Wie mich eine kaputte Glühbirne komplett aus der Bahn warf

Heute war wieder ein Betreuungstermin und ich hatte geplant:
– das Chaos im Zimmer lichten
– Brief zum Briefkasten (musste heute weg)
– Küche
Das wäre in der Zeit auch durchaus gut zu bewältigen werden.

Wenn da nicht die Glühbirne gewesen wäre. Ein paar Minuten vor der Ankunft von Ina (das ist ab sofort der Blogname von meiner Betreuerin, hab ich beschlossen) wollte ich im Flur das Licht einschalten – und mit einem ziemlich lauten Knall + merkwürdigem Geräusch wurde es dunkel. Es klang beinahe, als ob etwas im Glas von der Lampe rumfliegt. Ich bin tierisch erschrocken und war immer noch etwas „durch den Wind“, als Ina dann kam.
Soweit wäre es vermutlich dennoch nicht allzu dramatisch gewesen. Das Problem war dann eher, dass wir die Glühbirne auswechseln wollten… nach längerem Rumprobieren entdeckten wir die weiß überstrichenen, von der Lampe verdeckten Schrauben, die gelöst werden mussten, um das Lampenglas entfernen zu können. Als wir das dann ab hatten, erklärten sich auch die Geräusche, die ich gehört hatte: Die Birne lag im Lampenglas, das Gewinde steckte in der Lampe fest. Und war teilweise heftig korrodiert. Ina hat es dann rausgepfriemelt. Nebenbei zerlegte sich noch ein Karton endgültig, als ich ihn aus dem Schrank holte, um ein Werkzeug aus ihm rauszufischen.
Die ganze Aktion hatte uns schon mindestens eine Viertelstunde gekostet. Damit war der Plan „erst Zimmer aufräumen, dann Briefkasten“ schonmal hinüber, denn wir mussten erstmal den Brief fertig machen und zum Kasten bringen, da er ja noch vor der Leerung dort sein musste. Auf dem Rückweg haben wir dann gleich noch eine neue Glühbirne gekauft und dann in einer weiteren ca. 10-minütigen Aktion die Lampe wieder befestigt.
Zu diesem Zeitpunkt war ich schon komplett fertig, die Wohnung aber immer noch im Chaos und ich wollte das unbedingt loswerden. Klar war aber auch, dass ich es ohne Ina nicht schaffe, insofern schied die Möglichkeit „erstmal verkriechen und beruhigen, dann aufräumen“ aus. Sie konnte mich von ein paar Minuten Pause zu überzeugen (bis auf eine Mahlzeit mitten in der Nacht von gestern auf heute war mein letztes richtiges Essen Sonntag Mittag…) und dann haben wir eben zugesehen, dass wir wenigstens Boden, Bett und Tisch freikriegen. Zum Teil einfach dadurch, dass ich einen Korb genommen und das Zeug reingeschmissen hab. Außerdem hatte sie zum Glück keinen weiteren Termin nach mir und wir konnten eine halbe Stunde länger machen.

Ich habe vorhin auf dem Weg zum Briefkasten versucht, Ina zu beschreiben, warum die Situation mich so aus der Bahn wirft. Sie fragte, ob ich mich über die Sache mit der Glühbirne ärgere, aber Ärger war nicht primär das Gefühl – es war sicher dabei, aber nicht das, was für mich wirklich das Problem war. Das größere Problem war eher, dass mein Plan durchkreuzt wurde, in diesem Fall natürlich auch noch zum Negativen hin. Ich wollte das Chaos unbedingt loswerden, weil es mich belastet hat, war aber eigentlich dann total fertig durch den Schreck beim Lampe einschalten (ich hab echt noch nie ein Birne mit so einem Geräusch und so einer Lautstärke kaputtgehen hören) und eben durch den nervigen Wechsel.
Sie hat dann auch versucht herauszufinden, was mir jetzt helfen könnte (insbesondere wie sie mir helfen kann) – so kamen wir dann eben dahin, dass sie etwas Zeit angehängt hat und wir eher oberflächlich aufgeräumt haben, um aber wenigstens wieder den Tisch und die Küche benutzen zu können und damit ich in der Wohnung laufen kann, ohne dabei eine Art Hindernisparcour zu absolvieren.

Und jetzt sehe ich zu, dass ich mich wieder „runterfahre“. Es ist ruhig und die Wohnung sieht halbwegs ordentlich aus und ich habe diese Gedanken aufgeschrieben – jetzt wird es hoffentlich allmählich wieder besser.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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3 Antworten zu Wie mich eine kaputte Glühbirne komplett aus der Bahn warf

  1. semilocon schreibt:

    Hat dies auf Semilocon rebloggt und kommentierte:
    So ist es auch bei mir, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Ich bin dann nicht verärgert, ich bin vielmehr verwirrt und erschrocken und kann teilweise diese Schockstarre kaum überwinden.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Ja, genau so ist es. „Schockstarre“ verwende ich auch öfter zur Beschreibung – heute verfiel ich dann allerdings quasi in Aktivismus und hab mich damit wohl immer weiter „hochgeschaukelt“.

  2. Pingback: Ambulant betreutes Wohnen | Gedankenkarrussel

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