Bevormundet und kontrolliert

So fühle ich mich gerade.
Vermutlich reagiere ich über.
Es ist doch nur eine Kleinigkeit.
Meine Eltern meinten es ja nur gut.

Ich bin noch Mitglied in einem Verein in meiner Heimatstadt.
Diese Mitgliedschaft habe ich jetzt gekündigt.
Ich habe die Kündigung geschrieben und sie meinen Eltern gegeben, damit sie sie einstecken, weil die Zeit drängte.
Ein paar Tage danach traf ich meine Eltern nochmal.
Da gab mir mein Vater einen Zettel, den ich unterschreiben sollte.
Eine neue Kündigung.
Meine Eltern fanden, dass meine Kündigung „unmöglich“ sei. Handschriftlich und vor allem auf kariertem Papier – das ginge gar nicht, man müsse unbedingt weißes Papier nehmen.
Über die Sache an sich (kariertes oder weißes Papier) kann man sich sicher streiten.
Ich bin der Meinung, dass nur wichtig ist, dass alle wichtigen Angaben drauf sind und man es lesen kann.
Aber was mich wirklich gestört hat, war dass ich mich kontrolliert fühle.
Meine Eltern haben die Kündigung aus dem – nicht zugeklebten – Umschlag gezogen, nachdem sie im Sichtfenster sahen, dass es kariertes Papier ist, haben sie angeschaut und für nicht gut befunden und daraufhin beschlossen, sie nicht einzustecken.
Ich war total fassungslos. Ich bin seit Jahren erwachsen und für mich selbst verantwortlich. Ich möchte nicht (ungefragt) von meinen Eltern gesagt und vorgeschrieben bekommen, was richtig ist!!!

Es war ähnlich wie als ich aus der Klinik zurückkam. In der Zeit waren meine Eltern mal in meiner Wohnung gewesen, um mir ein paar Sachen zu holen. Und meine Mutter meinte es mal wieder gut und hat meine gesamten Lebensmittelvorräte durchgesehen und alles, was dem Verfallsdatum nahe war, mitgenommen. (Ich rede nicht von Obst und Gemüse, sondern von Konserven u.ä.!) Sie ersetzt mir die Sachen, meist sogar sehr großzügig, das ist nicht das Ding. Aber ich war sauer, dass sie einfach ungefragt an die Sachen rangegangen ist. Das ist MEINE Wohnung, da haben meine Eltern ungefragt nichts zu tun.

Bei beiden Situationen habe ich versucht, meiner Mutter zu erklären, warum es mich so gestört hat. Sie hat es wohl auch ansatzweise verstanden, aber nicht so ganz…

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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14 Antworten zu Bevormundet und kontrolliert

  1. fire walk with me schreibt:

    Au weia, da wäre ich auch stinksauer (also sowohl wegen der Sache mit der Kündigung, als auch wegen der Wohnungsaktion deiner Mutter). Deine Eltern scheinen noch nicht wirklich begriffen zu haben, dass du erwachsen und selbstständig bist und für dich alleine sorgen kannst.
    Aber immerhin hast du es deiner Mutter gesagt und sie hat es ja vielleicht auch ansatzweise begriffen. Das ist doch schonmal was!

  2. fire walk with me schreibt:

    Ich finde, das ist so eine typische „wir meinen es doch nur gut“-Aktion von Eltern, die ihre Kontrolle äußerst subtil ausführen. Das ist zumindest mein subjektives Empfinden.

  3. eenemeenemuh schreibt:

    Oh weh, das kenne ich. Und wie.
    Deine Eltern hatten überhaupt kein Recht, den Brief zu öffnen! Sie werden wahrscheinlich damit argumentieren, dass du ihn ja hättest zu kleben können, wenn du das nicht gewollt hättest. Und mit dem Inhalt (kariertes Papier, oh Gott!!!) fühlen sie sich sogar noch in ihrem Tun bestätigt. Dass du immer noch nicht alt genug bist, sowas allein zu tun. Denn wärst du das, kämen sie ja gar nicht erst auf die Idee nachzuschauen. Ein Teufelskreis. Und am Ende bist du immer der Arsch. So oder so. Sie haben es doch nur gut gemeint! Zum kotzen! Lerne daraus. Grenz dich ab.
    Viele Grüße! 🙂

  4. lebenstattponyhof schreibt:

    uh, das hätte meine Mutter sein können.

