Im Schlaflabor

Mittlerweile war der Termin im Schlaflabor.

Es war insgesamt ein sehr guter Termin, auch wenn ich jetzt in erster Linie weiß, was ich nicht habe. Die Ableitungen waren, soweit man das auf den ersten Blick sagen konnte, unauffällig, sind allerdings noch nicht endgültig ausgewertet. Ich habe also keine Auffälligkeiten im EEG und keine Schlafapnoe.
Aber was für mich eine sehr wertvolle Erfahrung war: Ich wurde dort unglaublich ernst genommen. Ich hatte gleich in der ersten Mail darum gebeten, wegen der Sozialen Phobie weiterhin nur per Mail zu kommunizieren und mich nicht anzurufen. Das wurde ganz selbstverständlich eingehalten. Während des Aufenthaltes wurde auf meine Bitte hin jederzeit mein Zimmer abgeschlossen, wenn ich nicht drin war, obwohl die Mitarbeiter meinten, dass sie noch nie erlebt hätten, dass etwas geklaut wurde. Mir war es aber dennoch lieber, da ich für langweilige Wartezeiten auch einen Laptop dabei hatte. Das waren zwar nur Kleinigkeiten, aber sie haben mir gezeigt, dass ich und meine Bedürfnisse wichtig sind, auch wenn sie ein klein wenig Arbeit machen.
Und der Arzt war sowieso einfach super. Er hat sich zweimal eine gute Stunde Zeit für mich genommen. Er hat mich ernst genommen in dem, was ich gesagt habe. Er hat den Kopf geschüttelt über so manche Aussage seiner Kollegen und findet es gut, wenn Patienten sich selber informieren, googeln usw.
Schlussendlich ist er ziemlich überzeugt, dass meine Müdigkeit nicht primär psychisch bedingt ist, weshalb ich die Diagnose „primäre Insomnie“ bekommen habe – was auch von daher passt, dass ich schon immer nicht wirklich gut schlafe. Da das Venlafaxin nicht wirkt, möchte er es absetzen, ich bin jetzt gerade am Ausschleichen (und merke auch keine negativen oder sonstigen Auswirkungen davon). Dann soll ich versuchen, das Mirtazapin auf die Hälfte zu reduzieren und wenn ich dann immer noch dauermüde bin (wovon ich ja irgendwie ausgehe :roll:), dann könnte ich einen Versuch mit einem Wirkstoff namens Modafinil starten, mit dem er bei anderen Patienten mit primärer Insomnie sehr gute Erfahrungen gemacht hat.
Das ist jetzt ein kleiner Hoffnungsschimmer für mich.

Ich bin ja mal äußerst gespannt, was Dr. J. nächste Woche dazu sagt… der Arzt im Schlaflabor wollte ihn sogar anrufen. Ich hoffe nur, dass Dr. J. nicht zu dem Ergebnis kommt, dass er da nie wieder einen Patienten hinschickt, denn er ist sich ja ziemlich sicher, dass meine Müdigkeit psychisch bedingt ist und dass wir das Venlafaxin nicht absetzen sollten…

Nachtrag: Völlig so 😯 geschaut habe ich bei seiner Frage, warum ich denn erst jetzt komme, wenn ich schon so lange Beschwerden habe – tja, weil seine Herren Kollegen es ja immer nicht wollten… Er war dann leicht frustriert, weil er meinte, dass er doch immer wieder Vorträge zu dem Thema hält und eine junge Frau mit meinen Symptomen gehöre ganz klar ins Schlaflabor…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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5 Antworten zu Im Schlaflabor

  1. Amy schreibt:

    Hmm… mit abweichenden Meinungen von Kollegen sollte ein guter Arzt hoffentlich umgehen können 🙂 Zu wissen, was man nicht hat, ist meiner Meinung nach aber auch schon mal wertvoll – es bringt einen dem näher, was man wirklich hat, auch wenn die Suche lange dauert. Ich wünsche dir alles Gute für den Versuch mit dem neuen Medikament!

    • gedankenkarrussel schreibt:

      An und für sich sollte er das können, da hast du natürlich Recht 😉
      Wobei ich mittlerweile mit Ärzten genug erlebt habe, um alles für möglich zu halten :roll:.
      Ich bin gerade total ungeduldig, weil erst die alten Medikamente raus bzw. zumindest reduziert werden sollen, bevor es das neue Medi gibt…

  2. dieandereperspektive schreibt:

    Auch von mir viel Erfolg bei deiner Behandlung, denn das ist alles andere als lustig mit einer Dauermüdigkeit herumlaufen zu müssen. Auch für mich war das Schlaflabor eine Erlösung, auch wenn ich jetzt eine Maske brauche. Aber besser Maske und wach, als keine und schlafen, schlafen, schlafen… Auch stimmt es mich froh, dass die Mediziner die Phobien ernst nehmen, leider halt nicht alle. Aber gerade in einem Schlaflabor ist das halt auch sehr wichtig, dass da keine Ängste mitschwingen.

  3. Pingback: Jahrestag | Gedankenkarrussel

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