2012

Es war für mich glaub ich das Jahr in meinem bisherigen,wo die meisten „Weichen gestellt“ wurden – auch wenn es natürlich auch früher schon verschiedene Ereignisse gab und gerade in den Jahren davor auf die Erlebnisse des Jahres 2012 „hingearbeitet“ wurde.

Vor fast einem Jahr ging ich in die Klinik. Ich kann jetzt im Nachhinein gar nicht mehr begreifen, weshalb ich mich da anfänglich so gesträubt habe. Klar, es war für mich wie ein „Sinken“ und es war neu und fremd und unsicher, weil ich nicht wusste, was mich dort erwartet. Aber was daran so schlimm war, dass ich wirklich gar nichts davon wissen wollte und totale Panik bekam, weiß ich echt nicht mehr :lol:. Wie in manchem anderen Artikel schon erwähnt, sehne ich mich manchmal sogar in die Klinik zurück, in die Sicherheit, wo keiner etwas von mir verlangt hat (außer dass ich mich auf die Therapien einlasse – aber eben keine Leistungen wie an der Uni oder im Beruf oder auch nur im Haushalt), wo alle Menschen irgendwie was hatten und immer jemand ansprechbar war (egal ob Mitpatienten oder Therapeuten).
Dort wurde ein Medikament gefunden, das mich nachts schlafen ließ.
Und dort kam die wegweisende Diagnose „Soziale Phobie“ mit der Anmerkung, dass man es gegen eine „Entwicklungsstörung“ abgrenzen müsse, die aber dort nicht getestet werden könne, da es ein sehr umfangreiches Diagnostikverfahren sei.
Zum ersten Mal dachte ich nicht mehr „ich spinne doch/ stelle mich nur an“, auch wenn ich mit der Diagnose SP nur bedingt eine Erklärung für die Ursachen hatte. Die Frage, weshalb ich schon vor der Teenagerzeit mit Gleichaltrigen nicht gut klar kam, blieb offen, die SP begann erst in der Mittelstufe aufgrund meiner negativen Erfahrungen.

Die Entscheidung für den Master fiel dann in der nächsten Zeit, in der ich das unglaubliche Glück hatte, von Frau T. begleitet zu werden. Sie ist einfach eine super Therapeutin, sie nahm mich ernst und sie sprach den Aspergerverdacht als erste direkt aus und riet mir zur Testung.
Mit dem „ja“ zum Master war auch klar, dass ich umziehen würde, wenn auch zu Anfang noch nicht, wohin, da mehrere Städte in Frage kamen.
Ich war weiterhin dauermüde, auch wenn ich nachts meist schlief. Mit Dr. J. gab es die eine oder andere Auseinandersetzung, dass ich ja nur nicht wahrhaben wolle, dass die Müdigkeit psychisch bedingt sei… auch wenn sie sich bis dahin von Therapie, Klinik, Therapie und 5 verschiedenen Antidepressiva unbeeindruckt gezeigt hatte… schlussendlich durfte ich immerhin ins Schlaflabor, den Termin hatte ich aber erst im Spätsommer. In der Zwischenzeit wurden noch mal ein paar organische Sachen abgeklärt, wo es zwar Auffälligkeiten gab, die Behandlungsversuche aber keine messbaren Erfolge hatten. In diesen Monaten war es meine „Spezialität“, einen Arzt nach dem anderen ratlos zurückzulassen :roll:.
Ich war zunehmend hoffnungslos und verzweifelt, weil nichts was brachte und ich mir nicht vorstellen konnte, so mein restliches Leben (Leben?) zu verbringen…

Doch die Termine, auf die ich wartete, waren ein „voller Erfolg“.
Im Schlaflabor wurde ich unheimlich ernst genommen, der Arzt war auch der Meinung, dass die Müdigkeit eher nicht psychisch ist und schlug Modafinil vor – was ich allerdings erst im Oktober anfangen konnte zu nehmen, weil wir zuvor das Antidepressivum absetzen wollten und ein EKG geschrieben werden musste. Als ich es dann nahm, war binnen weniger Tage alles anders – auch wenn ich noch müde bin (wie eigentlich schon immer), bin ich nicht mehr so handlungsunfähig, ich kann wieder halbwegs normal leben. Mit der Müdigkeit hat sich auch die Depression weitestgehend verabschiedet… die ja bisher eher als ursächlich für die Müdigkeit angesehen wurde… klarer Fall von „Ursache und Wirkung verwechselt“, aber davon wollte ja keiner was wissen, obwohl sich mir dieser Verdacht auch zunehmend aufdrängte.

Und dann war im September die Aspergerdiagnostik. Mittlerweile bin ich da sehr ruhig, es fühlt sich irgendwie „richtig“ an. Ich weiß jetzt, warum alles so war, wie es war. Ich weiß, warum ich bin, wie ich bin.
Ich weiß nicht genau, wie es weiter gehen wird, aber ich kann jetzt besser einschätzen als früher, was für mich machbar ist und was nicht.

Dann kam der Umzug von Unialt-Stadt nach Unineu-Stadt und der Beginn an der neuen Uni. Alles herausfordernd, ich habe wenig Kontakt zu Mitstudenten, ein bisschen Kontakt zu Leuten aus der Gemeinde, aber es pendelt sich allmählich ein, das Studium macht Spaß und erscheint mir in leicht abgespeckter Version machbar (wodurch ich es halt vermutlich nicht in 4 Semestern schaffen werde, aber so wie es mir noch vor ein paar Monaten ging, bin ich mit dem Status quo sehr zufrieden).
Ich merke aber auch, dass schon Kleinigkeiten, die über den normalen Alltag rausgehen, schwierig werden. Von daher kann ich nur hoffen, dass ich die für mich sehr stressige Klausurenzeit packen werde…

Alles in allem betrachte ich das Jahr 2012 aber durchaus als positiv 🙂

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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Eine Antwort zu 2012

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