Es geht auch anders

Am Wochenende habe ich bei einer Feier von gemeinsamen Bekannten zum ersten Mal in diesem Jahr Lana gesehen. Sie wusste, dass ich in der Klinik war (sie war eine der „Hauptbeteiligten“, dass ich mich auf diesen Aufenthalt eingelassen hatte ;-)), aber nichts von der Diagnose Soziale Phobie und auch nichts von der Aspergerdiagnose.
Schon bei der Begrüßung meinte sie, dass wir unbedingt mal schauen müssen, dass wir im Laufe des Tages ein bisschen miteinander reden.
Irgendwie hat es aber nie geklappt, immer wenn ich geschaut habe, war sie im Gespräch.
Irgendwann musste ich dann allmählich aufbrechen und bin zu ihr hingegangen, um mich wenigstens zu verabschieden, auch wenn sie sich gerade mit jemandem unterhielt.
Und Lana ließ einfach ihre Gesprächspartner stehen, um noch ein paar Minuten mit mir reden zu können. (Hirn an Gedankenkarrussel: Schau mal, du scheinst ihr irgendwie ganz schön wichtig zu sein!)
Also habe ich erzählt, was so die letzten Monate los war.
Asperger sagte ihr offenbar nichts, obwohl sie Sozialpädagogin ist – ich hätte gedacht, dass es da im Studium zumindest mal am Rande erwähnt wird…
Also habe ich es kurz erklärt.
Sie fragte dann, was mir die Diagnose jetzt bringt.
Hab ich auch kurz erzählt (so ähnlich wie hier) und bei den Aussagen, dass ich dadurch nicht mehr dauernd denke „stell dich nicht so an, du hast kein Recht, dass es dir schlecht geht, andere haben schließlich viel Schlimmeres erlebt“ und „ich weiß jetzt, dass ich es nicht ‚überwinden‘ muss, während ich bei der Diagnose Sozialer Phobie diesen Anspruch hatte“ machte sie ihr übliches „Mädel, mach dich doch nicht immer selber fertig, sei barmherzig mit dir selbst“-Gesicht – dieser Gesichtsausdruck ist so eindeutig, dass sogar ich den kapiere :lol:. Da kennt mich einfach jemand ganz schön gut…
Und über die Reaktion meiner Eltern mit dem gelegentlichen Unverständnis war sie traurig und hat den Kopf geschüttelt, als ich ihr vom Horrorumzug erzählt habe. Das tat mir irgendwie gut, denn es hat mich darin bestätigt, dass ich von meinen Eltern nicht übertrieben viel verlange, sondern einfach nur etwas Verständnis und Rücksichtnahme…

Und was mich auch gefreut hat: Birthe wäre eigentlich auch bei dieser Feier gewesen, das wusste ich auch, weil sie es mir geschrieben hatte. Sie war dann nicht da und ich hab schon überlegt, ob sie womöglich krank ist.
Am Tag nach der Feier hatte ich eine Mail von ihr, wo sie erzählte, dass sie einen Magen-Darm-Infekt erwischt hat und deshalb leider nicht kommen konnte; verbunden mit der Frage „wie geht es dir am neuen Wohnort?“
Noch jemand, dem ich offenbar nicht ganz egal bin…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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13 Antworten zu Es geht auch anders

  1. dieandereperspektive schreibt:

    Am Anfang ist der Tunnel und am Ende das Licht. Gratuliere!
    Bemerkenswert ist wieder einmal, dass man den Sozialpädagogen den „Asperger“ vorenthält, also immer wieder mit der Ausgrenzung und Ignoranz konfrontiert wird. Diskriminierung im Sinne von nicht vorhanden erklären, und dabei ist doch das genau das Problem.
    Dabei würde es doch schon viel wert sein, wenn bei jedem Menschen ins Bewustsein gerückt werden würde, dass nicht alle Menschen sich jetzt so verhalten, wie er es gerade annimmt, sondern einfach mal genauer hinschauen, bevor sie urteilen. Gerade daran sieht man aber auch, wie wichtig es ist, dass Autisten in Schulen und Kindergärten integriert werden müssen.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Tja…
      Was mich ja auch erstaunt hat: Ich habe Birthe dann geantwortet und von der Diagnose erzählt und sie schrieb dann, dass sie gerade ein Buch über eine Asperger-Autistin liest 😯 :lol:. Die sei zwar ganz anders als ich, aber sie sage das jetzt nicht, um mich zu vergleichen, sondern einfach als Feststellung – sie habe das Buch hilfreich gefunden, „um unser Denken von normal und unser schnelles Beurteilen in Frage zu stellen“.
      Sie hat nichts aus dem Bereich studiert, hat aber schon mit vielen Menschen Kontakt – wenn doch nur mehr Leute so denken würden wie sie…

