Aspergerdiagnostik in Freiburg

Ich erzähle mal, wie es ablief:

Nachdem meine Psychologin mir die Testung vorgeschlagen hat und mir die Adresse eine der zuständigen Psychologinnen gegeben hat, die sie kennt, habe ich eine Mail nach Freiburg geschrieben.
Daraufhin bekam ich einen dicken Brief mit Fragebögen zugeschickt. Die Fragebögen sollten teils von mir, teils von meinen Eltern ausgefüllt werden – teilweise hätten die Fragebögen an die Eltern auch von jemand anderem ausgefüllt werden können, wenn es mit den Eltern irgendwie nicht geht.
Das habe ich gemacht und die Bögen zurückgeschickt. Als ich die von meinen Eltern ausgefüllten Bögen sah, war ich doch etwas erstaunt, da war nämlich alles so angekreuzt, als ob ich immer total „normal“ gewesen wäre… siehe dieser Eintrag. Auf Anraten meiner Psychologin habe ich noch eine Mail hinterhergeschickt, wo ich mitgeteilt habe, dass meine Eltern selber sagen, dass sie sich eigentlich an nichts erinnern können. Die Psychologin meinte dann, ob ich vielleicht meine Mutter zu dem Gespräch mitbringen könne. Das wollte ich aber absolut nicht, daraufhin schrieb sie, dass es in dem Fall ggf. sinnvoll sein könnte, wenn sie hinterher mit meiner Mutter telefonieren dürfe. Mit diesem Vorschlag war ich einverstanden.
Außerdem habe ich einen Bericht aus dem SPZ von 1994 gefunden, in dem Auffälligkeiten beschrieben sind.
Arztberichte etc sollte ich nicht im Voraus schicken, sondern zum Termin mitbringen.
Im Laufe der Wartezeit sind sich auch meine Psychologin und die testende Psychologin bei einer Fortbildung begegnet und haben wohl auch ein paar Worte über mich gewechselt ;-).
Ich bekam dann irgendwann den Termin für das Gespräch mitgeteilt.

So war ich dann also in Freiburg. Die Dame an der Anmeldung war sehr nett und dann war ich noch etwa 20 Minuten im Wartezimmer, bis die Psychologin mich abgeholt hat.
Es gab dann ein ausführliches Gespräch, sie hat mich einfach viele Dinge gefragt, wie das bei mir damit aussieht.
Sehr hilfreich war für mich, dass ich meine ganzen kreisenden Gedanken in den letzten Monaten aufgeschrieben hatte, mit allen „passt“, „passt nicht“ und vor allem „ABER“. Sonst hätte ich glaube ich bei manchen Fragen nicht so recht gewusst, was ich sagen soll, weil ich erstmal hätte in Ruhe nachdenken müssen (und es gab mir Sicherheit, falls ich plötzlich keinen Ton mehr rausbringe… dann hätte ich ihr das einfach zeigen können). Vor allem hätten mich aber die Gedanken in den letzten Monaten total wahnsinnig gemacht, weil ich oft gedacht hätte „das darfst du dann bei der Testung nicht vergessen“ bzw. immer wieder meine Energie auf dieselben Fragen „verschwendet“ hätte. Ich habe alles am Computer aufgeschrieben, immer mal ergänzt und hin- und herverschoben, und kurz vor dem Termin habe ich es dann sinnvoll strukturiert und ausgedruckt.
Den Ausdruck habe ich mitgenommen, genau wie den SPZ-Bericht und den Abschlussbericht von der Klinik, einige meiner Bilder sowie einen wiedergefundenen Bericht, den meine Mutter damals vor dem SPZ-Besuch geschrieben hat. Während des Termins hat sie das nur kurz überflogen, wollte es sich dann aber später nochmal anschauen.
Nach einer ganzen Weile des Gesprächs ist die Psychologin dann losgegangen, um einen Kollegen zu holen, da sie Diagnosen immer zu zweit stellen. Sie sagte auch noch, dass ich während sie weg ist gerne mal zur Toilette gehen könnte.
Der Kollege war dann ein Psychiater (also Arzt). Er hat mir noch ein paar Fragen gestellt, zum Teil waren es auch dieselben. Nach ziemlich kurzer Zeit hieß es dann, dass die Diagnose Asperger eindeutig für sie sei, ihnen allerdings meine Dauermüdigkeit komisch vorkomme – offenbar ist die so stark ausgeprägt, dass sie auch für Asperger untypisch ist. Wir sprachen dann also noch ein paar Minuten darüber, über die Ergebnisse und Vorschläge vom Schlaflabor, und schlussendlich kamen auch vom Arzt in Freiburg noch ein paar Vorschläge für mögliche Medikamente. Auch waren sie der Meinung, dass ich zwar depressive Symptome zeige, aber keine typische Depression hätte – vermutlich sei eher die Müdigkei, vielleicht in Kombination mit dem Asperger, die Ursache (und nicht andersrum die Müdigkeit Folge einer Depression).
Der Arzt ging dann wieder und die Psychologin sprach noch etwas mit mir darüber, wie es jetzt weitergeht. Es gibt in Freiburg Therapieangebote, allerdings liegt die Stadt, wo ich ab Oktober studieren werde, zu weit von Freiburg entfernt. Daher empfahl sie mir, mit Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen und nach Therapeutentips zu fragen.
Ein Telefonat mit meinen Eltern hielten sie offenbar nicht mehr für nötig, zumindest sagten sie nichts mehr davon.
Den Bericht bekommen ich irgendwann, sie sagten aber gleich, dass es etwas dauern könne.

