Grmpf!

Letzte Woche war ich mal wieder beim Psychiater und hab im Anschluss erstmal 24 Stunden gebraucht, um mich wieder halbwegs zu beruhigen.
Mein Hauptproblem ist ja die Müdigkeit. Nachdem ich mich in Hashimoto mal eingelesen habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich einige Blutwerte gerne untersucht hätte, weil es bei Hashi da öfter Probleme gibt – zumal zwei dieser Werte (Ferritin und Vit. B12) bei mir schonmal problematisch waren. (Und diese Infos stammen nicht „nur“ von wikipedia und Co, sondern von Ärzten.)
Aber selbstverständlich ist er sich ziemlich sicher, dass meine Müdigkeit psychisch ist.
Ich wirke ärgerlich, meint er.
Stimmt, ich bin ärgerlich und frustriert und will, dass sich was ändert. Wenn die Müdigkeit psychisch ist, warum bringen dann diverse Antidepressiva, Therapie und Klinikaufenthalt diesbezüglich nichts, sie einfach zu ignorieren funktioniert im Übrigen auch nicht?!?
Ich könnte ja auch hoffnungslos sein, meint er.
Bin ich auch, immer wechselnd mit dem Frust. Aber allzu lang sollten die Hoffnungslosigkeitphasen nicht dauern, sonst nähere ich mich in Höchstgeschwindigkeit der Brücke…
Wenn ich sage, mir ist egal, wo die Müdigkeit herkommt (ob jetzt organisch oder psychisch), aber ich will, dass sich was ändert, dann wird mir das Gefühl vermittelt, dass ich zu ungeduldig bin, dass ich erwarte, dass „jemand“ was macht, und es besser wird. Hä?!? Soll das jetzt heißen, ich hab nicht genug selbst versucht und erwarte ja eh nur, dass ich eine Tablette krieg und dann ist alles wieder gut? Was soll ich denn außer Therapien noch machen?
Vielleicht wolle die Müdigkeit mir sagen, dass ich aus dem Leistungsdenken aussteigen soll (was mich offenbar seiner Meinung nach bisher immer gefangen gehalten hat). Das meinte er vermutlich auch im Hinblick darauf, dass ich ab Herbst eigentlich einen Master machen möchte, wo ich aber bezweifle, dass ich es schaffe, wenn ich weiter so müde bin.
Super. Ich will was machen, was mich wirklich interessiert, und krieg dann so eine Aussage vorgesetzt. Eine belastbare Alternative hat er mir im Übrigen auch nicht nennen können.
Soll ich jetzt mein Leben daheim verbringen und von meinen Eltern oder dem Staat leben, oder wie stellt er sich das sonst vor?!?
Ich bin ja in letzter Zeit so einigen Psychologen und Therapeuten begegnet, aber dieses Mal hatte ich das erste Mal irgendwie das Gefühl, dass mir was eingeredet wird, was ich für Blödsinn halte. Ich habe nur bedingt eine Ahnung, was er anders gemacht hat als z.B. mein Bezugstherapeut in der Klinik – dort sind wir auch allmählich auf Dinge gekommen, wo ich zuerst gesagt habe „da ist nichts“ und dann schließlich gesehen habe „da ist doch was dran“. Aber dennoch hab ich mich da nie so behandelt gefühlt à la „Kann es sein, dass sie da und damit ein Problem haben?“- „Nein, ich glaube nicht.“ – „Aber sicher haben Sie da ein Problem!“ Das Problem ist vermutlich der letzte Satz. Es ist ok, was als Denkanstoß in den Raum zu stellen, vielleicht auch nochmal drüber zu sprechen. Aber die letztendliche „Erkenntnis“, ob etwas (für mich) ein Problem ist, sollte doch von mir kommen, finde ich.
Also werde ich mir morgen mal einen Termin bei meiner Hausärztin besorgen und versuchen, sie zu überreden, dass sie die von mir gewünschten Werte macht. Notfalls zahl ich es auch selbst :roll:. Ich hoffe so sehr, dass sie sich drauf einlässt, ich hasse solche Gespräche. Ich hab zwar nicht vor, Dr. H. irgendwie zu erpressen, aber ich werde schon klar und deutlich sagen, dass die Brücke allmählich näher kommt. Sie meinte schließlich selber, ich soll immer deutlich sagen, wie es mir geht (normalerweise merkt man mir das nicht wirklich an). Ok, bei Dr. J. kann ich es wohl nur verkehrt machen (wäre ich nicht „ärgerlich“ gewesen, sondern „hoffnungslos“, wär ihm sicher auch was eingefallen…), aber bei ihr hab ich noch Hoffnung. Davon, dass Dr. J. „ja verstehen kann, dass ich so empfinde“, hab ich nämlich leider rein garnix.
Wenn die Blutwerte wirklich alle top sind – und „top“ heißt nicht „gerade noch in der Norm, aber an der absoluten Untergrenze“ -, dann können wir gerne nochmal über die Psyche als Auslöser der Müdigkeit reden. Aber erst dann.
Ach so, und bevor es hier irgendwelche Missverständnisse gibt: Ich bin sicher, dass meine Probleme nicht ausschließlich organisch bedingt sind und habe in jedem Fall vor, therapeutisch weiterzumachen. Lediglich bei der Müdigkeit bin ich am Zweifeln, und da bin ich auch nicht alleine mit den Zweifeln, auch in der Klinik und bei meiner in Rente gegangenen Psychiaterin hieß es immer „es kann sein, dass die Müdigkeit von der Psyche kommt, muss aber nicht; und es ist irgendwie seltsam, dass die Medikamente kaum wirken“. Soviel also dazu.
Ich merk gerade, dass es vielleicht keine gute Idee war, diesen Artikel zu schreiben, dadurch denk ich nur wieder drüber nach und reg mich wieder auf, nachdem ich mich doch eigentlich beruhigt hatte :mad:.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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4 Antworten zu Grmpf!

