Gedanken zur Aspergerdiagnose

Mittlerweile fühlt es sich für mich einfach „richtig“ an.
Die kreisenden Gedanken beruhigen sich allmählich. Ich merke, wie sehr ich in den letzten Wochen doch insgeheim dachte, dass ich eigentlich „autistisch fühle und denke“, aber dennoch zweifelte, ob nicht zu viel auch nicht passt.
Nachdem in Freiburg aber wirklich erfahrene Diagnostiker sitzen und es für sie eindeutig war, denke ich mal, dass ich mich drauf verlassen kann, dass die Diagnose stimmt.
Ich weiß jetzt einfach, warum ich immer anders war und auf „welchem Stern“ ich jetzt zuhause bin.
Das ist ein gutes Gefühl.

Dass ich mich zuerst so „leer“ fühlte, lag wohl auch daran, dass ich erstens nicht wirklich mit einer (sofortigen) Diagnose gerechnet hatte, da ja die Elternfragebögen kaum aussagekräftig waren und sie im Mailkontakt eigentlich gesagt hatten, dass sie vermutlich nochmal mit meinen Eltern telefonieren wollen; das war aber nach dem Gespräch kein Thema mehr. Und zweitens hab ich wohl erwartet, dass meine Gefühle ähnlich sind wie damals bei der Diagnose Soziale Phobie. Die war DIE Erleichterung und Entlastung für mich. Dieses Mal war es eher ein „am Ziel ankommen“, es waren keine so starken Gefühle. Mittlerweile verstehe ich auch so halbwegs warum – die Diagnose Soziale Phobie damals kam total „aus heiterem Himmel“ und war für mich ein „WIE?!?!? Sowas gibt es als Diagnose?!?“ und es war die erste Entlastung, dass ich nicht nur „spinne“ oder mich nur zusammenreißen müsste.
Mit Asperger habe ich mich ja nun schon eine Weile beschäftigt und eine „Teilentlastung“ war halt durch die anderen Diagnosen auch schon da.

Also insgesamt geht es mir ganz gut mit der Diagnose, soweit man das in dem Zusammenhang so nennen kann.
Sie haben vorgeschlagen, dass ich mit einer Selbsthilfegruppe Kontakt aufnehme und auch nach Therapeutentips frage, denn die neue Unistadt ist eindeutig zu weit von Freiburg weg, um da die Therapie machen zu können.

Über die Müdigkeit haben sie auch noch einen Augenblick nachgedacht, da sie wohl selbst für Asperger untypisch stark ist – die vorgeschlagene Medikation vom Schlaflabor finden sie gut und haben noch ein paar weitere Optionen genannt. Ein Rezept für das Medikament habe ich von Dr. J. heute bekommen, muss aber noch ein EKG beim Hausarzt schreiben lassen, bevor ich es nehmen darf. (Dr. J. tat übrigens so, als ob er das alles ganz toll findet und ja schon immer so vermutet hätte… zumindest wirkte er auf mich so, aber vielleicht tu ich ihm da ja auch Unrecht…)

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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13 Antworten zu Gedanken zur Aspergerdiagnose

  1. Amy schreibt:

    Das klingt gut 🙂 Ich kenne die Gedankenspirale zwischen „passt“ und „passt nicht“ ja gut, ich kann gut nachvollziehen, dass es schön ist, die Antwort zu haben. Viel Glück für die neuen Medikamente, hoffentlich hilft das mal. Ich bin mit dem Sertralin im Moment auch extrem müde, aber ok, ist ja auch erst die erste Woche. Dauerhaft muss das furchtbar sein, ich wünsche dir wirklich, dass du das Problem bald lösen kannst.
    Es freut mich zu lesen, dass du dich so angekommen fühlst 🙂