Eigentlich hatten ich noch Schulzeugnisse und den Bericht meines Betreuers im Berufspraktikum (das Bestandteil meines Studiums war) mitbringen wollen, die hatte ich allerdings vergessen… allzu viel Auffälliges steht da auch nicht, aber ein bisschen schon.
Auch die fehlenden (verwertbaren) Elternaussagen waren offenbar kein Problem.

Ich habe mich in Freiburg sehr gut aufgehoben gefühlt und hatte den Eindruck, wirklich kompetente Diagnostiker zu haben. Das war für mich sehr wichtig, weil ich ja so unsicher war, ob ich nicht total „übertreibe“, wenn ich bei mir an Asperger denke… so sage ich mir jetzt, dass es wohl stimmen wird, wenn eine so kompetente Stelle wie Freiburg zu diesem Ergebnis kommt. Und ich hatte den Eindruck, dass sie auf das Gesamtbild schauen, nicht nur auf Asperger (so wie sie halt bei mir noch auf die Müdigkeit eingingen).
Gut war auch, dass die gesamte Kommunikation über E-Mail möglich war, ich musste nicht ein einziges Mal telefonieren.

Die Aspergersprechstunde in Freiburg ist leider momentan sehr überlaufen, die Wartezeiten haben sich deutlich erhöht (9-12 Monate) und sie nehmen nur noch Patienten aus Freiburg und Südbaden.

Advertisements

Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
Dieser Beitrag wurde unter Autismus allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Aspergerdiagnostik in Freiburg

  1. dieandereperspektive schreibt:

    Deine systematische Vorgehensweise hat dir dabei sehr geholfen. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass es für dich schwer werden wird, das jetzt aufzuarbeiten. Ich denke eher das braucht jetzt seine Zeit und da mache ich ständig die Erfahrung, dass das wohl am schwersten fällt.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Ich glaub, ich könnte gar nicht unsystematisch vorgehen…

      • Amy schreibt:

        Das kann ich gut nachvollziehen! Gerade wenn es um problematische Themen geht, ist es so viel einfacher, systematisch vorzugehen… wie ist das denn bei dir mit der Therapie, hast du da auch dieses Bedürfnis nach systematischem Vorgehen?

