Meine Glasglocke

Manchmal möchte ich flüchten.
Möchte mich verkriechen.
Würde gerne unter den Tisch krabbeln, der in der Ecke steht, und da nicht mehr rauskommen.
Würde am liebsten schreien und aus dem Zug springen.
Doch das geht halt nicht.
Oder käme zumindest sehr komisch an.
Also verkrieche ich mich in mich selber.
Unter meine Glasglocke.
Da fühle ich mich schon etwas besser.
Ich bin nicht richtig verkrochen.
Ich sehe noch, was draußen passiert.
Auch ich werde von draußen gesehen.
Es ist keine absolute Sicherheit.
Was, wenn jemand mit Steinen schmeißt?
Oder wenn jemand die Glasglocke mit Gewalt wegnimmt?
Ich schütze mich vor Überforderung, indem ich mich unter die Glocke verziehe.
Aber ich sperre damit andere Menschen aus.
Es ist so wenig Platz, dass keiner mehr dazu passt.
Auch Menschen, die ich gerne bei mir hätte, nicht.
Aber die dürfen auch die Glasglocke vorsichtig hochheben.
Dürfen zu mir kommen.
Dürfen mich in den Arm nehmen.
Das ist mindestens ein genauso guter Schutz wie die Glasglocke.

Ist meine Glasglocke jetzt Ballast, der eigentlich überflüssig ist – oder ist sie eine notwendige Überlebensstrategie?

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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2 Antworten zu Meine Glasglocke

  1. silberträumerin schreibt:

    vielleicht sowohl als auch. ich zumindest sehe die dissoziation (meine glasglocke) bei mir so – mal störend und belastend, mal aber hilfreich und notwendig. ganz loswerden würde ich sie nicht wollen, denn gezielt zur rechten zeit im richtigen maße eingesetzt, ist sie eine unglaublich gute überlebenshilfe.

    die kunst ist wohl, solche „glasglocken“ zu kontrollieren. die größe zu variieren, die dicke vom glas, milchglas oder klares glas, vielleicht kleine fenster oder türen… gerade so, dass man alles unerwünschte gezielt aussperren kann, aber das gute noch immer an einen herankommen darf.

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Das trifft es wohl ganz gut – manchmal brauche ich sie einfach. Aber ich muss das mit dem „gezielt einsetzen“ wohl noch üben, denn momentan hab ich glaub ich nicht immer die Kontrolle drüber, ob die Glasglocke gerade da ist oder nicht.

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