  2. Amy schreibt:

    Es freut mich, dass du dich so angekommen fühlst mit der Diagnose, das ist gut! Spricht dafür, dass du tatsächlich die richtige Diagnose bekommen hast, wenn eben keine Puzzelsteinchen mehr fehlen. Dass die soziale Phobie ganz aufgehoben ist klingt irgendwie logisch, die Probleme kommen ja doch ganz woandrs her.
    Ich drücke dir die Daumen für die Müdigkeit. Im Moment bin ich auch Dauer-Müde, das Sertralin macht mich total platt. Aber es ist ja erst die erste Woche, ich übe mich in Geduld. Hoffentlich können die neuen Medikamente dir endlich in der Hinsicht helfen, es muss echt schlimm sein, immer so platt zu sein 😦

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Sertralin hat bei mir immerhin eine leichte Antriebssteigerung bewirkt… vorher hatte ich Citalopram, außer Fressattacken hatte das gar keine Wirkung.
      Nachdem ich mit Sertralin immer noch müde war, hat meine Psych auf Fluoxetin umgestellt, weil sie meinte, dass das dann ganz sicher endgültig nicht die Nebenwirkung Müdigkeit hat.
      Gab bei mir keine Veränderung, aber es war ja in meinem Fall eh unwahrscheinlich, dass die Müdigkeit eine Nebenwirkung ist.
      Wieviel Sertralin nimmst du?

      • Amy schreibt:

        Im Moment nehme ich noch 25mg, soll dann in den nächsten Wochen ganz langsam steigern und schauen was passiert. Die Müdigkeit in der Form ist bei mir neu seit ich das Sertralin nehme, dazu die Konzentrationsprobleme – sonst aber keine Nebenwirkungen, also warte ich einfach mal ab, ob sich mit mehr mg und Zeit eine Wirkung zeigt und die Nebenwirkungen verschwinden.

        Citalopram war mein erster Versuch, der so schrecklich schief gegangen ist. Habe dazu irgendwann was gebloggt, das habe ich absolut nicht vertragen.
        Was nimmst du denn jetzt?

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Dann wünsche ich dir mal, dass die Müdigkeit verschwindet!
        Du hast ja dieselbe Reihenfolge wie ich *g*
        Ich habe nach den 3 Versuchen mit SSRI (Citalopram, Sertralin, Fluoxetin) Venlafaxin (SNRI) – hatte anfänglich den Eindruck, dass es wirkt, aber vielleicht war das auch nur Einbildung. Oder es lag an der anderen Marke, weil meiner Meinung nach die Freisetzung vermutlich anders ist, wenn ich 6 große Kugeln hab statt ganz vielen kleinen…

  3. dieandereperspektive schreibt:

    Nimmst du Kortison? Auch bei Kortisonunverträglichkeiten kommt so etwas vor. Gut, dass du angekommen bist. Ich habe da keinen Moment daran gezweifelt, dass es so ist.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Was kommt bei Cortison vor – Müdigkeit?
      Ich nehme nur inhalativ (unregelmäßig :oops:) Cortison. Allerdings ist mein Cortisolspiegel im Blut zu niedrig… ich hatte deshalb mal 6 Wochen einen Versuch mit Cortison, der aber nichts an der Müdigkeit geändert hat. (Zu wenig Cortisol kann zu Müdigkeit führen – wenn man dann Cortison bekommt, ist es aber nicht vergleichbar mit Cortison in anderen Therapien, weil ja nur so wenig Cortison genommen wird, dass man den Mangel ausgleicht; ähnlich wie bei den Schilddrüsenhormonen.)

      • dieandereperspektive schreibt:

        Nur bei einer Unverträglichkeit kann das Müdigkeit hervorrufen, sie setzt dann ein, wenn es im Körper aufgenommen ist. Es kann aber auch durchaus so sein, dass es als Katalysator wirkt und schon eine Grundmüdigkeit vorliegt. Na ja, eine weitere Möglichkeit halt, an die nicht sofort gedacht wird. Hatte bei mir den sogenannten K.O.-Effekt. Jetzt nehme ich das Kortison nur noch Abends.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Ah ja. Von dem Zusammenhang wusste ich echt nichts, behalte ich mal im Hinterkopf – danke.

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