Nervige Kleinigkeiten

Viel braucht es momentan wirklich nicht, um mich durcheinander zu bringen.

Diese Woche war eine Klausur.
Ich wusste, dass die Fragen zum Teil Multiple Choice sind.
Ich wusste nicht, dass die ganze Klausur ausschließlich Multiple Choice ist.
Das war das erste, was mich durcheinander brachte.

Außerdem mag ich Multiple Choice nicht. Da reicht eine klitzekleine Kleinigkeit, die man nicht sicher weiß, und schon hat man null Punkte in einer Aufgabe. Z.B.:
Aussage A bis E, Antwortmöglichkeiten:
1) Nur A, C und E sind richtig.
2) Nur A, D und E sind richtig.
3) Alle sind richtig.
4) Nur A, B, C, E sind richtig.
Wenn ich jetzt also von 4 Aussagen weiß, dass sie stimmen, aber bei einer unsicher bin, habe ich also eine 50%-Chance. Und egal, ob ich die 4 Antworten wusste, wenn ich falsch getippt habe, habe ich komplett null Punkte für die ganze Aufgabe.
Sowas widerspricht meinen manchmal etwas seltsam ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden total. Klar, man könnte jetzt sagen, dass ich besser hätte lernen müssen. Ich fand aber, dass es nicht so ganz eindeutige Aussagen waren bzw. dass man manchmal hätte sagen müssen „kommt drauf an“. Aber „wenn Sie nicht sicher sind – wir meinen immer das Wahrscheinlichste“. In einem Freitext hätte ich das problemlos formulieren können, aber woher weiß ich, was in den Augen der Dozenten das Wahrscheinlichste ist?!? Ich hasse es, dass man bei Multiple Choice solche Abwägungen nicht zeigen darf. Es ist, als ob man nicht zeigen darf/ kann, dass man sich durchaus Gedanken gemacht und nicht nur geraten hat.
So musste ich mich also beherrschen und irgendwie zusehen, dass ich weiter arbeite, obwohl ich mich nach innerlich explodieren fühlte und am liebsten geschrien und was gegen die Wand geknallt oder zumindest mit den Dozenten diskutiert hätte, weil es so unfair schien, sich dadurch falsch anfühlte.
Der rationale Teil in mir hat versucht, mir klarzumachen, dass das halt eine Form von Klausuren ist, dass es auf seine Art auch fair ist (immerhin ist eindeutig, ob die Antwort stimmt oder nicht…), aber das hat nicht geholfen.
Ich war als erste fertig und da wir danach noch kurz etwas besprechen mussten, sollte ich in den „Sozialraum“ daneben gehen.

Wäre ich nur auf dem Flur geblieben… da waren Menschen. Fremde Menschen! Hilfe! In der Situation konnte ich das so gar nicht gebrauchen… also irgendwie überleben, ablenken und nach der Besprechung (bei der meine Hände mal wieder nähere Bekanntschaft mit dem Igelball machen mussten) ganz schnell nach Hause und im Bett verkriechen.

Die Klausur war im Gesamtergebnis übrigens durchaus gut, soweit kann ich über die Note nicht meckern, aber es fühlt sich eben immer noch falsch an… und so wie es mir nach der Klausur ging, das war nicht mehr schön.
Nur wegen solcher Kinkerlitzchen.

Aber ich werde wohl damit leben müssen, dass mich oft Kleinigkeiten aus der Bahn werfen – ich kenne es ja eigentlich auch schon

Der Supermarkt um die Ecke hat seit „meine“ Milch nicht mehr im Sortiment.
Ich stelle mich an der Kasse mit der kürzeren Schlange an und es heißt „loses Obst kann ich hier nicht abkassieren“.

Kleinigkeiten.
Es ist ja nun nicht so, als ob es überhaupt keine Milch mehr gäbe.
Die Kassiererin hat es mir direkt beim Anstellen gesagt und ich habe an der anderen Kasse höchstens 2 Minuten mehr gewartet.

Und trotzdem hat es ausgereicht, um mich „aus dem Takt“ zu bringen.

Ich bin mal gespannt, wie ich im nächsten Semester in meinem Hiwi-Job klarkomme. Da wird nämlich nach einem Professorenwechsel auch alles anders… und nachdem ich bisher sehr selbstständig gearbeitet habe, werde ich in Zukunft sehr viel mehr „weisungsgebunden“ sein. Der neuen Dozentin missfällt scheinbar etwas, wie es bisher gelaufen ist, und sie hält offenbar die Art, wie ich den Job bisher gemacht habe, für eher sinnlos. Allerdings habe ich da von anderen Seiten sehr positive Rückmeldungen bekommen. Von daher versuche ich mal, ihre Aussagen nicht allzu sehr an mich ran zu lassen. Und im Großen und Ganzen bin ich mir mit ihr durchaus einig, ich finde das, was sie vorhat, grundsätzlich ganz gut.
Es wird nur eben erstens eine Umstellung und zweitens finde ich es keinen so tollen Anfang, wenn sie mir mehr oder weniger direkt zu verstehen gibt, dass sie meine bisherige Arbeit nicht sonderlich sinnvoll findet…

Zu den ganzen „Kleinigkeiten“ gehören dann natürlich auch noch ein bisschen Papierkrieg, hier und da was klären und vor allem für die nächsten Prüfungen lernen. Die nächste ist mündlich, ich habe bislang keine Ahnung vom Fach und auch keine Ahnung, wie ich bis dahin alles verstehen und lernen soll, wenn meine Nächte weiterhin so schlecht bleiben wie sie aktuell sind :-/
Dabei habe ich wieder nur etwa halb so viele Prüfungen wie vorgesehen und wie die meisten anderen auch machen…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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