Bund behinderter Blogger

Vielleicht hat der ein oder andere bereits das neue Bildchen oben rechts entdeckt.

Der Bund behinderter Blogger, im folgenden kurz bbb, ist ein Verein, der der Vernetzung von Bloggern, die selbst eine Behinderung haben bzw. als Angehörige/ Freunde… eines Menschen mit Behinderung bloggen, dient – wobei es in den Blogs nicht unbedingt vordergründig um die Behinderung gehen muss.

Ich habe selber gerade in den ersten Monaten nach dem Klinikaufenthalt sehr von dem Blog und dem Austausch profitiert. Das tue ich immer noch, aber es wird mir auch immer wichtiger, mit diesem Blog ein bisschen „aufzuklären“. Gerade über Asperger gibt es so viele Klischees und unzutreffende Medienberichte und leider auch „Fachleute“, die eben diesen anhängen. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die verstehen möchten, wie ein Aspie „tickt“, weil sie vielleicht im Freundeskreis oder der Familie jemanden mit dieser Diagnose haben. Es gibt sogar Menschen, die nicht nur verstehen, sondern sogar unterstützen wollen ;-).
Es gibt etliche Autismusblogs, die tolle Artikel schreiben und noch wesentlich mehr auf Gesellschaft, Politik… eingehen – siehe Blogroll.
Aber dennoch gilt, dass jeder Mensch und somit auch jeder Autist anders ist, eine andere Sichtweise hat, andere Dinge wichtig findet, anders empfindet, anders wahrnimmt, anders handelt. Natürlich gibt es gewisse Gemeinsamkeiten bei Aspergerautisten, nämlich die zentralen Punkte der Diagnosekriterien.
Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnen kann, verschiedenste Blogs zur selben Behinderung zu lesen.
Und damit man mich leichter findet, bin ich u.a. im bbb.
Aber ich bin auch gespannt, wie sich das entwickelt (der bbb ist noch ziemlich jung), neugierig auf andere Blogs und eine Vernetzung, die über Asperger und psychische Probleme raus geht.

Nun noch was zum Namen des bbb, denn ich könnte mir vorstellen, dass so mancher – insbesondere Autist – sich fragt, was ich denn dort will:
Ich weiß, dass manche Autisten Autismus nicht als Behinderung sehen, zumindest nicht Asperger (letztere Sichtweise setzt voraus, dass man den Begriff einer Autismus-Spektrums-Störung ablehnt und Asperger und Autismus als zwei verschiedene Dinge mit unterschiedlichen Ursachen ansieht). Darüber gibt es zum Teil erbitterte Diskussionen.
Ich selber sehe mich aber als behindert an. Ich „leide“ nicht an Autismus/ Asperger, es ist keine schlimme Krankheit, nicht lebensbedrohlich und man muss mich auch nicht bedauern, weil ich Aspie bin. Wenn ich ein Medikament nehmen könnte, was Asperger „heilt“, würde ich es vermutlich nicht nehmen – oder zumindest kann ich es mir nicht vorstellen, denn damit würden ja nicht nur die Probleme verschwinden, sondern ich wäre nicht mehr ich selbst, ich wäre dann jemand anders, weil ich ja ganz anders denken, empfinden und handeln würde. Nichtsdestotrotz bin ich anders als die meisten anderen Menschen und mir ist ziemlich egal, ob man das jetzt Normvariante, Fehlfunktion oder nächste Stufe der Evolution ansieht – die Folge ist in jedem Fall, dass ich im Alltag oft Probleme habe, von denen andere kaum was ahnen, auf die zumindest die meisten Menschen von selbst gar nicht kommen würden und die zum Teil so „schräg“ sind, dass selbst Menschen, die sich wirklich drum bemühen, es nicht wirklich verstehen können. So manche „Kleinigkeit“ im Alltag, die andere nebenher erledigen, kostet mich eine Unmenge Kraft. Da Asperger auf den ersten Blick nicht sichtbar ist – anders als z.B. eine Gehbehinderung -, kommt es leicht zu Missverständnissen und Missdeutungen sowohl meines Verhaltens durch andere als auch umgekehrt.
Verstärkt werden die Probleme in meinem Fall noch durch Schlafstörungen und Dauermüdigkeit, was theoretisch eine Folge von Asperger sein könnte, aber praktisch so stark ausgeprägt ist, dass es wohl schon wieder untypisch ist. Und je müder ich bin, umso weniger Kraft habe ich zu kompensieren, um möglichst unauffällig zu sein.
Zu den Folgen der Asperger-bedingten Probleme, die ich in meiner Schulzeit hatte (zu der Zeit wusste ich noch nicht mal, dass es sowas wie Asperger gibt), gehört eine Soziale Phobie oder zumindest stark sozialphobische Züge. Ob ich die Diagnose offiziell noch habe oder ob sie durch Asperger „abgelöst“ wurde, weiß ich nicht so genau… aber mein Psychiater meinte noch vor kurzem, dass manche Probleme in dieser Ausprägung eher typisch für eine Soziale Phobie als für Asperger wären…
Vermutlich hauptsächlich durch die wie auch immer bedingte Müdigkeit ausgelöst hatte ich einige Jahre eine zunehmende depressive Symptomatik, die mich eigentlich wesentlich mehr belastet hat als Asperger. Da die Müdigkeit aktuell halbwegs im Griff ist, nutzen die Asperger-bedingten Probleme diese wunderbare Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen…

Laut unserem Sozialgesetzbuch ist Behinderung wie übrigens folgt definiert:
„Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.“
Und das trifft zu, auch wenn ich es manchmal nicht ganz einfach finde zu akzeptieren, dass ich behindert bin. Andererseits gibt es genug Erlebnisse, die mir bestätigen, dass es so ist…
Es ist für mich einfach eine Feststellung von Fakten, die wertungsfrei ist. Dass es Leute gibt, die meinen, dass „behindert“, „Spast“ oder „autistisch“ Schimpfwörter wären (bei letzterem sogar Politiker), steht auf einem anderen Blatt :evil:. Aber daran würde auch eine andere Bezeichnung nichts ändern können.
Ich habe auch kein Problem damit zu sagen, dass ich behindert oder Autistin bin – für mich ist es reine Wortklauberei, wenn man „politisch korrekt“ von „Menschen mit Behinderung/ Autismus…“ sprechen muss. Ich fühle mich nicht auf Autismus reduziert, wenn ich sage, dass ich Aspie bin… wenn ich es bei einer Gelegenheit sage, hat es eine gewisse Relevanz für die Aussage, sonst würde ich es ja gar nicht erwähnen. Aber ich fühle mich ja auch nicht auf mein Geschlecht reduziert, wenn man mich als Frau bezeichnet. Eigentlich müsste man dann ja auch von „Menschen mit weiblichem/ männlichen Geschlecht“ reden, oder …? 😉

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Bund behinderter Blogger

  1. Sally schreibt:

    Herzlich Willkommen im BBB! 🙂

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