      • dieandereperspektive schreibt:

        In der Regel ist es eher so, dass man das als Belästigung auffasst. Selbst in meiner unmittelbaren Umgebung hat sich noch niemand damit auseinandergesetzt.

  2. Amy schreibt:

    Solche Erfahrungen mache ich auch gerade – es ist schön, wenn man merkt, dass es Menschen gibt, denen man wichtig ist 🙂
    Dass in Studiengängen, die auf soziale Berufe hinführen, nicht auch über Asperger informiert wird, finde ich auch schade. Andererseits ist die Störung ja auch „erst“ seit 20, 30 Jahren im internationalen Wissenschaftsraum Thema und die Mühlen in der Uni mahlen nun mal langsam. Ich habe die Hoffnung, dass sich das noch ändern wird!
    Wie läuft es denn bei dir mit dem Studium gerade, kommst du in der neuen Stadt zurecht? Hoffe, dass es dir gut geht 🙂

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Nanu…? Warum musste ich den denn moderieren?

      Studium hat ja gerade jetzt erst angefangen. Ich hoffe und denke, dass es geht, dass ich zumindest die Pflichtveranstaltungen belege. Hier kann man zum Glück selbst entscheiden, ob man eine Klausur zum Haupt- oder Nachtermin schreibt und teilweise muss man sich noch nicht mal vorher anmelden 😯 😀 Sprich, man muss sich nicht schon Monate vorher festlegen, wie viele Prüfungen man auf einmal packt.
      Die Leute scheinen ganz nett zu sein, aber ich bezweifle irgendwie, dass ich an der Uni wirklich Kontakt bekomme… es gibt keine Veranstaltung, wo nicht wir die Minderheit in einer Menge von Leuten aus verschiedenen Studiengängen sind, schön in Kleingrüppchen im ganzen Raum verteilt… ich erkenn die meisten anderen aus meinem Semester zum Großteil nicht mal :roll:. An sich toll aber für mich schwierig ist die Tatsache, dass hier viel in 2-er/3-er-Grüppchen gearbeitet werden darf/“sollte“. Ich find es eigentlich auch besser, mit jemand zusammenzuarbeiten, weil ich dann nicht so auf mich allein gestellt bin, wenn ich eine Aufgabe nicht verstehe, scheitere aber natürlich daran, jemanden zu finden… in einer Veranstaltung habe ich dann direkt einen „Zwangspartner“ bekommen und hoffe, dass wir das irgendwie schaffen (scheint ganz nett zu sein).
      Bist du schon voran gekommen bzgl. Beurlaubung?

      • Amy schreibt:

        Kontakte finden stelle ich mir unter den Umständen auch schwierig vor 😦 Dass du die Leute nicht wieder erkennst, kann ich gut nachvollziehen, geht mir teilweise auch so in Unikursen. Eine Gruppe finden fällt mir auch immer schwer, selbst dann, wenn ich viele Leute aus dem Kurs kenne. Ist halt alles nicht so einfach, wenn man eher unbeholfen ist, was den Kontakt zu anderen angeht.
        Gibt es vielleicht irgendeine Hochschulgruppe, die dir Spaß machen würde? So ganz alleine in einer fremden Stadt ist ja auch nicht so toll…

        Das Moderieren lag an der geänderten Mailadresse 😉 Ich habe das ganze WordPresszeug auf eine eigene Adresse ausgelagert. In Bezug auf die Berulaubung habe ich mich zumindest mal informiert wie ich vorgehen muss. Sonst… ähm. Hüstel. Äh. Ich glaube, ich bringe erst mal die nächsten beiden Arzttermine hinter mich und stelle mich dann der nächsten Herausforderung.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Ich hatte auch überlegt, ob es an der anderen Mailadresse liegt (hatte zuerst geschaut, ob du vielleicht aus Versehen nicht eingeloggt warst) – hatte aber irgendwie gedacht, dass es nur vom Account abhängt, wenn man registriert ist. Auch wenn ich die Mailadresse ändere, bin ich ja immer noch derselbe User. Aber kann natürlich sein, dass WP da etwas verwirrt war^^

