Grenzen

Ich hatte diesen Monat ein Praktikum an der Uni.
Eine Woche ganztags.
Labor war nie meine Lieblingstätigkeit*… und ich war Anfang des Monats krank (und so ganz fit bin ich auch immer nicht wieder), musste aber auch noch für Klausuren lernen.
Nicht gerade ideale Voraussetzungen.

Aber: Eigentlich waren es super Bedingungen.
Eine sehr kleine Gruppe mit Leuten, mit denen ich mich so weit gut verstehe.
Eine absolut geniale Betreuerin – hatte schon fast therapeutischen Wert *g*.
Wenn was nicht klappte „na und? Machen wir morgen noch mal, wir haben Zeit genug. Ist total ok!“
Die Versuche waren interessant und ich konnte die Sachen auch noch, obwohl das letzte Mal recht lange her ist.
Der Punkt „Protokolle“ eher locker.

Hätte mich am Tag einer gefragt, wie es mir geht, hätte ich gesagt „ganz gut“.
Ich habe zeitweise kaum gemerkt, dass ich unter Druck stehe.
Aber sobald ich nach Hause kam, zeigte sich, dass die Tage mich doch mehr Kraft gekostet haben, als ich gedacht hatte.
Ich war vollkommen platt.
Merkte, wie quasi beim Schließen der Wohnungstür die Anspannung von mir abfiel.

Ich könnte mir jetzt natürlich einreden, dass sich die Situation nicht verallgemeinern lässt.
Ich war nicht ganz fit.
Ich hatte die Klausur bedrohlich vor mir.
Nur: Krank bin ich ja öfter, und auch die ein oder andere Stresssituation wird es gelegentlich geben.

Mir hat das ganze gezeigt, dass ich sogar unter (fast) Idealbedingungen nur eingeschränkt leistungsfähig bin.
Das stimmt mich bedenklich bezüglich der nahenden Masterarbeit (auch wenn es da nicht meine Hauptsorge ist – da sind andere Probleme größer…) und vor allem natürlich im Blick auf eine gar nicht mehr soooo ferne Berufstätigkeit.

Das klingt jetzt ziemlich negativ.
Nein, so negativ ist es aktuell nicht.
Aber jetzt auch nicht supertoll.

* Warum Labor nie so mein Fall war?
Dinge klappten nicht, wie sie sollten.
Man wartete ewig, auf einen Betreuer, dass eine Reaktion endlich läuft oder auf ein Gerät (mein „liebster Freund“: das Photometer…).
Je nach Laune der Betreuer wurde man für Fragen oder Fehler ziemlich angemotzt.
Man musste in kurzer Zeit nervige Protokolle schreiben, die zu ca. 50% darin bestanden, das Skript umzuformulieren (wie soll man denn „geben Sie X zu Y und erwärmen Sie es“ auch groß anders formulieren?).
Man musste mit anderen zusammen arbeiten, was heißt, dass man erstmal einen Laborpartner finden musste. Meist hatte ich Glück, einmal war ich aber auch in einer Dreiergruppe, wo ich Nummer 1 kannte – und Nummer 2 kein Wort mit mir redete. Keine Ahnung, was ich Nummer 2 getan habe.
Meistens war mein Gedanke im Labor „ist ja gut, ich glaub euch das auch so, muss es nicht unbedingt selbst ausprobieren“…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Grenzen

  1. Amy schreibt:

    Bezüglich der Berufstätigkeit denke ich aber, dass der Faktor Zeit auch eine große Rolle spielt – man gewöhnt sich an das, was man regelmäßig macht. Sicherlich ist der Einstieg für dich (und mich^^) enorm schwierig… aber… auch wir haben uns ja ans Unileben gewöhnt und an neue Städte und fremde Menschen. Warum soll das nicht auch in einem Job klappen? Das Gehirn ist anpassungsfähig. Klar, wenn man nur eine Woche mal ausnahmsweise, gepaart mit zusätzlichen Belastungen irgendwo in Vollzeit tätig ist, ist das knallhart. Aber wenn man sich nur auf den Job fokussieren kann, ist es vermutlich nach der 2. Woche schon leichter als in der 1. und nach der 6. oder 7. oder 10. irgendwann auch normal geworden. Weil die Leistungsfähigkeit sich halt doch steigert wie auch die muskuläre Leistungsfähigkeit, wenn man jeden Tag trainiert… das hoffe ich zumindest 🙂

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Das hoffe ich auch… mich hat es nur dieses Mal wieder überrascht – irgendwie bin ich auf dem Gebiet nicht lernfähig und über-optimistisch, obwohl ich sonst immer eher pessimistisch bin…

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