  1. Pingback: Was wäre… | Gedankenkarrussel

  2. Träumerin schreibt:

    Wie ich das kenne……ist man erst einmal mit einer psychischen Erkrankung diagnostiziert worden, dann hängen laut vielen Halbgöttern in weiß sämtliche anderen Beschwerden, für die es nicht sofort eine Erklärung gibt natürlich auch damit zusammen.
    Bei mir bestand der Gipfel dieser Unverschämtheit darin, dass ich mit akuten starken Schmerzen vom zahnärztlichen Notdienst unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt wurde…. ich wäre wohl zu angespannt und würde sicher auch nachts mit den Zähnen knirsche. In Wirklichkeit hatte ich eine fiese Entzündung an der Zahnwurzel, wie mein Hauszahnarzt dann nach dem Wochenende feststellte.
    Lass Dir das nicht gefallen und nicht abspeisen, wenn Du diese Werte untersucht haben möchtest, dann bestehe drauf. Hashimoto ist ja wirklich kein Spaziergang und es ist total wichtig, dass da nichts übersehen wird (eine Bekannte von mir leidet ebenfalls darunter). Viele Ärzte sind immer noch der Meinung, es reiche aus, einfach nur das TSH zu bestimmen, aber das ist absolut falsch! Notfalls lass Dich zu einem Endokrinologen überweisen. Es kostet schon genug Kraft, gegen die Angst und Depression zu kämpfen, da muss man nicht noch zusätzlich unter etwas leiden, was man leicht behandeln könnte.

  3. gedankenkarrussel schreibt:

    Bei Zahnschmerzen ist das ja echt eine Frechheit.
    Aber bei dem, was man im Hashiforum so liest, fragt man sich auch, wann es das Preisausschreiben gab, wo der 3. bis 1000. Preis der Arzttitel war… ist ja alles nur die Psyche… bei dem, was man von manchen Ärzten so hört an Unverschämtheiten oder Ahnungslosigkeiten, kriegt man spätestens danach psychische Probleme, auch wenn man vorher noch keine hatte 👿
    Es gibt hier leider im weiteren Umfeld wohl nur einen Endo und der stellt nach meinen Informationen stur nach TSH ein… also nicht wirklich erfolgversprechend. Mal sehen, was meine Hausärztin sagt, hab noch für diese Woche einen Termin bekommen.
    Genau, es kostet so viel unnötige Kraft – die ich eigentlich eh nicht habe, so wie es mir gerade geht 😦

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