        Ich bin in einer Hochschulgruppe, aber da studiert halt keiner dasselbe wie ich und ist wohl auch in keiner meiner Veranstaltungen. Mal davon abgesehen, dass die Leute dort ja dennoch schon ihr Umfeld haben – und die Neuen sind quasi alles Erstsemester. Nichts gegen Erstis, aber es ist schon ein bisschen eine andere Welt 😉 Die sind einfach etliche Jahre jünger, Uni und Studium ist ganz neu und ungewohnt und aufregend… während ich natürlich auch die Uni und die hier geltenden Regeln kennenlernen muss, aber das geht ja viel schneller, wenn man schon einige Jährchen studiert hat…
        Ansonsten will ich ja schon seit ich hergezogen bin, mal in einer Gemeinde vorbeischauen, aber ich hab mich bislang weder getraut, „einfach so“ allein da hin zu gehen noch jemand aus der Hochschulgruppe zu fragen, ob ich mit ihm mit kann. Hab ich mir aber für diese Woche vorgenommen, vielleicht kann ich mich ja mit irgendjemandem auf dem Weg dorthin treffen. Der Gedanke an das Reinkommen ist eigentlich das schwierigste, wahrscheinlich könnt ich eher in einen Domgottesdienst mit 1000 Besuchern gehen :roll:. In den Freikirchen ist es meist so, dass man an der Tür freundlich begrüßt wird, die Leute einen fragen, wo man herkommt etc – also eigentlich total nett, aber für mich schon eine extreme Herausforderung 😦 Und erst recht dann nach dem Gottesdienst, wo man meist noch mit einer Tasse Kaffee o.ä. zusammen steht und redet. Mein erster Impuls ist „unauffällig verschwinden“, obwohl ich das eigenlich ja gar nicht will. Aber ich habe totale Panik, entweder allein dazustehen oder angesprochen zu werden und ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Wenn ich Leute kenne, aber nicht extrem gut, dann trau ich mich auch kaum von mir aus, mich bei ihnen dazuzustellen. Da kann ich nur hoffen, dass sie mich gleich von sich aus mitziehen…
        Aber wenn ich das nicht endlich mache, hab ich hier in 5 Jahren noch nicht wirklich Kontakte 😕

        Beurlaubung ist doch vermutlich gar nicht so aufwendig, oder? Formular ausfüllen, Attest dazu und abgeben… die Arzttermine sind aber deine Horrortermine, oder?

      • Amy schreibt:

        Ja, die Termine sind Vorgespräch und Spiegelung, genau. In genau einer Woche habe ich es hinter mir… Meine Uni verlangt leider, dass man für die Beurlaubung einen Beratungstermin beim zentralen Studi-Service wahrnimmt *sfz* Alles mal wieder etwas komplizierter hier. Einfach kann meine Uni nicht 😉

        Ich weiß genau, was du mit Erstis meinst. Habe ja auch viele Semester lang Erstis betreut und wenn man selbst schon eine Weile studiert, ist das einfach eine andere Welt. Die „Neuen“ wollen sich in gewisser Weise erst mal austoben in der neuen Freiheit und müssen diese auch erst kennen lernen, sind halt oft noch sehr „Schüler“, während man selbst schon in der Uni angekommen ist. Das passt einfach nicht.

