Unverständnis

Leider 😦
Ich habe versucht, ihm am Beispiel einer konkreten Situation zu erklären, warum sie für mich so schwierig war. Wenn es heißt „ach, du musst heute nicht [wie eigentlich geplant] kochen, Mama macht es doch“, dann spart mir das zwar Arbeit, bringt mich aber durcheinander…
Das Problem war einfach, dass ich einen bestimmten Plan hatte, der durchkreuzt wurde.
Mein Vater war der Ansicht „Dann musst du eben etwas flexibler werden!“
Ich habe versucht, ihm zu erklären, dass das mit Asperger nicht so einfach ist.
„Dann pass mal auf, dass du dich da nicht so reinsteigerst – und deine Umgebung wird auch nicht immer Rücksicht darauf nehmen!“ 👿
Danke auch… „Genau, meine Umgebung wird nicht immer Rücksicht drauf nehmen und es kostet mich eine Mordskraft, dann noch zu ‚funktionieren‘. Deshalb wäre ich froh, wenn wenigstens ihr Rücksicht drauf nehmen würdet.
Von einem Rollstuhlfahrer würdest du doch auch nicht erwarten, dass er einfach aufsteht und rumläuft, oder? Bei körperlichen Behinderungen hat jeder Verständnis, aber bei psychischen ist das dann plötzlich anders.“
„Ja, da seh ich auch einen Unterschied.“
Ich nicht.
Meine Mutter kam mir dann zu Hilfe und meinte, sie sollten vielleicht erstmal das Buch lesen, was ich ihnen gegeben habe („Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom“ von Tony Attwood), momentan würden sie ja reden „wie ein Blinder von der Farbe“.
Mein Vater schien nicht wirklich überzeugt :roll:.
Er war ja auch der, der in der Vergangenheit eher von „Anstellerei“ sprach, während eine Mutter sich doch zunehmend mit meinen Problemen befasst hat, insbesondere seit ich die Diagnose Soziale Phobie hatte.
Das Buch wird wohl auch eher meine Mutter lesen, aber wie ich sie kenne, wird sie ihrem Mann die relevanten Stellen schon vorlesen oder erzählen :cool:.
Eigentlich habe ich ein gutes Verhältnis zu meinem Vater und es tut mir jetzt allmählich wirklich weh, dass immer und immer meine Probleme so abgetan werden. „Stell dich nicht so an“ habe ich mir selber so oft und so lange gesagt und versuche eigentlich, davon wegzukommen; da brauch ich es nicht, dass mir auch von außen dauernd jemand damit kommt :-(.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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9 Antworten zu Unverständnis

  1. dieandereperspektive schreibt:

    Da genau fängt Freundschaft an, in dem man sich bemüht etwas zu verstehen, was einem selbst noch fremd ist. Nahestehende, die damit ein Problem haben, haben da bei mir sehr schlechte Karten. Doch diese Entscheidung trifft jeder für sich selbst. Freundschaft bezieht sich jedoch auch auf Gegenseitigkeit. In diesem Sinne wünsche ich dir einen guten Neubeginn.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Auch wenn es die engste Familie ist?
      Ich warte jetzt mal ab und gebe meinem Vater etwas Zeit… und die nächsten Jahre bin ich eh weit weg und werde ihn von daher nur selten sehen, weil das Masterstudium in einer ganz anderen Stadt ist…

