Melancholische Phasen

Ich weiß, dass „Depriphasen“ ein Stück weit normal sind, dass jeder mal denkt, dass doch alles sinnlos ist oder etwas melancholisch ist.
Solche Augenblicke oder auch mal Stunden kenne ich natürlich schon immer.
Aber momentan kann ich damit nur sehr schlecht umgehen. Zu der an sich ja schon nicht so tollen Situation kommt nämlich immer noch die Angst, dass das der Beginn einer längeren Phase werden könnte, so wie ich sie halt in den letzten Jahren immer wieder oder besser gesagt eigentlich dauerhaft hatte :-(.
Die zweite Dezemberhälfte ist was das betrifft schon immer die schwierigste Zeit. Dunkelheit, Kerzen (warum ich die nicht wirklich mag, kann ich gar nicht so genau sagen – vielleicht einfach, weil sie eben mit der dunklen Jahreszeit verbunden sind), Weihnachtsmusik und „Friede Freude Hundekuchen“-Stimmung. Das ruhige, „besinnliche“ Weihnachtsfest (der Stress davor kommt mir von daher beinahe entgegen) und dann das Jahresende. Ein Jahr ging zu Ende, und es war teilweise doof, hatte aber immer auch schöne Augenblicke, die aber zum Teil wohl nie wieder kommen werden. Aktuell sind es mal wieder die Erinnerungen an den Klinikaufenthalt :roll:. Er war für mich einfach so positiv – und ich weiß, genau dasselbe wird nie wieder kommen. Erstens hoffe ich natürlich, dass es mir nicht noch mal so schlecht geht, und zweitens wären es, selbst wenn ich noch mal dort wäre, ja nicht dieselben Leute. Mindestens die Mitpatienten wären andere und sicher zum Teil auch die Mitarbeiter. Aber auch Erinnerungen an andere Dinge wie Freizeiten oder auch bestimmte Orte wie manche Freizeithäuser oder Heimat-Stadt, Italien-Stadt, Urlaubsorte… kommen dann hoch. Dieses Jahr 2012 dürfte definitiv das „interessanteste“ in meinem bisherigen Leben gewesen sein, das so viele Wendungen gebracht hat (eigentlich ja zum Guten).
In solchen Phasen halte ich dann auch vieles an Musik nicht aus, alles, was mich „nachdenklich“ macht oder von der Musik her eher ruhig oder Moll ist, geht gar nicht. Eigentlich geht dann nur ganz fröhliche, lebhafte Musik.
Zu den teilweise melancholischen Erinnerungen kommt natürlich auch immer mal mehr, mal weniger Zukunftsangst. In den letzten 2-3 Jahren dürfte am schlimmsten gewesen, gerade vor 2 Jahren bin ich am Sylvesterabend total in Panik geraten. Aber da war wenigstens Lana dabei, die mich aufgefangen hat. Letztes Jahr nicht, aber da war es auch nicht so extrem, da hatte ich wenigstens meinen Studienabschluss endlich geschafft. Dafür stand der Klinikaufenthalt direkt bevor, vor dem ich Angst hatte, aber dennoch war es nicht so schlimm, wie im Jahr davor.
Und ich hoffe, dass es dieses Jahr dennoch erträglich wird, da die Zukunftsaussichten ja vergleichsweise positiv sind.
Ich habe einen Studiengang, der mich wirklich interessiert, und allmählich komme ich auch halbwegs zurecht. Dennoch denke ich mit Bauchschmerzen an die Prüfungszeit, da die letzten 2, 3 Wochen mir gezeigt haben, dass jede Kleinigkeit, die über den normalen Alltag rausgeht, zu viel ist. Ich werde einiges lernen und mir dabei manches selbst erarbeiten müssen und habe Angst, dass ich das nicht schaffe, gerade weil ich kaum jemanden habe, den ich fragen kann. Gut, im einen Fach habe ich Fiona, und die anderen scheinen machbar zu sein… aber trotzdem…

Aktuell habe ich ja keine Psychotherapie und wollte es auch nicht, weil ich nicht wüsste, was mir das bringen soll. Andererseits merke ich in solchen Phasen wie jetzt doch, dass es gut wäre, einen Ansprechpartner zu haben. Vielleicht gar nicht im Sinne einer Therapie, aber um Unterstützung zu haben und jemanden, der mir hilft, meine Gedanken zu sortieren, und der mir Mut macht. Ich glaube, mir würde ein guter Seelsorger aktuell reichen, ich brauche gerade eher jemanden zum drüber reden und gemeinsam überlegen als wirklich um konkrete Therapieziele zu bearbeiten. So jemanden wie Sara, aber jemanden anzusprechen erscheint mir völlig unmöglich. Bei Sara habe ich auch lange gebraucht und es dann nur dadurch geschafft, dass wir beide mal nach dem Mittagessen in der Gemeinde zusammen abgespült haben, da habe ich dann mal vorsichtig erzählt, dass es mir nicht gut geht… und weil Sara ein kluger Mensch ist, hat sie mir dann von sich aus vorgeschlagen, dass wir mal in Ruhe reden…

Heute habe ich auf dem Weg nach Heimat-Stadt noch einen Abstecher nach Unialt-Stadt gemacht und mich mit Andrea getroffen. Solange ich in Unineu-Stadt war, habe ich die Leute kaum vermisst – Kontakt bestand mit einigen wenigen über eine Mail alle paar Wochen, etwas über Facebook und Andrea und ein Freund haben mich ein oder zweimal angerufen. Ich habe schon das Gefühl, dass ich in Unineu-Stadt „angekommen“ bin. Aber dennoch war es sehr, sehr schön, Andrea heute wiederzusehen, auch wenn es nur für eine Stunde war :-).
Im Gegensatz zur Zeit in Italien habe ich also eigentlich kaum Heimweh – und dass ich das in Italienstadt so extrem hatte, lag sicher in erster Linie daran, dass ich dort sehr einsam war und Probleme an der Praktikumsstelle hatte. Ich war damals über Weihnachten daheim und zum Abschluss eine Nacht bei Birthe und war sooo verzweifelt, wollte da gar nicht mehr hin… bin natürlich trotzdem zurückgefahren und ganz am Ende wurde es allmählich tatsächlich besser, auch wenn ich sehr glücklich war, zurück in Unialt-Stadt zu sein.

Ein neues Jahr mag ja spannend sein, aber insgesamt finde ich es eher etwas beängstigend und unberechenbar…
Und jetzt bin ich gespannt, wie die Woche bei meinen Eltern wird… manchmal empfinde ich sie ja doch als ziemlich stressig, auch wenn ich an sich gut mit ihnen auskomme…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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