Inklusion

Nachdem hier schon so lange Funkstille herrschte, wollte ich mich doch mal wieder melden.
Ich komme momentan einfach nicht zum Schreiben. Eigentlich ist mein Alltag durchaus „schaffbar“, aber uneigentlich laufe ich schon lange wieder ziemlich am Limit.
Die Dunkelheit gefällt mir nicht und ich bin froh, dass in ein paar Wochen die Tage schon wieder länger werden.

Bürokratiebaustellen gibt es auch diverse, u.a. die akute Personalnot bei der Stadt, die mir immer noch mehrere 100 € schuldet und wegen der meine Eingliederungshilfe seit mittlerweile mehr als einem Monat ohne Kostenzusage arbeitet.
(Ich bin ziemlich sicher, dass die Stadt keine 3-4 Monate Bearbeitungszeit brauchen würde, wenn ich das Geld zahlen müsste…)

Insgesamt machen mich immer wieder Debatten um Behindertenrechte traurig und wütend. Da müssen sich Rollstuhlfahrer dafür rechtfertigen, dass sie auf Barrierefreiheit bei Neubauten und Veranstaltungen pochen. Da müssen sich Behinderte aller Art rechtfertigen, dass sie es fair fänden, wenn sie mit dem neuen Teilhabegesetz wenigstens so viel von ihrem Gehalt behalten und auch sparen dürften wie ein anderer Bürger mit vergleichbarer Qualifikation und Position. Da darf ein Abgeordneter im Rollstuhl nicht auf eine Dienstreise mit, weil der Landtag sich außer Stande sieht, das zu organisieren und es ohnehin zu teuer sei.

Bezüglich Inklusion scheint es irgendwie folgende Standpunkte zu geben:

  • „Inklusion? Hä? Was’n das, kann man das essen? Egal, ich bin dagegen, ging früher ja auch ohne.“ (Otto-Durchschnitts-Bürger auf dem Level von *gida-Bewegungen)
  • „Inklusion? Wie jetzt, Behinderte wollen mitreden und sogar gleiche Rechte?!? Kann ja wohl nicht sein!“ (Anhänger des letzten Punkts, die mitbekommen haben, dass das womöglich was kostet)
  • „nette Idee, toooootal wichtig, aber bitte kostenneutral“ (Otto-Durchschnitts-Politiker)
  • „super-wichtig, ein toller Ansatz, ich würde es gerne viel besser umsetzen, scheitere aber an den Bedingungen“ (der durchschnittliche engagierte Lehrer oder Erzieher)

Und natürlich gibt es auch noch die verschiedensten Zwischenstufen.

Aber oft geht es dann wieder in die Richtung, dass wir uns gefälligst anzupassen haben.
Dass wir ggf. mal zurückstecken müssen.
Usw.
Ich würde mal behaupten, dass die meisten Menschen mit Behinderung realistisch genug sind zu sehen, dass man Inklusion nicht von jetzt auf gleich schaffen kann und dass es auch nicht unbedingt möglich ist, jedes einzelne Gebäude barrierefrei zu gestalten.
Nur leider scheint es oft am guten Willen zu fehlen.
Bei Neubauten lässt sich Barrierefreiheit planen und viele Maßnahmen würden noch nicht einmal etwas kosten. (Beispielsweise Erreichbarkeit von Behörden auch per Mail.)

Und ich finde es ABSOLUT NICHT FAIR, wenn Anpassung vor allem von UNS erwartet wird.
Warum kann nicht auch mal der andere Rücksicht drauf nehmen, dass ich vielleicht schneller als andere überfordert bin?
Dass man mir Dinge klar sagt, dass man nicht sofort beleidigt ist, wenn ich mich ungeschickt ausgedrückt habe?
Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die das problemlos schaffen und mir immer mal wieder sagen, dass sie das für total selbstverständlich halten.
Und diese Einstellung macht nun mal einen großen Unterschied. Klar gibt es auch da mal Missverständnisse oder unglücklich gelaufene Situationen, aber wir können sie dann auch gut klären und es führt nicht zu Ärger oder Verbitterung bei den Beteiligten.

Wenn es mehr Menschen von dieser Sorte gäbe, dann wäre die Inklusion einen großen Schritt vorangekommen.
Und dann wären auch Diskussionen um Umerziehungs- und Dressurprogramme à la ABA, Bremer Elterntraining und wie sie alle heißen, hinfällig.
Was in dem Bereich gerade abgeht, kann man in anderen Blogs besser nachlesen, insbesondere bei quergedachtes.
Was ich von der Art halte, die Aktion Mensch und diverse Teilnehmer gezeigt haben, schreibe ich lieber nicht im Detail, die Ausdrücke sind nicht wirklich salonfähig…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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3 Antworten zu Inklusion

  1. kiki0104 schreibt:

    Ich denke, dass es auch überaus wichtig wäre, Autismus den Menschen näher zu bringen… so unsinnig die Ice-Bucket-Challange auch war, hat es doch geholfen, eine sehr unbekannte Krankheit Interesse zu schenken.
    Darum bin ich persönlich für AUFKLÄRUNG. Mit Aufklärung kommt Verständnis und damit automatisch die Inklusion. (Jetzt beim Thema Autismus)

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Aufklärung ist sicher eine Voraussetzung – aber ich glaube, es ist bei Autismus dennoch schwieriger als bei ALS und sonstigen körperlichen Einschränkungen, weil es für die Leute einfach viel schlechter vorstellbar ist. Für meinen Vater scheint es leider nahezu unmöglich zu sein, zu verstehen, dass ich zwar sehr intelligent bin, aber trotzdem an Alltagsdingen scheitere oder sie mich wahnsinnig viel Kraft kosten…

  2. Pingback: Können Nicht-Autisten die Gefühle von Autisten erkennen? | Gedankenkarrussel

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