Ein Anruf

Von einer Bekannten, die früher mal in meiner alten Gemeinde in Heimatstadt war, und die ich schon jahrelang nicht mehr gesehen habe.
Zuerst der Schreck – mein Telefon klingelt und ich kenne die Nummer nicht.
Kenne auch die Vorwahl nicht genau, sehe nur, dass es aus der Region meiner Eltern ist.
Abnehmen?
Ja, könnte ja was wichtiges sein.

„Hallo, hier ist X“ *grübel – X, den Namen kenne ich – passt die Stimme zu meiner Vermutung? ja, passt*
– „kennst du mich noch?“
„Ja, ich kenne dich noch, musste nur kurz überlegen.“

Sie wollte einfach wissen, wie es mir geht und was ich jetzt so mache.
Das war schwierig zu beantworten.
Ich kenne sie nicht so gut, dass ich ihr alles erzählen möchte.
Ich kenne sie aber auch nicht so wenig, dass ich ihr nichts erzählen möchte. (Zumal es jedem halbwegs denkenden Menschen auffällt, dass mein Studium schon etwas länger dauert als üblich.)
Außerdem kann ich so schlecht lügen.
Und mag es auch nicht.

Schlussendlich habe ich mich hinter der Schilddrüse und den Schlafproblemen „versteckt“.
Habe gesagt, dass ich diese Probleme habe und sie gerne auf die Psyche geschoben werden, auch wenn der Arzt im Schlaflabor eher ein organisches Problem vermutet.
Habe gesagt, dass es mir mittlerweile psychisch nicht so gut geht, weil ich dauernd müde bin.
Aber die Soziale Phobie und den V.a. Asperger habe ich komplett verschwiegen.
Fühle mich schlecht deshalb, weil es für mich schon eine (indirekte) Lüge ist.
Die Frage „wie geht es“ finde ich einfach schwierig, gerade wenn sie von Menschen kommt, die ich mittelmäßig gut kenne.
Bei Fremden bin ich so frei, dass ich sie als „Hallo“ „übersetze“.
Bei guten Freunden weiß ich, dass sie wirklich wissen wollen, wie es mir geht.
Bei Leuten wie X weiß ich, dass sie es auch nicht nur als Floskel ansehen, mag aber eben eigentlich nicht so mit ihnen drüber reden…
Wie geht man damit um?

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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8 Antworten zu Ein Anruf

  1. Amy schreibt:

    Das wüsste ich auch gerne 😉 Ich bin insgesamt immer eher vorsichtig damit, was ich auf diese Frage antworte, selbst bei Menschen, die mir nah stehen. Deine Antwort finde ich völlig ok, du hast nicht gelogen, gewisse Dinge gehören aber einfach der Privatsphäre an, die man nur ausgewählten Menschen offenbart. Die genauen Diagnosen und Verdachtsdiagnosen gehören für mich absolut in diesen Bereich! Zumal es ja auch nicht so ist, dass jeder etwas mit Asperger anfangen kann und ich meistens auch einfach nicht anfangen wollte, das was – warum – wie usw zu erklären.
    „Wie gehts?“ ist für mich aber auch immer eine Gratwanderung, bei der ich oft daneben greife und zu viel verrate (merke ich, wenn der andere völlig desinteressiert reagiert) oder zu wenig (und damit Menschen vor den Kopf stoße, die ein ernsthaftes Interesse hatten)…

    • gedankenkarrussel schreibt:

      „Zumal es ja auch nicht so ist, dass jeder etwas mit Asperger anfangen kann und ich meistens auch einfach nicht anfangen wollte, das was – warum – wie usw zu erklären.“

      Allerdings… entweder sie haben noch nie was davon gehört oder sie kennen diverse Autismusklischees…

      • Amy schreibt:

        Ja, die Klischees, genau. „Aber du sprichst doch mit mir?!“ ähm, ja. Genau. Ich bin ja auch nicht Rainman…
        Ps: Mail-Antwort kommt in den nächsten Tagen 🙂

      • gedankenkarrussel schreibt:

        „Aber du schaust mich doch an…“
        (Ne, ich schau dich nicht an, ich schaue lediglich in deine Richtung – Blickkontakt ist was anderes… aber freut mich, dass meine So-tun-als-ob-Strategie so erfolgreich ist…)
        Bin gespannt auf deine Mail 😉

  2. Blogleserin schreibt:

    Fremde meinen es nach meiner Erfahrung auch nur als Hallo so eine Arzt Standartgesprächsbeginn. Wenn ich mir nicht sicher bin wie es gemeint ist, bleibe ich eher allgemein bei meiner Antwort, bestenfalls sowas wie „im Moment etwas schwierig zu beschreiben“ Manchmal wird dann gar nicht genauer nachgefragt oder ich erzähle irgendwas aktuelles was ich erzählen möchte, z.B. ich lerne gerade für Prüfung xy dann kann man relativ schnell erahnen was genau die Person dazu gebracht hat anzurufen.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Wahrscheinlich ist dein Vorgehen das sinnvollste.
      Mein Problem ist halt, dass es sich für mich oft „falsch“ anfühlt, nicht alles zu erzählen, wie eine Lüge… und das ist für mich nur schwer auszuhalten.
      Generell versuche ich aber auch oft „abzulenken“, indem ich antworte „wie immer – und wie läuft es bei dir?“

      • Blogleserin schreibt:

        Ich finde das völlig OK und empfinde es auch nicht als Lüge eher als Schutzfunktion (für mich und (!) die anderen) aber ich habe auch nicht deine Probleme. Vielleicht hilft es dir trotzdem zu erfahren was andere in solchen Situationen denken/machen.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Es ist auf jeden Fall nicht schlecht zu wissen, wie „normale“ Menschen damit umgehen – also danke 😉

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