Das perfekte Mauseloch

Ich wünsche mir oft ein Mauseloch.
Mein Mauseloch ist ganz tief.
Man kann darin verschwinden und sich verstecken.
Unten ist es sehr gemütlich.
Ich habe eine behagliche, weich gepolsterte Höhle und Futtervorräte.
Nette andere Mäuse wohnen in den Höhlen ringsum.
Raus komme ich nur, wenn etwas Gutes geschieht, wenn keine Gefahr droht.
Wenn mir jemand einen Leckerbissen bringt.
Wenn jemand kommt, um mit mir zu spielen.
Wenn jemand kommt, um mich zu streicheln.
Kurz: Wenn jemand lieb zu mir ist.

Da unten bin ich in Sicherheit.
Es geht mir gut.
Wirklich?
Macht es mir etwas aus, nicht mitzubekommen, wie das Leben da oben läuft?
Ist mir die Sicherheit wert, von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten zu sein?

Ich weiß es nicht.

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Über gedankenkarrussel

zwischen 25 und 35, Christ, naturwissenschaftlich interessiert, Aspergerautistin im Kampf mit der Müdigkeit... (darüber schreibe ich mehr in meinem Blog https://gedankenkarrussel.wordpress.com/ )
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6 Antworten zu Das perfekte Mauseloch

  1. silberträumerin schreibt:

    eine maus? so ein kleines, ziemlich wehrloses tierchen, das sich nie wirklich sicher fühlen kann? an der oberfläche in ständiger alarmbereitschaft, zusammenzucken und weglaufen müssen bei jedem geräusch und jeder bewegung? selbst in der höhle das eindringen von räubern fürchten müssen? die erschütterungen spüren und zittern, wenn jemand oberhalb deiner höhle den boden betritt, jeden schritt indirekt abbekommen, aber nicht die gewissheit haben, ob da oben freund oder feind entlangläuft? vereinsamen, weil man du niemals sicher wissen kannst, wann die luft rein ist und du gefahrlos hinaus kannst – und deshalb lieber auf nummer sicher gehst, in deiner höhle bleibst, für immer und ewig?

  2. gedankenkarrussel schreibt:

    Ich glaub, das perfekte Mauseloch ist in einer Gegend, wo es keine Gefahren gibt – zumindest keine, die bis in das Mauseloch kommen *g*
    Aber klar, es ist nur ein Vergleich, oder der hat irgendwo seine Grenzen. Man sagt halt einfach oft „ich wünsche mir ein Mauseloch, in dem ich verschwinden kann“, wenn etwas peinlich ist oder man mit der Situation nicht klarkommt. Da unten will wenigstens keiner was von mir… aber klar kann man da unten vereinsamen…
    Aktuell habe ich mir ja vorgenommen, jeden Tag mindestens einmal die Wohnung zu verlassen, damit ich mich eben nicht einfach einigeln kann. Sei es zum Einkaufen, Spazierengehen, sich mit jemand treffen. Denn momentan empfinde ich das Einigeln tatsächlich als sehr attraktiv, weil ich das Gefühl hab, dass alles mich überfordert, was sich außerhalb meines Bettes oder gar außerhalb meiner Wohnung abspielt 😦

    • silberträumerin schreibt:

      manchmal ist es nicht das schlechteste, sich zurückzuziehen. als selbstschutz, schutz vor überforderung, als möglichkeit zur ruhe zu kommen und inne zu halten.

      ist natürlich die frage, was passiert, wenn man dem mauseloch-wunsch nachgibt – wird es dadurch immer schlimmer oder bekommt man nach ein paar tagen alleinsein dann doch wieder lust dazu, in die welt zu gehen? ist bei jedem verschieden, und ich weiß nicht, wie es bei dir ist. mir persönlich tut es manchmal gut, mich zurückzuziehen, irgendwann vergeht das mauseloch-gefühl wieder und ich *will* raus, will was unternehmen. vielleicht also mal ein paar tage im mauseloch erlauben, falls dich das rausgehen dann doch zu viel kraft kostet?

  3. gedankenkarrussel schreibt:

    Ich hab heut immer wieder drüber nachgedacht… zuerst dachte ich, dass ich eigentlich mit dem Einigeln gar kein Problem hätte, wenn man mich nicht zwischendurch zu sozialen Kontakten zwingen würde (Beruf etc) – und dass mir gelegentliche Kontakte mit Freunden reichen würden.
    Dann habe ich mich an das halbe Jahr an einem anderen Ort erinnert. Dort hatte ich kaum Kontakt zu Menschen und hatte vor Einsamkeit ziemliches Heimweh.
    Ist jetzt halt die Frage, ob „ein paar“ Kontakte mir gereicht hätten oder nicht; so wie die anderen Mäuse, die mit mir da unten leben, vielleicht ausreichend wären. Aber vielleicht halt auch nicht…
    Es ist wohl wirklich eine Frage der Balance zwischen zu viel und zu wenig. Wie findet man die?
    Ich glaub, bei mir wird es auch eher schlechter, wenn ich zu lange im Mauseloch bin, denn dann überlege ich, wie schrecklich es da draußen ist… wenn ich rausgehe um einzukaufen o.ä. merke ich dann direkt, dass es gar nicht so gefährlich ist und kann mich nicht in irgendwelche Fantasien reinsteigern. Wobei ein paar Tage da noch kein großes Problem da stellen, aber so ab spätestens einer Woche wird es kritisch.

  4. Pingback: Mauseloch | Gedankenkarrussel

  5. Pingback: Ungünstige Kombination | Gedankenkarrussel

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