Erwartete Reaktion? (2)

Mal wieder eine Situation, wo ich nicht wusste, wie ich mich verhalten soll.

Ich fuhr mit dem Rad zum Orchester. Dabei habe ich zwei Möglichkeiten für den Weg, der eine ist kürzer, aber ziemlich dunkel, von daher fahre ich da im Winter abends nicht gerne. Wenn ich es eilig habe, nehme ich ihn allerdings trotzdem meistens…
Vor einiger Zeit war ich mal wieder ziemlich spät dran und wollte von daher diesen Weg fahren. Direkt an der Ecke, wo ich abbiegen musste, sah ich eine ältere Dame auf dem Fahrrad – eine Mitspielerin aus dem Orchester, die allerdings langsamer Fahrrad fährt als ich zu Fuß gehe… und ich wusste nicht, ob ich jetzt mit ihr zusammen weiterfahren sollte, auch wenn ich dann noch mehr zu spät gekommen wäre, was ich gerne vermeiden wollte… ich beschloss dann, den anderen Weg zu nehmen (und war schlussendlich trotz der längeren Strecke mehrere Minuten vor ihr da). Ich weiß nicht, ob sie mich beim Umschauen bemerkt hat (sie musste beim Abbiegen schauen, ob Autos kommen), gesagt hat sie nachher nichts und ich hätte dann wohl gesagt, dass ich im Dunkeln nicht gern da durchfahre.

Ist es unsozial, wenn ich nicht langsam mit ihr zusammen fahren möchte, wenn ich schon viel zu spät dran bin (wenn ich rechtzeitig dran gewesen wäre, hätte es mich nicht gestört)? Oder „darf“ ich da sagen, ich fahre schon mal vor? Klar, sie kann nichts dafür, dass sie nicht schneller fahren kann – ich aber auch nicht…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Erwartete Reaktion? (2)

  1. Amy schreibt:

    Ich finde solche Situationen auch so schwierig und weiß nicht, wie ich gehandelt hätte an deiner Stelle… ist bei mir zB auch schon so, wenn ich jemanden im Unigebäude sehe den ich kenne – wann sollte ich hallo sagen, wann ansprechen und plaudern, wann… wobei in deiner Situation vermutlich mein Bedürfnis nach Pünktlichkeit überwogen hätte. Gibt es für solche Momente überhaupt einen objektiven Maßstab? Würde das ganze ja einfacher machen, aber ich vermute, dass jeder da nach Gefühl entscheidet…

    • gedankenkarrussel schreibt:

      In der Uni oder so sag ich eher „hallo“ und versuche dann zu interpretieren, ob der andere wohl reden will (wenn ich Zeit hab). Find ich aber auch nicht immer einfach einzuschätzen. Und auch wenn jemand das Plaudern anfängt – ist es angemessen, nur 3 Sätze auszutauschen? Erwartet er ein längeres Gespräch? …?
      Hier war es halt jetzt so, dass wir ja dasselbe Ziel hatten und theoretisch hätten zusammen fahren können – nur waren wir halt beide spät dran und ich wollte nicht mehr als nötig zu spät kommen… wobei ich halt auch sonst nicht gerade Lust habe, doppelt so lang zu brauchen wie nötig…
      Ich denke, es gibt auf jeden Fall Situationen, wo es keinen objektiven Maßstab gibt, aber ich frage mich dann eben, ob es nicht in bestimmten (anderen) Situationen doch eine „normale Reaktion“ gibt… und vor allem ist mein Problem, dass ich ja nur sehr bedingt interpretieren kann, was mir der andere (nonverbal) mitteilt.

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