größtenteils im Bett liege.
Denn ein Rhythmus, bei dem ich was schaffen würde, wäre nach Wunsch meines Körpers in etwa so: Gegen 4 oder 5 Uhr ins Bett gehen. Gegen 15 oder 16 Uhr aufstehen. Von 18 – 21 oder 22 Uhr nochmal hinlegen.
Oder aber immer so etwa 8-10 h im Bett, dann 2-3 h auf, dann wieder 8-10 h im Bett etc.
Blöderweise passt das halt nicht dazu, dass ich noch sowas wie ein normales Leben mit Uni und anderen Terminen habe.
Sämtliche Versuche, den Rhythmus zu verschieben, funktionieren nicht.
Zwinge ich mich zum Durchhalten, bin ich irgendwann so müde, dass ich im wörtlichen Sinne gegen Türen renne oder umkippe.

An Terminen habe ich im Übrigen wirklich nicht allzu viel. Dieses Semester waren es:

  • 2 halbe Tage an der Uni plus Vor-/ Nachbereitung
  • 2 Betreuungstermine pro Woche, wo wir meist Haushalt etc. machen (also Sachen, die eh erledigt werden müssen)
  • alle 2 Wochen 50 min Therapie
  • alle 2 Wochen abends mein Musikensemble
  • alle 2 Wochen (durchschnittlich) mal ein paar Stunden treffen mit einer Freundin

Gelegentlich hatte ich mal was am Wochenende, wobei ich seit Semesterbeginn nie über Nacht weg war – bis auf 2 Ausnahmen waren es am Wochenende immer nur Aktionen von wenigen Stunden.

Dennoch bin ich fertig. Total fertig.
Und die Müdigkeit ist ganz definitiv das Hauptproblem und die Ursache für die totale Erschöpfung und den Stress, den ich empfinde.

Ursache?
Ich weiß, was es alles nicht ist. Es ist weder ein Mangel an Eisen, Vitamin D, Vitamin B12, Schilddrüsenhormonen noch sonst etwas, was man im Blutbild, im Ultraschall oder im EKG sieht. (Ja, ich war beim Arzt – beim Hausarzt und bei der Gyn.)
Es könnte theoretisch eine Nebenwirkung der Pille sein, mit der wir versuchen, meinen monatlichen Schmerzmittelkonsum und die Stimmungsschwankungen zu verringern. Letzteres scheint tatsächlich zu funktionieren. Daher bin ich nicht bereit, aufzugeben, bevor die 6 Monate rum sind, innerhalb derer es sich – wenn es eine Nebenwirkung ist – wieder legen sollte.
Problem: Müdigkeit ist bei mir ja eh Dauerzustand. Und die Verschlechterung begann schon vor Beginn der Pilleneinnahme, auch wenn es da noch nicht so extrem war.
Also alles unklar.

Zum Glück ist bald vorlesungsfreie Zeit und ich habe wenigstens weniger Druck.
Aber eigentlich würde ich auch gerne mal einen Tag lang was unternehmen, einen Ausflug machen können, ohne eine Schlafmöglichkeit einzuplanen.
Mich mit einer Freundin für einen Spaziergang verabreden, ohne dann wieder zu solchen Planungsproblemen wie im obigen Beispiel zu kommen.
Generell irgendwas machen, ohne dass das die einzige mögliche Aktion am Tag ist. (Und mit „Aktion“ meine ich in diesem Zusammenhang nicht nur die Uni. Da gehören auch Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen oder 2 Stunden eine Freundin treffen dazu.)
Einen Kuchen backen.
Oder einfach nur öfter als 3x im Monat was anderes als Fertiggerichte und Müsli essen.
In den Gottesdienst gehen.
Ein Buch lesen.
Schwimmen gehen.
Die ganzen Blogartikel schreiben, die mir im Kopf rumschwirren.
Klar denken können.

Natürlich führt die Müdigkeit dann auch zu weiteren Problemen, zum Beispiel zu massiv erhöhter Empfindlichkeit im Wahrnehmungsbereich, zu Reizbarkeit und geringerer Kompensationsfähigkeit.

Mein Problem ist aber nicht der Autismus.
Mein Hauptproblem sind auch nicht die häufigen Infekte, so sehr sie nerven.
Die Schlafstörungen sind ein großes Problem.
Aber das größte Problem ist die Dauermüdigkeit (die wie geschildert nur teilweise mit den Schlafstörungen zusammenhängt).
Wenn ich wegen irgendwas dieses Leben nicht mehr lebenswert finde, ist es die Müdigkeit.
Und wo in dieser Auflistung steht die Depression? Das weiß ich selbst nicht so genau.
Die letzten Monate war ich erstaunlich wenig depressiv, trotz allem Frust und aller Verzweiflung und aller Müdigkeit.
Vielleicht bin ich ja gerade zu müde zum Depressivsein.
Andererseits war ich vor 5 Jahren ähnlich müde – und definitiv depressiv.
In jedem Fall denke ich aber, dass die Depression bei mir eher „sekundär“ ist, als Folge von durch andere Diagnosen ausgelösten Problemen – namentlich und besonders der Schlafstörungen und Müdigkeit.
Das war ja auch die Ansicht vom Arzt im Schlaflabor damals und es hat sich für mich darin bestätigt, dass binnen einer Woche die depressiven Symptome fast wegwaren, als ich ein wachmachendes Medikament bekam. Leider kam der ganze Mist aber irgendwann wieder zurück.

Und ich mag so nicht mehr.
Ich mag das nicht akzeptieren.
Das „böse A-Wort“, wie meine Therapeutin es gerne nennt, und ich werden gerade absolut keine Freunde.
(Nein, keine Sorge: Ich habe nicht vor, mir irgendwas anzutun. Ich bin nur einfach so komplett fertig.)

So, Ende des Frustposts.
Ich habe heute mal trotz der Tatsache, dass Juli ist, die Tageslichtlampe aus ihrem Sommerquartier geholt und aufgebaut.
Vielleicht hilft das ja wenigstens ein bisschen.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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5 Antworten zu Müde. Schlafen. Nicht schlafen. Es nervt.

  1. elefantenblau schreibt:

    Melatonin wäre vielleicht eine Idee. Hilft ganz und gar nicht zum Einschlafen, kann dem Körper aber helfen wieder in einen Tag/Nacht Rhythmus zu finden.
    Klar, dass das mit dieser Müdigkeit im Moment nicht geht, stelle ich mir unheimlich anstrengend vor alles so planen zu müssen.
    Viel Kraft!

  2. Katja schreibt:

    Fatigue?

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