Tunnelblick und Fixiertheit

Es gibt Situationen, da bin ich ganz „typisch Frau“ multitaskingfähig. Wobei ich wohl mal beobachten sollte, wie und wie lange ich das wirklich durchhalte…

Aber es gibt auch Situationen, da sehe und denke ich nur noch ein einzelnes Ziel orientiert. Zwei Situationen aus den letzten Monaten:

1. Besuch bei einer jungen Frau aus meiner Gemeinde, die ein Zimmer in einem Privathaushalt hat. Die Küche teilt sie sich mit der Familie. Ich bin wie vereinbart durch die offene Terrassentür reingekommen, habe mich umgeschaut und die Frau samt Hausbesitzerin im Wohnzimmer angetroffen. „Hallo“ in den Raum gesagt und meine Bekannte gefragt, wo ich den Salat hintun soll, den ich mitgebracht hatte. Sie sieht mich etwas merkwürdig an, stupst mich dann und flüstert „willst du nicht X [die Hausbesitzerin] mal begrüßen?“ Öhm… ich bin mir recht sicher, dass ich wirklich ein „hallo“ in den Raum gesagt habt, aber auf die Idee, mich der Hausbesitzerin mal vorzustellen und „Pfötchen zu geben“, bin ich schlichtweg nicht gekommen. Ich wollte ja nicht zu ihr, für mich ist sie eine Fremde und ich war in Gedanken beim Essen und der Jungscharstunde, die ich mit meiner Bekannten danach planen wollte…
Im Nachhinein ist mir schon klar, dass es sich wohl gehört hätte, dass ich mich vorstelle, aber in dem Augenblick habe ich an sowas überhaupt nicht gedacht.

2. Konzert mit dem Orchester. Ich komme wieder mal recht knapp vor dem Einspielen, will entsprechend nur schnell zu meinem Platz. Auf dem Weg dahin kommt mir jemand entgegen und sagt „Hallo Gedankenkarrussel“, ich mechanisch als Antwort „hallo“ – ohne zu registrieren, wer das ist, dachte noch im Hinterkopf, dass es halt irgendeiner der Mitspieler ist. Erst als ich schon vorbei war, fiel mir auf, dass es der Mann einer Mitspielerin war, den ich schon beim letzten Konzert kennengelernt hatte, und mit dem ich mich schon mal ziemlich lange unterhalten hatte… vom Gesicht her hätte ich ihn sogar problemlos erkannt (auch nicht selbstverständlich), aber ich war eben fixiert auf „bei meinem Platz schnellstmöglich ankommen“ und habe ihn daher erst recht spät erkannt (und vermutlich hauptsächlich an der Stimme).

Und solche Situationen gibt es immer mal wieder…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Tunnelblick und Fixiertheit

  1. Anita schreibt:

    Tja, multitasking ist so eine Sache. Das läuft am besten, wenn ich einen festen Plan habe, den ich abarbeiten kann. Dann schaffe ich tatsächlich 2 oder 3 Dinge „nebeneinander“ zu bearbeiten.

    ABER, wird mein Plan gestört, dann ist es vorbei. Dann erinnere ich mich noch nicht mal daran, wo ich mein Portemonaie habe. Obwohl es in der Hosentasche steckt.

    Oder wenn gewohnte Regeln durch bis zu 3 Alternativen ersetzt werden.

    Beispiel, früher brauchte man zum Auto ummelden, den Brief, den Schein, die Doppelkarte und den Perso bzw. den Perso desjenigen der Halter war und eine Vollmacht.

    Heute ist es vieeel einfacher geworden *Ironie off*

    Brief nur bei Halterwechsel oder Umzug in einen anderen Kreis.
    Schein immer.
    EVB-Nummer kann auf hunderterlei Arten vorgelegt werden. SOGAR als Handnotiz auf einem Schmierzettel.
    Vollmacht dafür nur noch auf festgelegtem Formular (außer bei Generalvollmacht)
    Bankvollmacht falls nicht selber der Halter oder anderes Konto
    Beide Perso’s

    Früher konnte ich meine Papiere sortiert packen und war relativ schnell durch.
    Heute, ich musste 2mal dahin, war wirr, vergaß wo ich mein Portemonaie hatte und wirkte garantiert daneben. Hatte beim erstenmal nur einen Teil der notwendigen Papiere.

    Eigentlich liest es sich „einfacher“, aber mir bietet es zuviele Alternativen. Das Chaos ist vorprogrammiert.

    Für heute bin ich bereits bedient!

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Oh ja, Änderungen sind immer schwierig… im Oktober hatte ich mal wasa erzählt, da wollten meine Eltern mir Arbeit abnehmen – und weil es meinen Plan durcheinander gebracht hat, ging dann gar nichts mehr…

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