  2. Amy schreibt:

    Vielleicht hat er einfach noch nicht richtig realisiert, was die Diagnose bedeutet? Ich denke auch, dass er tendenziell damit Recht hat, dass nicht jeder Rücksicht auf diese Art von Problem nehmen wird – aber gerade in der engsten Familie sollte man schon etwas mehr Bereitschaft zur Rücksichtnahme und zum Verständnis erwarten können. Andererseits kommt der Satz „Freunde sind die Familie, die man sich aussucht“ wohl auch nicht von ungefähr, nicht jeder ist bereit, sich auf seine Mitmenschen in dem Ausmaß einzulassen, in dem es nötig ist, diese Art von Problem zu verstehen und am Ende kann man niemanden dazu zwingen. Es ist nichts sichtbares, man ist lange irgendwie zurecht gekommen – und soll auf ein mal eine solche Störung haben? Das kann sicherlich erst mal ein Schock sein, gerade für Eltern, die sich für ihre Kinder ja ein möglichst gutes, normales Leben wünschen.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass mein Vater insgesamt in die Richtung geht, dass psychische Beeinträchtigungen keine „richtigen“ Behinderungen sind :roll:.
      Mal abwarten, wie es sich entwickelt.

      • dieandereperspektive schreibt:

        Ja. diese bittere Pille mußte ich auch schlucken. In meiner Familie befinden sich durch unterschiedliche Ursachen 3 Mitglieder, die zum Autismusspektrum zu rechenen sind. Die Reaktion war genau die, die du da geschildert hast. Ich muss mir immer wieder anhören, dass wir das alles könnten, wenn wir es wollten. Ich denke dass in diesem Falle dies die einzig richtige Reaktion ist, die wirklich angemessen ist, weil es wohl rational einfach nicht zu erklären ist. Da entwickelt sich einfach ein andere Art der Kommunikation, die in unserer normierten Gesellschaft nicht geteilt wird. Dennoch verstehen wir uns untereinander extrem gut, weil jeder weis, wie er mit dem anderen umgegehen muss. Wer nun glaubt, dass das einfach ist, der hat da wohl nicht ganz verstanden, was da dahinter steckt. In diesem Kreis befindet sich aber auch ein neurotypischer, so dass es manchmal wirklich spannend ist.

  3. Pingback: Selbstverständlichkeitsverständnis | Gedankenkarrussel

  4. Anita schreibt:

    Es scheint wirklich viel an der Generation zu liegen.

    Die Großmutter und die Tanten reden hier ähnlich. Auch wird es immer abgetan, „als nicht so gravierend“.

    Es werden Aussagen getätigt, die mich so wütend zurücklassen, dass ich keinen Wert mehr auf Kontakte lege.

    Aber ehrlich „Freunde kann man sich aussuchen – Familie bekommt man mit Geburt / Heirat mitgeliefert“

    Und ganz ehrlich, wenn sich die Bereitschaft des Lernens nicht einstellt und ein Dialog möglich wird, dann ist Rückzug der sicherere Weg.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Ich glaube, mein Vater _kann_ es einfach nicht verstehen… wenn ich jetzt mal da bin, wird es nicht groß thematisiert, aber man merkt halt diese Einstellung durch. Und vor allem hat sie mich einfach jahr(zehnt)elang geprägt, und das kann ich nicht so einfach „abschütteln“. Ansonsten verstehe ich mich ja gut mit meinem Vater und ich bin ja auch von meinen Eltern (zumindest finanziell) abhängig. Mittlerweile lasse ich solche Diskussionen nicht mehr (so) zu, aber wie gesagt – die Prägung ist halt trotzdem da… sehr zur „Freude“ meiner Therapeutin…

  5. Anita schreibt:

    Nur ein Gedanke

    Zitat: „Ich glaube, mein Vater _kann_ es einfach nicht verstehen… “

    „jahr(zehnt)elang geprägt, und das kann ich nicht so einfach “abschütteln”.“

    Deinem Vater geht es ähnlich. 💡

    Du hast den „Vorteil“ zu wissen, warum es ist wie es ist.

    Dein Vater ist selber geprägt durch seine jahr(zehnt)elangen Erfahrungen und sein Erleben.

    Er kann es nicht so einfach „abschüttelnt“ und die Diagnose als neues Wissen abspeichern.

    Ein insgesamt gutes Verhältnis und die Arbeit Deiner Mutter kann dazu führen, dass sich über einen langen Zeitraum hier Verständnis bilden kann.

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