  5. dieandereperspektive schreibt:

    Die Sache mit dem Kühlschrank finde ich total in Ordnung, sei froh und sei dankbar, wenn es das einzigste ist, was sie getan haben. (Es ist kein schöner Anblick vergammelte Nahrungsmittel aus dem Kühlschrank zu entsorgen). Die Sache mit dem Brief finde ich auch nicht OK. Mach ihnen klar, dass du deine eigenen Erfahrungen sammeln mußt und es gereicht hätte, wenn sie dich darauf aufmerksam gemacht hätten. Sonst kann sich ein Vertrauensverhältnis nicht aufbauen. Es braucht den Respekt und die Achtung vor den Handlungen des Anderen, auch wenn man mal anderer Ansicht ist.
    Ich rate dir aber die Abgrenzung ab, bringt nur unnötig Stress, sondern sei subtiler in der Art und Weise, was du mit deinen Eltern teilst und was nicht. Denn jede Aktion hat auch einen Reaktion zur Folge und ich denke Eltern sollten schon der Zufluchtsort bleiben. Wenn sie verstanden haben, dass dich diese Aktion mir dem Brief verletzt hat, werden sie es nicht mehr tun. Oder ist das nicht so?

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Ich rede aber nicht vom Kühlschrank (da hätte ich es gerade noch ok gefunden – wobei da eh nichts mehr drin war, was schnell verdirbt, mein Klinikaufenthalt war nicht spontan, sondern geplant), sondern von Konservendosen, Nudeln etc. Die vergammeln bestimmt nicht so schnell 😉
      Ob sie es nicht mehr tun… keine Ahnung?!? Bei den Lebensmitteln hatten sie es ja auch so halbwegs verstanden und trotzdem waren sie an dem Brief dran…
      Allerdings wird der Abstand jetzt ohnehin größer, ich werde vermutlich nur noch in den Semesterferien und Weihnachten mal ein paar Tage bei ihnen sein, sie werden mich vielleicht 1-2 Mal im Jahr besuchen.
      Ich bin froh, dass ich meine Eltern habe, sie sind ein „Zufluchtsort“, wie du es nennst, für mich, aber dennoch möchte ich nicht zu sehr „bemuttert“ werden. Ich habe überhaupt erst in den letzten Monaten angefangen, mit meiner Mutter über mehr als Belanglosigkeiten zu reden und das möchte ich eigentlich schon auch weiterhin tun.

      • dieandereperspektive schreibt:

        Kann dich gut verstehen, gib ihnen auch Zeit, dich zu verstehen. Ich selbst habe immer wieder beobachtet, dass gerade bei Autisten gerne versucht wird, sie als nicht erwachsen hin zu stellen, weil sie halt eine andere Form der Abnabelung wählen, als die übliche. Das „Bemuttern“ ist leider eine Seuche, die oft um sich greift, da hilft wirklich nur noch abgrenzen, auch wenns „gut“ gemeint ist.

      • gedankenkarrussel schreibt:

        Was meinst du mit einer „anderen Form der Abgrenzung“?
        Was das Bemuttern betrifft, hab ich ja mal den Ausdruck „Helikoptereltern“ gehört :lol:. So schlimm sind meine ja zum Glück nicht. Bis auf gelegentliche „Ausrutscher“ wie diesen akzeptieren sie durchaus, dass ich erwachsen bin und versuchen nicht, mich übermäßig und ungebeten zu beschützen o.ä.

  6. dieandereperspektive schreibt:

    Die Abgrenzung wird nicht so radikal vollzogen, weil bei den anderen sie radikaler ist (oder überhaupt nicht), das liegt vor allem daran, so denke ich, dass wir offener und aufgeschlossener sind. Das führt aber widerum zu Mißverständnissen, weil das NEIN! erst etwas später kommt. Ist keine Kritik, nur eine Feststellung von mir. Halte dies auch nicht gerade für falsch, eben nur anders.

