#BloggerFuerFluechtlinge

Seit Tagen denke ich darüber nach, einen Artikel zu schreiben.
Das Problem: Ich kann nicht viele eigene Erfahrungen mit dem Thema beitragen und wie z.B. Amy von Begegnungen erzählen. Meine Erfahrungen begrenzen sich weitgehend auf die Grundschulzeit (zur Zeit der Jugoslawienkriege), wo ich eine Freundin hatte, die trotz der Tatsache, dass ihre Familie gut integriert war, in ständiger Angst vor Abschiebung lebte.
Aber gleichzeitig will ich nicht schweigen zu dem, was in Deutschland gerade passiert.

Egal, was wo wie warum schief läuft – es kann einfach nicht sein, dass ständig Flüchtlingsunterkünfte brennen, dass Flüchtlinge, Politiker und engagierte Bürger bedroht werden, bis hin zu Morddrohungen.
In was für einem Land lebe ich eigentlich?!?

Integration/ Inklusion sollte sich nicht auf Menschen mit Behinderungen beschränken – sie gilt für alle Menschen, egal welcher Nationalität.

Ja, Deutschland kann nicht sämtliche Flüchtlinge der Welt aufnehmen.
Ja, manch andere Länder stehlen sich aus der Verantwortung (ist schon eine geschickte Masche „wir behandeln Flüchtlinge so schlecht, dass andere Länder sie aufnehmen“).
Ja, Deutschland mag an manchen Konflikten direkt oder indirekt mitschuldig sein.
Ja, es gibt auch Deutsche, die finanziell nicht gut da stehen.

Aber:
Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben ohne ständige Angst vor Verfolgung oder Tod. Egal ob Deutscher, Afrikaner, Christ, Moslem, Autist, Topmanager oder illegaler Einwanderer.
Gerade die Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak leben in ständiger Angst – vor Bomben, Taliban, dem IS, der eigenen Regierung.
Wie man mit „Wirtschaftsflüchtlingen“ umgeht, muss man sicher gut überlegen. Klar ist, dass wir nicht alle aufnehmen können. Das ist linkes Wunschdenken; mal davon abgesehen, dass ich es nicht für grundsätzlich erstrebenswert halte, wenn alle in ein paar wenigen Ländern leben würden.
Aber man muss auch sehen, dass viele der „Wirtschaftsflüchtlinge“ in ihrem eigenen Land aktuell massiv ums Überleben kämpfen. Auch wer von HartzIV lebt, muss in Deutschland in aller Regel weder verhungern noch auf der Straße übernachten oder an behandelbaren Krankheiten sterben. Da es derartige Sicherungssysteme in anderen Ländern nicht unbedingt gibt, kann man einen Deutschen, der mit wenig Geld auskommen muss, meiner Meinung nach nur sehr bedingt bis gar nicht mit Menschen vergleichen, die nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen und wie sie die dringend notwendige Behandlung einer entzündeten Verletzung bezahlen sollen. Ich ärgere mich ja auch manchmal über Krankenkassen oder darüber, dass das Sozialamt mir mittlerweile etliche hundert Euro schuldet, weil seit über einem Jahr Gehaltsnachweise nicht bearbeitet werden. Aber dennoch habe ich ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und sogar noch ein bisschen mehr.
Zur bayerische Landesregierung fällt mir gerade nur noch ein „streicht doch bitte mal das C und das S aus dem Parteinamen!“

Und sicher wäre es wünschenswert, Themen wie „Waffenexporte“, „Entwicklungshilfe“ und „Handel/ Ausbeutung“ zu überdenken. Was aber nichts daran ändert, dass jetzt Menschen in Not sind und Hilfe brauchen.
Auch auf europäischer Ebene müsste sich natürlich mehr tun. Wobei ich sagen muss, dass das Dublin-Abkommen ja wohl mal komplett unfair ist. Wie schon mein Politik-Lehrer in der Schule meinte: „Ja wie sollen denn Menschen legal nach Deutschland kommen? Entweder mit dem Flugzeug oder sie müssen den Rhein raufschwimmen…“ Da hat Deutschland gemeinsam mit manch anderem Land ohne Außengrenzen schon einen geschickten Schachzug gelandet. Man hätte meiner Meinung nach von Anfang an eine Quotenregelung festsetzen sollen, die sich nach Einwohnerzahl, Fläche und Wirtschaftskraft richtet. Aber wahrscheinlich war das damals schon so unrealistisch wie heute… von daher bin ich starker Anhänger des Vorschlags, dass man aus einem Fond die Länder unterstützt, die Flüchtlinge aufnehmen. Länder zur Aufnahme zu zwingen (was z.B. das Dublin-Abkommen ja faktisch macht) halte ich für nicht so gut. Wie „gut“ das aktuell funktioniert, sieht man ja z.B. in Ungarn mit seiner rechten Regierung oder in einem – verständlicherweise – komplett überforderten Griechenland.
Dafür, dass Verfahren so lange dauern und dass sie lange nicht arbeiten dürfen, können die Flüchtlinge auch eher wenig. Die meisten möchten vermutlich nicht Däumchen drehend den ganzen Tag im Haus sitzen.

Und nach wie vor gilt, bei allen Problemen: Morddrohungen, Brandanschläge und sonstige Gewalt sind absolut inakzeptabel, genauso wie rechte Hetze.
Darüber gibt es nichts zu diskutieren, da gibt es kein „wenn und aber“ oder „aber man wird ja wohl noch sagen dürfen“.

Ernsthafte Diskussionen mit ernsthaftem Willen zur Lösung von Problemen: Selbstverständlich, gerne, und hierbei darf man auch Probleme beim Namen nennen.

Gewalt und Gewaltandrohungen und Hetze: Nein. Definitiv nein.
Punkt, aus, Ende.

Wer mehr Infos zur Kampagne möchte oder eine Möglichkeit zum Spenden sucht:

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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