Barrierefreiheit für Autisten bei Veranstaltungen

Nachdem immer mal wieder Leute fragen „was kann ich tun, damit die Teilnahme an meiner Veranstaltung für Autisten erleichtert/ ermöglicht wird“, hatte ich mal aufgeschrieben, was mir einfällt. Vor ein paar Monaten hatte ich auch auf Twitter nach euren Wünschen dazu gefragt.

Vielen Dank denen, die sich da damals beteiligt haben!
Ich hatte es damals leider nicht geschafft, es „veröffentlichungsfähig“ aufzuschreiben, aber nachdem heute mal wieder die Frage nach so einer Liste kam, habe ich mich entschlossen, den Entwurf endlich fertig zu machen 🙂

Ein Zitat von Aleksander Knauerhase möchte hierbei besonders herausstellen:

Das hier ist jetzt eine sehr allgemeine Übersicht – nicht alles passt zu jeder Art von Veranstaltung und nicht alles ist immer umsetzbar. Insbesondere bezüglich der Raumauswahl kann man sicher nicht immer ganz so agieren, wie man gerne würde. Aber viele eher organisatorische Punkte sind auch ohne große Zusatzkosten und ohne großen Zusatzaufwand umsetzbar.

Raumauswahl

  • nicht zu klein, v.a. Stühle/ Sitzplätze möglichst nicht zu eng
  • Beleuchtung: nicht zu grell, nicht zu dunkel (wegen Orientierung), nicht flackernd
  • Akustik: generelle Raum-Akustik (Hall), wenig Störgeräusche („sirrende“ Lampen, Lüftung…)
  • Gerüche: nicht frisch renoviert oder über einer Kneipe o.ä.
  • ordentliche Belüftung
  • Rückzugsmöglichkeit: idealerweise ein Raum, wo Ruhe ist, und einer, wo man sich ruhig (leise) unterhalten kann
  • evtl. Übertragung in einen weiteren (ruhigen) Raum
  • ruhiger und übersichtlicher Ankommbereich

Im Vorfeld

  • Zulassung einer Begleitperson (möglichst zu vergünstigstem Preis oder kostenlos)
  • Rückfragemöglichkeit per Mail
  • ausreichend Pausen einplanen
  • was an Informationen vor der Veranstaltung hilfreich wäre (per Mail oder auf der Website oder beides):
    • Bilder der Lokalität (inkl. Foyer und vor dem Gebäude) oder zumindest Infos zum Raum (Größe, Bestuhlung, Fenster?, Türen…)
    • Größe der Veranstaltung/ ungefähre Teilnehmerzahl
    • (aktuelle) Bilder von den wichtigsten Personen: Veranstalter, Redner, Moderator…
    • Programm/ Ablaufplan (möglichst detailliert)
    • was ist an Verpflegung da (Preis?), dürfen eigene Lebensmittel/ Getränke mitgebracht werden
    • wie ist der Ablauf bei der Ankunft (z.B. „zuerst an der Anmeldung vorbeigehen und da deinen Namen nennen, dort wird dann auch die Gebühr bezahlt und ein Namensschild ausgegeben“ o.ä.)
    • Sind Begleithunde erlaubt?
    • Beschreibung von Anfahrt und Parksituation

Am Veranstaltungstag/ während der Veranstaltung:

  • Stühle und Beleuchtung s.o.
  • Plätze am Rand für Autisten (und Begleitpersonen) reservieren
  • gute Beschilderung (z.B. auch Rückweg von der Toilette zum Veranstaltungsraum, Garderobe…) – man sollte zurechtkommen, ohne jemanden fragen zu müssen; evtl. schon Schilder ab Parkplatz
  • Rückzugsmöglichkeit – insbesondere auch während „unstrukturierten“ Zeiten wie Pausen (wenn kein eigener Raum zur Verfügung steht: wenigstens eine Ecke mit ein paar Sitzgelegenheiten und vielleicht ein paar Kissen auf dem Boden etwas abteilen, z.B. mit Stellwänden)
  • keine zu langen Warteschlangen (besonders, wenn es mit/ für Kinder(n) ist)
  • Ablaufplan aushängen
  • Einhalten der Redezeiten
  • kurzfristige Änderungen vermeiden, aber wenn unvermeidbar: so früh wie möglich bekanntgeben
  • klar erkennbare Ansprechpersonen für Fragen; diese können auch ein bisschen im Blick haben, ob jemand überfordert wirkt und evtl. Hilfe anbieten, z.B. auf Rückzugsmöglichkeit hinweisen – erkennbar z.B. an (sehr) auffälligen Namensschildern, Weste o.ä.
  • evtl. Begleitung zu anderen Räumen (Ruheraum, Toilette…) anbieten – v.a. bei Orientierungsschwierigkeiten in unübersichtlichem Gebäude
  • evtl. Anstecker/ Schildchen für die Teilnehmer, wo drauf steht, ob man nur zuhören möchte oder gerne auch angesprochen wird (sich aber u.U. nicht selbst traut, jemanden anzusprechen)
    Beispiel:
    – Grün: Bereit für Gespräche
    – Gelb: Sprich mich an, ich kann es nicht selber.
    – Orange: Ich mag nur sprechen, wenn ich dich anspreche.
    – Rot: Ich möchte nicht sprechen.

Wenn euch noch mehr einfällt, dann schreibt es gerne in die Kommentare und ich ergänze es dann.
Ich kann dann auch gerne die Liste als pdf zum Download erstellen.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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Eine Antwort zu Barrierefreiheit für Autisten bei Veranstaltungen

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