  7. Gardiners-Seychellenfrosch schreibt:

    Deine Eltern haben dir mit der „hübschen“ Kündigung eigentlich den Gefallen getan, nicht unangenehm aufzufallen. Evtl. haben sie da was falsch verstanden mit Fürsorgepflicht, bei behinderten erw. KIndern mit/ ohne KIGE-bezug sagen die Behörden gerne die Eltern müssen sich um das kind kümmern bis sie nicht mehr können. Korrekterweise bis 25 wäre es gerechtfertigt dass deine Eltern Briefe aufmachen usw. das müsste man mal eine behindertenberatungstele fragen was alles unter fürsorgepflicht fällt. Als Aspie ist das Leben doch schwierig genug, da braucht man keine unnötigen eigenen Erfahrungsbauchklatscher, es sei denn man besteht total drauf diese Bauchklatscher mitzunehmen. dann muss das wohl. Es wäre besser gewesen, sie hätten gesagt, du uns fiel auf das geht für NTs so nicht, wir machen dass mal so dass du keinen Stress weiter kriegst. Ich hab mal eine schmuddelige Beurteilung abgegeben, fürchterlich Ärger bekommen und mir gewünscht meine Mum hätte mir gesagt dass das so nicht geht. ich würd ja denken negative erfahrungen verstärken die sozialphobie noch… Das ist die Diskrepanz zwischen eigentlich erwachsen sein und Behinderung…. Man will alles selber schaffen, dann merken die anderen dass es doch nicht so gut allein mit allem geht und helfen zu recht, nur der eigene Stolz hat ein Problem mit. Da muss man den Stolz wirklich mal wegtreten. Heut z.b. war ich Brille kaufen MIT Hilfe, es fiel mir bis vor kurzem auch noch schwer zu sagen Mom das Kind wächst mir übern Kopf bitte hilf mir bzw. ich vergaß xy bitte hilf mir. Da ist wieder das schlechte gewissen. Das Problem mit der Planänderung kenne ich auch. So ein Mist… Ich hoffe Jesus ändert das mal. Ich find das nämlich rein theoretisch super wenn jmd. helfen will. Meine Wohnung konnte ich auch nicht renovieren. Prinzipiell sag ich als Auch-Aspie, wenn jmd. dir helfen will nimm an, es kommt selten genug vor. Es wäre sicher besser gewesen deine Eltern hätte sich um das andere gekümmert du um die Wohnung bzw. ihr Hilfsangebot frühzeitig abgesprochen. Es wäre günstig wenn evtl. deine Therapeutin in einer Elternschulung deinen eltern mal was erklärt.
    Eltern sind manchmal nervig, ihr Handeln speist sich aus Liebe. Sie meinen es nur gut… Es ist für Eltern schwer zu sehen, wenn ihr Kind bei seinen eigenen Erfahrungen verletzt werden könnte bzw. es hilfebedürftig aussieht und sie nicht helfen dürfen. Dann fühlen sie sich als schlechte Eltern, wenn es eine bauchklatscher macht. So sind NTs halt getrimmt, wenn einer hilfebedürftig aussieht muss man helfen… Glaubs mir ich bin selbst Mutter und kenne das Dilemma aus beiden Sichten…. es ist nicht einfach die richtige reaktion zu wählen…

    Da hilft nur rede mit deinen Eltern mit einer Begleitperson, wnn es allein nicht geht.
    Ich kann nur sagen ich hätte so manche Erfahrung nicht gern gemacht….

    Lebensmittel ausräumen ist auch ok. Als Aspie braucht man m:E, jmd für die Gesundheitsfürsorge. Mein Opa z.B. hat immer schimmeliges verfallenes Zeug gegessen weils ihm leidtat, dann ist er zu früh verstorben…

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Für mich geht es darum, dass meine Eltern nicht einfach über meinen Kopf entscheiden sollen, sondern vorher eben was sagen/ fragen angebracht gewesen wäre.
      Ich bin erwachsen und schaffe es recht gut, mich selbst um meine Angelegenheiten zu kümmern – bzw. ich sehe, was ich nicht kann, und dann frage ich um Hilfe. Meinetwegen kann man sie mir auch von sich aus anbieten, aber einfach machen, geht gar nicht.
      Und zwar spätestens seit ich 18 bin, seitdem bin ich volljährig. Nur weil man bis 25 u.U. Kindergeld bekommt, ändert das nichts daran.
      Und haltbare Lebensmittel ausräumen, nur weil das Verfallsdatum naht, ohne auch nur zu fragen, geht für mich halt genauso nicht. Es ging ja nicht um Äpfel und Birnen, sondern um Nudeln, Konservendosen u.ä.

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