Positive Erfahrung

Ich bin in meiner Gemeinde in einem Hauskreis, d.h. in einer Kleingruppe, die sich regelmäßig trifft, gemeinsam in der Bibel liest, singt, betet und einfach Zeit zum Reden hat.

Ob ich dort von Asperger erzähle oder nicht, hatte ich mir erst mal offen gelassen, aber letzte Woche passte es für mich irgendwie, dass ich es erzählt habe. Die anderen saßen dann erst mal mit großen Augen da und sagten gar nichts mehr, was mich ziemlich verunsichert hat, weil ich die Reaktion nicht einschätzen konnte. Also hab ich irgendwie weitergeredet und Beispiele gebracht und vermutlich bin ich auch ein bisschen ins „Rechtfertigen“ abgedriftet – nach meiner Logik hieß die erste Reaktion bei den anderen wohl „das hätten die bestimmt nicht gedacht, denn in der Gemeinde wirke ich ja auf den ersten Blick recht normal“…
Aber irgendwann kamen dann doch aus Worte von den anderen ;-).
Kezia erzählte, sie hätte eine Freundin, die auch Aspie sei – auch eher leicht betroffen so wie ich.
Alle meinten, dass das ganz mutig von mir gewesen sei.
Ramona, eine andere Studentin, meinte, dass sie Veranstaltung Y mal gehabt hätte (ich hatte erwähnt, dass mir dort ein paar Grundlagen fehlen, ich aber eben wegen Asperger keine Kommilitonen ansprechen und um Hilfe bitten kann) und dass sie beim nächsten Termin mal kommt und mir auch ihre Unterlagen mitbringt. Das hat sie auch getan und mir noch dazu den Tip gegeben, dass Fiona aus unserer Gemeinde bei Prof. Y. Postdoc ist und ihr damals beim Lernen geholfen hätte. Ramona hat wohl das meiste in guter Studentenmanier wieder vergessen *g*, aber Fiona habe ich sogar schon kennengelernt und werde sie dann vielleicht wirklich mal fragen. Und als Ramona mir die Unterlagen gegeben hat, bekam ich noch eine Karte von ihr, dass sie immer für mich da wäre und ich mich melden kann, auch wenn ich „einfach so“ jemanden zum Reden brauche. Wobei sie schon selber in der Karte schrieb, dass ihr klar ist, dass ich vermutlich eher nicht „einfach anrufe“, aber sie wollte, dass ich weiß, dass ich das ggf. kann. Ich interpretiere das jetzt mal ganz frei so, dass ich auch eine Mail schreiben darf 🙂
Unverabredet anrufen würde ich weiterhin höchstens Anke, und auch das wohl erst, wenn die Welt kurz vorm Untergang steht…

Aber es tat gut, dass die anderen Bescheid wissen – und das von keinem ein „eeecht? kann doch nicht sein, weil …“ kam. Vor allem können sie jetzt auch besser einschätzen, wenn ich vielleicht mal „komisch“ bin, sie nicht anschaue beim Reden, ihre „Zeichen“ missverstehe oder Sonntag nach dem Gottesdienst etwas an ihnen „klebe“.

Mal sehen, wie sich das alles so entwickelt. Aktuell bin ich aber weiterhin gerade ziemlich zufrieden mit meinem Leben.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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10 Antworten zu Positive Erfahrung

  1. Amy schreibt:

    Das klingt richtig schön 🙂 Ich freue mich sehr für dich, dass deine Erlebnisse in der Gemeinde so positiv sind 🙂 Dass du vielleicht auch dort noch Hilfe beim Lernen findest, ist ja ganz toll! Wow, super Zufall! Und echt mutig von dir, dass du es einfach so in der Runde erzählt hast. Respekt!

  2. schizoiert schreibt:

    Ich finde es auch sehr mutig, dass du es denen gesagt hast.
    Alles Liebe,

  3. absolutnormal schreibt:

    Das klingt wirklich richtig schön. Tut gut wenn man gleich so belohnt wird wenn man einen Schritt wagt vor dem man Bedenken hatte.

  4. Meike schreibt:

    Hi! Also, ich finds auch total mutig von dir, dass du es in der Runde erzählt hast. Ich tu mich immer sehr, sehr schwer damit, zu sagen, dass ich’s habe. Weil ich auch immer gar nicht recht weiß wie. Weil, wenn dann will man es den anderen ja auch möglichst so erklären, dass sie es einigermaßen nachvollziehen können – gar nicht so einfach, finde ich.
    Liebe Grüße!

  5. Pingback: Ich bin Aspie, Christ und weder Massenmörder noch vom Teufel besessen | Gedankenkarrussel

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