        Hmm… einen Stammtisch von deinem Fach gibt es dann wahrscheinlich auch nicht, oder? Kontakte im eigenen Fach zu knüpfen ist ja schon auch wichtig, ja… vielleicht klappt das ja einfach mit der Zeit, diejenigen, die mit dir angefangen haben, werden wahrscheinlich ja auch Interesse daran haben, ihre Kommilitionen kennen zu lernen.
        Mit Kirchen habe ich ehrlich gesagt so gar nichts am Hut, aber neu reinkommen ist wohl einfach in jeder festen Gruppe eine große Hürde, egal wie nett die Menschen dann sind. Man kennt die Leute nicht, kennt die üblichen Verhaltensregeln nicht, weiß nicht, wer wie drauf ist, während sich alle anderen schon kennen. Also los, trau dich und frag jemanden aus der Hochschulgruppe und schau dann einfach, wie es läuft 🙂

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Und was macht man an deiner Uni, wenn man wochenlang im Krankenhaus ist? Wobei doch eigentlich generell gelten sollte, dass krank nun mal krank ist – und ob man krank ist, kann nur ein Arzt entscheiden und nicht irgendwer in der Verwaltung. Genausowenig wie die in der Beratung Probleme lösen oder Prognosen abgeben können. Ich find ja an sich gut, wenn es das Angebot gibt, aber eine BeratungsPFLICHT finde ich zumindest bei gesundheitlichen Gründen für die Beurlaubung nicht so wirklich toll. Ich glaub, das wär mal wieder eine Situation, wo ich zum Rebellen würde und ihnen (erstmal) einfach einen Antrag schicken würde und mich dann ggf. mit ihnen streiten würde^^

        Durch die Jahre in Fachschaft und Hochschulgruppe hatte ich auch immer mit Erstis zu tun, besonders in der Hochschulgruppe. Das war auch echt nett, nur würde ich mir nicht gerade meinen Freundeskreis aus Erstis aufbauen wollen 😉 Zumal die ja auch immer jünger werden durch die ganzen Reformen…

        Stammtisch zu meinem Studiengang? Nö. Der hat noch nicht mal eine eigene Fachschaft… offiziell gibt es wohl eine Fachschaft, die für mehrere kleine Studiengänge zuständig ist, praktisch ist da aber wohl keiner oder nur einer aus meinem Studiengang.
        Und mit mir neu angefangen haben nur 4 andere, der Rest war schon vorher hier. Von den 4 anderen Auswärtigen haben 2 bereits den BA zusammen gemacht… und wer die anderen beiden sind, hab ich noch nichtmal rausgefunden.
        Keine Ahnung, ob die andern überhaupt wissen, dass ich zu ihnen gehöre. Aber vermutlich schon, die mussten ja nur 5 Neue kennenlernen, das kann man sich wahrscheinlich eher merken als umgekehrt…

        Muss ja auch nicht jeder was mit Gott am Hut haben 😉 Ich glaub, mich gäbe es ohne meinen Glauben nicht mehr, auch wenn ich oft genug mit Gott hadere und ihn nicht verstehe… aber ich fürchte, sonst hätte ich mein Leben schon endgültig für so sinnlos und hoffnungslos gehalten, dass ich Schluss gemacht hätte. Gut, vielleicht auch nicht, weil ich zu feige bin und es auch meinen Eltern nicht antun will, aber ich weiß nicht, ob mich das allein zurückgehalten hätte. Ich war auch in einer explizit christlich arbeitenden Klinik, und das war für mich genau das richtige.
        Wahrscheinlich weiß ich sogar in etwa, wie es in der Gemeinde abläuft, weil das überall ähnlich ist^^ Aber mal sehen, ich denk mal, dass ich diese Woche in der HSG mal fragen werde.

  3. kimy schreibt:

    wundert mich auch sehr, dass eine sozialpädagogin nichts mit asperger anfangen kann. ich studiere gymnasiallehramt und habe dazu sogar ein seminar besucht… wichtig ist, dass du verständnis von deiner umgebung und vor allem von seiten diener eltern erfährst. denn man kann nicht imm nur an sich abreiten. von der anderen seite muss auch was kommen. das istenorm wichtig. ich wünsche dir ganz viele kraft für deine neue wohnung und deinen start =)

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Danke!
      Ich war auch echt erstaunt, zumal ihr Studium keine 10 Jahre her ist.
      An der Uni hab ich aber bei den Lehrämtlern nichts davon mitbekommen, dass die sowas lernen würden oder gar Veranstaltungen dazu angeboten würden… aber gut, kann sich geändert haben, ich hatte hauptsächlich zu den Leuten aus meinem Semester Kontakt und die hatten noch eine sehr fachorientierte Prüfungsordnung (mittlerweile geändert).

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