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Gute Frage… meine Therapie bei der Therapeutin, wo ich ein Jahr lang war, dürfte u.a. daran gescheitert sein, dass ich immer das Gefühl hatte, dass sie gar nicht weiß, wo sie mit mir eigentlich hin will (mal davon abgesehen, dass sie gar nichts Richtung Soz. Phobie/ Asperger vermutet hat).
        In der Klinik und im letzten halben Jahr hatte ich eher das Gefühl, dass es ein systematisches Vorgehen gibt, wo die Therapeuten wissen, wo sie hinwollen. Das konnte dann ggf. korrigiert werden, aber es gab einen Rahmen.
        Und innerhalb dieses Rahmen musste ich mir dann halt die Dinge überlegen/ bewusst machen – und das ging dann wohl mal wieder nicht anders als systematisch, wie soll ich denn sonst auf irgendwelche Dinge kommen? 😉 „Auf das Gefühl hören“ funktioniert bei mir nicht so wirklich…
        War es sowas, was du mit deiner Frage meintest? Bin nicht sicher, ob ich sie wirklich richtig verstanden habe, sorry.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Ne, ich glaub, das hat nicht wirklich was gebracht… Wir waren eh alle 3 Termine (mindestens) bei ihrem Lieblingsthema: „Wenn Sie (dauerhaft) zu müde zum Lernen sind, dann sind Sie nicht motiviert -> Sie studieren das falsche Fach -> brechen Sie Ihr Studium ab“. Zu dem Zeitpunkt war ich kurz vor dem Abschluss… alle anderen inkl. Hausärztin und Psychiaterin waren wie ich der Meinung, dass ich das Studium unbedingt beenden soll, egal was ich danach mache…
        Gegen Ende haben wir ernsthaft nur noch über das Wetter (keine Redewendung!) und die Tagespolitik geredet :roll:. Abbrechen wäre für die Kasse zwar billiger gewesen, aber es ist leider schwieriger, eine neue Therapie genehmigt zu bekommen, wenn man vorher abgebrochen hat…
        Es hat sich leider damals erst nach 8-10 Sitzungen rausgestellt, dass mir die Frau (die mir von verschiedenen Leuten empfohlen wurde) nichts bringt. Sonst hätte ich nach den probatorischen SItzungen ja gar nicht erst den Antrag gestellt.

        Eine Therapeutin, die es nicht als ihren Job ansieht, eine Struktur zu schaffen? Na prima. Vielleicht wäre sie in einem anderen Job besser aufgehoben.

      • Amy schreibt:

        Kurz vor dem Abschluss zum Abbruch des Studiums zu raten, ist aber auch echt blödsinnig. Egal, wie man es betrachtet, selbst mit einem nicht so guten Abschluss hat man mehr gewonnen als damit, nach 3, 4 Jahren Studium oder sogar mehr noch mal abzubrechen und neu anzufangen… über das Wetter reden ist klasse, so richtig hilfreich kann das dann ja echt nicht gewesen sein.

        Ja, das Problem mit dem Abbruch und der neuen Therapie ist mir bekannt, weiter machen war aber leider gar keine Option. Genau wie du hab ich erst zu spät bemerkt, dass es nicht passte und dann wurde es richtig übel. Wegen quasi-nix hat die mir zB mit Zwangseinweisung gedroht, hat mir immer mal wieder unterstellt, dass ich eh nur zu faul bin und dass ich therapieunwillig bin, wenn ich mit ihrem System nicht zurecht komme. Und in einer Verhaltenstherapie über aktuelle Schwierigkeiten reden zu wollen, statt in der Vergangenheit zu buddeln, war eh die Frechheit schlechthin von mir, laut dieser Person zumindest. Klar, es hilft mir bei einem akuten Problem mit dem Studium ganz viel, wenn ich über meine Familie spreche…

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Klingt nach einer tollen Therapeutin :roll:. Verhaltenstherapie ist doch eigentlich ohnehin eher auf die gegenwärtigen Probleme gemünzt, oder? Klar kommt man manchmal nicht umhin, auch die Vergangenheit anzuschauen, aber trotzdem…
        Ich denke ja, man kann auch einen Abbruch bei der Krankenkasse begründen, wenn es sein muss. Bei mir waren es nur die letzten 5 Stunden oder so, wo ich meine Zusammenarbeit mit der Frau als hoffnungslos aufgegeben hatte. Bis dahin dachte ich, es wird vielleicht noch was…

  2. Amy schreibt:

    Ja, genau das meinte ich. Meine erste Verhaltens-Therapie habe ich abgebrochen, weil mir das systematische fehlte und ich nicht das Gefühl hatte, dort auf irgendein Ziel hin zu arbeiten. Die Therapeutin war der Ansicht, dass es auch nicht ihre Aufgabe sei, eine Struktur zu schaffen. Diese Gefühls-Ebene fand ich in der Therapie auch ganz schwierig, einfach nur auf der Grundlage bin ich absolut nicht vorwärts gekommen. Hattest du denn den Eindruck, dass die erste Therapie, die ohne das Gefühl auf etwas hin zu arbeiten, dir überhaupt helfen konnte?

  3. Pingback: Suchbegriffe (ernsthaft) | Gedankenkarrussel

  4. Pingback: Bloggeburtstag | Gedankenkarrussel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s